Straßenbau in Leonberg Wenn aus der B 295 die L 1137 wird

Von Arnold Einholz
Die Baustelle am Hasenbrünnele: Hier entsteht noch nicht der künftige Radweg entlang der ausgebauten Straße. Foto: privat

Leonberg - Wer kennt die Landesstraße 1137? Die wenigsten der vielen Tausend Autofahrer, die täglich zwischen Leonberg und Ditzingen und umgekehrt unterwegs sind, wissen, dass sie jetzt nicht mehr auf der Bundesstraße 295, sondern eben auf der L 1137 unterwegs sind. Still und leise hat das Stuttgarter Regierungspräsidium endlich die viel befahrene Straße umgestuft.

Für die Städte Leonberg und Ditzingen ist die B 295, die in Stuttgart am Pragsattel beginnt und in Calw-Heumaden auf die B 296 trifft, lange Jahre ein Segen und ein Fluch gewesen. Ein Segen, weil sie eine gute Verbindung ins Umland darstellt. Ein Fluch, weil sie äußerst stark befahren ist und zur Ausweichstrecke wird, wenn es auf den Autobahnen 8 und 81 Probleme gibt. Das wird sich aber auch als Landesstraße nicht ändern.

Ursprünglich ist die Straße mitten durch beide Städte verlaufen, was im Laufe der Jahre immer wieder geändert wurde. Ditzingen hat Abhilfe geschaffen, indem die Siemensstraße zur Umgehungsstraße ausgebaut wurde und viel Verkehr aufgenommen hat.

In Leonberg verlief die B 295 in den Anfängen über die Feuerbacher Straße, die Grabenstraße, die Eltinger Straße, die Leonberger Straße und sogar über die Carl-Schminke-Straße, bevor sie als Renninger Straße mit einer Brücke über die Autobahn 8 weiter geführt wurde.

Sehr viel Bürokratie

Mit dem Bau der Südrandstraße und dem Ausbau der Brennerstraße und der Renninger Straße wurde die B 295 – sehr zum Missfallen der örtlichen Händler – aus Eltingens heutiger Prachtstraße, der Carl-Schmincke-Straße, herausgenommen. Sie lief über die Brennerstraße und die Renninger Straße. Wo einst eine Brücke über die A 8 stand, sollte ursprünglich der West-Anschluss entstehen. Doch in einem bis heute noch einzigartigen Verfahren hat der damalige Landesverkehrsminister Hermann Schaufler (CDU) die Pläne des Regierungspräsidiums Stuttgart gestoppt. Er hat verfügt, dem Wunsch von Leonberg nachzukommen, den Anschluss weiter nach Westen zu verlegen. Und so wurde er, als 2008 die A8 sechsspurig ausgebaut wurde, auch realisiert.

Doch mit der Planfeststellung für eben diesen West-Anschluss und dem Ausbau der Bundesstraße 295 zwischen Leonberg und Renningen, einschließlich der Verlängerung der Südrand- und der Brennerstraße, wurde das Ende der B 295 zwischen der Anschlussstelle Stuttgart-Feuerbach und Leonberg-West eingeläutet.

Weil ein ausgebauter Radweg fehlt, benutzen viele Radler die viel befahrene Straße. Foto: privat

So nahe an einer gut ausgebauten Autobahn brauche es keine Bundesstraße, schlussfolgerte das Bundesverkehrsministerium und leitete ein Verfahren zur Umstufung ein. Diese sollte 2016 erfolgen. Doch bevor die Straße in andere Verantwortung kommt, muss sie vom ursprüngliche Baulastträger in tadellosen Zustand gebracht werden. Dazu gehörten unter anderem auch der aufwendige Umbau und die Sanierung der Grabenstraße. Nachdem das Stück der B 295 zwischen Ditzingen und der Abzweigung nach Gerlingen im Jahr 2018 und der Rest ab der Straße nach Gerlingen bis zur Ortseinfahrt Leonberg im Jahr 2019 auf Vordermann gebracht wurden, stand der Umstufung zur Landesstraße 1137 nicht mehr im Wege.

Die Umstufung erfolgt, wenn sich die Verkehrsbedeutung von klassifizierten Straßen wie Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen ändert. Das Verfahren läuft bei Bundes- oder Landesstraßen bei den Regierungspräsidien (für die B 295 beim Stuttgarter), bei Kreis- und Gemeindestraßen bei den Landkreisen. Das Landes-Verkehrsministerium behält sich die Zustimmung bei Landesstraßen vor. Bei Bundesstraßen wird die Zustimmung des Bundesministeriums für Verkehr benötigt. Die Kosten für das Verfahren trägt die Behörde, die das Verfahren durchführt.

Ein langer Rattenschwanz

Der Vorgang für die B 295 zieht einen Rattenschwanz weiterer Umstufungen mit sich nach. Zwischen der Anschlussstelle Ditzingen und der Stuttgarter Straße wird die B 295 zur Landesstraße L 1137, aber der Teil zwischen der Stuttgarter Straße und der Geze-Kreuzung ist die Kreisstraße K 1012. Von hier bis zu der Einmündung der Südrand- und Renninger Straße ist sie einer Gemeindestraße. Mit der Fertigstellung der ehemaligen B 295 zwischen der Abzweigung nach Gerlingen und der Ortseinfahrt Leonberg haben viele die Hoffnung verbunden, dass auch gleich der begleitende Geh- und Radweg realisiert würde.

Doch da ist noch Geduld gefragt. Ein Hoffnungsschimmer kam auf, als nun Schilder mit Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde aufgestellt wurden und Bauarbeiter anrückten. Grund dafür sind aber nur Restarbeiten für einen Gehweg am Hasenbrünnele zwischen dem Unteren Schützenrain und dem Tilgshäusleweg. Beim Umbau der ehemaligen B  295 wurden nämlich die Einfassung und die Steinmauern einer der letzten in Leonberg noch aktiven Quellen, des „Hasenbrünnele“, in Mitleidenschaft gezogen.

Lesen Sie hier: Ein Geh- und Radweg wird die B 295 begleiten

„Radfahrer und Fußgänger zwischen Leonberg und Ditzingen müssen sich weiterhin auf gefährliches Terrain begeben – die einen fahren auf der Straße, die anderen laufen verbotenerweise über eine Schotterpiste“, sagt Detlef Bich. Als Bewohner der Feuerbacher Straße hat er das Geschehen täglich vor Augen.

In Abstimmung mit der Naturschutzbehörde wurden im Februar die Bäume gefällt. Zudem vermeldet die Stadtverwaltung, dass die Gespräche mit den Grundstückseigentümern erfolgreich gewesen seien. Nun müssen die Grundstücke auch alle erworben werden.

Aktuell wird die Ausführungsplanung überarbeitet, denn es findet eine Anpassung ans Höhenprofil statt, weil der Radweg auch als Wirtschaftsweg genutzt werden soll. Während dieser Planung ermittelt das beauftragte Büro den exakten Trassenverlauf und berechnet die benötigte Baustoffmenge – damit im nächsten Schritt die Ausschreibung für die Vergabe des Bauauftrags erfolgen kann.

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