Stadtentwicklung Leonberg Das Postareal nimmt konkrete Formen an

Von Thomas K. Slotwinski
Ein großzügiger Platz auf der Höhe Steinstraße soll das Entree zum neuen Stadtquartier bilden. Foto: h4a

Leonberg - An der Entwicklung des Postareals zu einem zentralen Stadtquartier wird weiter gearbeitet. Der Gemeinderat hat am späten Dienstagabend die Pläne des Investors Strabag mit großer Mehrheit bei vier Enthaltungen gebilligt und damit den Weg geebnet, um zwischen Rathaus und Altstadt acht Häuser mit Wohnungen, Handel und Gastronomie sowie einen zentralen Platz und einen Park zu realisieren. Weiteres wichtiges Element ist eine sechs Meter breite Brücke, die direkt zur Altstadt führt.

Grund für die am Ende doch sehr breite Mehrheit waren etliche Planungsänderungen, die der Investor Strabag auf Druck des Gemeinderates vorgenommen hatte. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und Baubürgermeister Klaus Brenner waren mehrfach bei Strabag vorstellig, um das Projekt nicht platzen zu lassen.

Um die modifizierten Pläne zu präsentieren, waren der Stuttgarter Strabag-Bereichsleiter Axel Möhrle und die Architekten des Stuttgarter Planungsbüros h4a eigens in den Leonberger Gemeinderat gekommen. Tatsächlich sind die wesentlichen Knackpunkte weitgehend entschärft.

Die weitgehend unstrittigen Punkte

Um mehr Freiraum zu schaffen, werden die Gebäudekanten an der Eltinger Straße zurückversetzt. Ein großzügiger Eingangsplatz soll den offenen Charakter des gesamten Quartiers unterstreichen.

Ein sieben Meter breiter Streifen längs der Eltinger Straße bleibt im Besitz der Stadt, um mehr Flexibilität bei der anvisierten Straßenumgestaltung zu haben. Das Ansinnen von Wolfgang Schaal (Freie Wähler), diesen Streifen um weitere drei Meter zu verbreitern, will Strabag prüfen.

Der Brückenschlag, eine Verbindung zur Altstadt, wird sechs Meter breit. So ist genug Platz für Fußgänger, Radler und Rollstuhlfahrer gleichermaßen. Für Autos ist die Brücke tabu, ein kleiner Shuttle-Bus mit mäßiger Geschwindigkeit halten die Planer aber für machbar.

Die Zufahrt für Lieferfahrzeuge eines geplanten Supermarktes wird optimiert. Ein Verkehrschaos durch motorisierte Kunden erwarten die Architekten nicht. Der Lebensmittelmarkt soll insbesondere Anwohner der Nordstadt, dem Bereich zwischen Altstadt, Seestraße und Haldengebiet, ansprechen. Viele, die jetzt noch mit dem Auto in die Römerstraße oder ins Leo-Center führen, könnten dann ihre Besorgungen zu Fuß oder per Rad erledigen.

Die Planer verweisen auf eine aktuelle Studie der Technischen Universität Darmstadt, nach der zentral gelegene Lebensmittelmärkte von den Kunden zu 44 Prozent zu Fuß, zu 21 Prozent per Rad und zu 15 Prozent mit Bus oder Bahn angesteuert würden. Der Autoanteil liegt demnach bei vergleichsweise geringen 20 Prozent. Ob diese Zahlen auf Leonberg anwendbar sind, wird allerdings von einigen Stadträten in Zweifel gezogen.

Die Knackpunkte

Der Baumbestand vor dem ehemaligen Postgebäude hatte zu besonders emotionalen Diskussionen geführt. Die Grünen und die Freien Wähler waren gegen das von Strabag für nötig erachtete Fällen der Kastanien. Die Architekten von h4a präsentierten nun einen Kompromiss. Zwei bis drei Bäume bleiben stehen, andere werden umgesetzt. Außerdem soll es zahlreiche Neupflanzungen geben. Dass das Thema damit durch ist, scheint unwahrscheinlich. Die Grünen meldeten bereits weiteren Gesprächsbedarf an.

Den wird es auch beim Thema Tiefgarage geben. Bisher ist eine Zufahrt von der Eltinger Straße aus vorgesehen. Fast alle Redner im Gemeinderat sprachen sich für eine weitere Einfahrt in der Bahnhofstraße aus. Für die will der Investor zwar baulich die Voraussetzungen schaffen, sie aber nicht selbst umsetzen. Das sei ein Verkehrsthema und damit Sache der Stadt, argumentierte Strabag-Chef Möhrle. Angesichts der Vehemenz, mit der die Fraktionen auf die Zufahrt pochten, signalisierte er aber Lösungsbereitschaft.

So geht es weiter

Nachdem die Grundrichtung nun steht, geht es in die Feinarbeit. Ob die Radwegeführung optimal ist, wollen die Strabag-Planer überprüfen. So ist im Gemeinderat umstritten, ob Radler auf dem zentralen Quartiersplatz absteigen müssen, so wie es in Fußgängerzonen üblich ist.

Mit einem Bebauungsplanverfahren bekommt das ganze Projekt dann einen sozusagen amtlichen Charakter.

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