Schlegler Heimsheim Am Anfang stehen die „Könige zu Heimsen“

Von Brunhilde Arnold
In voller Gewandung begehen die Heimsheimer Schlegler ihr Jubiläum. Foto: Jürgen Bach

Heimsheim - Im Jahr 1396 hat sich der Schleglerbund aufgelöst. Der Zusammenschluss von Rittern hatte gegen die zunehmende Vorherrschaft der freien Städte und der Grafen von Württemberg gekämpft und war in Heimsheim besiegt worden. Genau 600 Jahre später, im Jahr 1996, traten die Schlegler wieder ins Rampenlicht und schlossen sich als Gruppe dem Heimatgeschichtlichen Freundeskreis an.

Dieses 25-jährige Jubiläum feierten sie nun, pandemiebedingt allerdings in kleinem Rahmen. So kam nur eine kleine, aber feine Gästeschar zum Empfang vor den Schlosskeller. Mit dabei waren an diesem strahlend-schönen Herbsttag neben den Schleglern selbst und ihren musizierenden „Martinsvögeln“ auch befreundete Mittelaltervereine wie die Freyen Rittersleut zu Randingen (Renningen), die Ispringer und eine Gesandtschaft des Freien Heers zu Karlsruhe, natürlich alle in passender Gewandung.

Aus Laienschauspielern werden die Schlegler

Und mit Kostümen hat einst auch alles angefangen. Denn der heutige „kulturhistorische Mittelalterverein der Schleglerstadt Heimsheim“, wie sich die Schlegler selbst bezeichnen, war in seiner Anfangszeit eine Gruppe von Laienschauspielern, die sich zusammenfanden, um 1995 das Stück „Die Könige zu Heimsen“ aufzuführen. Anlass war die Wiedereröffnung des Schleglerschlosses, im Ort nur „Kasten“ genannt, nach zehnjähriger Renovierung.

40 Mitwirkende waren bei den Aufführungen des historischen Stücks dabei, erzählt Manfred Walter. „Einige von uns haben dann gesagt, wir machen weiter“, erzählt er von den kleinen Anfängen des heutigen großen Vereins. Mit der Zeit fanden sich immer mehr Interessierte, die Spaß daran hatten, bei den Aufführungen der Theatergruppe mitgemacht. Dabei standen zunächst auch Märchen wie „Max und Moritz“, „Aschenputtel“ und „Der gestiefelte Kater“ im Programm, dann wieder die „Könige zu Heimsen“, woraus sich später die Schlosshofspiele entwickelten.

Als 1999 von der Stadtkapelle die Bitte kam, beim Schleglerfest als Mittelalter-Gruppe mitzumachen, hielt neben dem Theaterspielen auch das mittelalterliche Treiben immer mehr Einzug in die Vereinsaktivitäten. „Wir sind in ganz Deutschland unterwegs gewesen, um uns passende Ausrüstung und Waffen zu besorgen“, erzählt Manfred Walter. Der Kampf mit Stock und Schwert, Bogenschießen sowie mittelalterliche Tänze hatten sich in schon vorher im Verein etabliert. Die Schlegler entdeckten den Spaß am mittelalterlichen Lagerleben und nehmen bis heute an Mittelalter-Veranstaltungen und -Märkten in der Region und weit darüber hinaus teil. Zehn Jahre lang veranstaltete der Verein selbst einen Schleglermarkt, abwechselnd in Heimsheim und Friolzheim. „Doch er war immer mehr auf Konsum ausgerichtet, das wollten wir nicht mehr unterstützen“, sagt Walter.

Beim Geburtstagsfest unüberhörbar waren die „Martinsvögel“, die mit Sackpfeife, Leier, Flöte und Trommeln mittelalterlich anmutende Musik machen. Und mit Gesang, manchmal auch mit einem Augenzwinkern, wenn etwa Simon Kleinecke fragte: „Wann gibt’s mal wieder echte Ritter, so Ritter, wie es früher einmal gab, mit langem Schwert und blanker Rüstung und einem großen Herz für eine gute Tat?“

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Die gute Tat haben die Vereinsmitglieder schon seit Jahren im Blick: Sie sammeln Spenden zugunsten schwerstkranker Kinder. Geld kommt etwa von den Rittermahlen, die der Verein organisiert. Apropos Rittermahle: Am ersten Abend stellten sie Öllampen im Raum auf mit dem Ergebnis, dass die Wände im Kasten schwarz waren: „Wir mussten drei Tage lang putzen, um sie wieder einigermaßen weiß zu bekommen.“

Auch die Zukunft haben die Mittelalter-Freunde im Blick: Drei Mitglieder sind zu Jugendleitern geschult worden, an einem Konzept für eine Jugendgruppe wird gerade gebastelt. Im renovierten Schlosskeller sollen vielleicht schon nächstes Jahr Kleinkunstveranstaltungen stattfinden, und vielleicht klappt es ja auch mit der Suche nach einem Grundstück für ein eigenes Vereinsheim.

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