Neubaugebiet Renningen Im Schnallenäcker geht’s im Frühjahr los

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Der Schnallenäcker in Renningen wird um acht Hektar erweitert. Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Renningen ist in den vergangenen Jahren zwar kräftig gewachsen, aber die Nachfrage nach Wohnraum ist noch lange nicht gesättigt. Im Stadtbauamt umfasst die Liste mit Interessenten an Grundstücken 1300 Namen. „Klar müssen wir uns fragen, wie schnell wir wachsen wollen“, sagt der Stadtbaumeister Hartmut Marx. „Aber all das sind Menschen die Wohnraum suchen, weil sie im Kreis Böblingen arbeiten – und die wollen wir nicht ausschließen.“

In der letzten Sitzung in diesem Jahr hat der Gemeinderat die letzten Beschlüsse für das Neubaugebiet Schnallenäcker III gefasst. Damit rollen die Bagger im Mai an, gebaut werden Straßen, Kanäle und Versorgungsleitungen. Bis die Häuslebauer auf der acht Hektar großen Fläche loslegen können, dauert es aber noch. Rund anderthalb Jahre dauert die Erschließung, sodass ab 2023 die ersten Häuser entstehen könnten.

Die Grünen üben Kritik

Einstimmig war der Beschluss im Gemeinderat nicht, vor allem die Grünen kritisieren die Pläne. „Klimaschutz spielt in diesem Neubaugebiet keinerlei Rolle“, sagt die Stadträtin Lisa Zimmer. „Und das im Jahr 2020, wo Klimawandel in aller Munde ist – darüber bin ich sehr enttäuscht.“ Konkret vermisst Zimmer zum Beispiel ein Nahwärmenetz. Heizen macht ein Drittel des CO2-Ausstoßes aus – und gerade das gilt als Einflussmöglichkeit der Kommunen beim Klimaschutz. In Weil der Stadt arbeitet der dortige Beigeordnete Jürgen Katz zum Beispiel an einer zentralen Erdgas- oder Wasserstoff-Heizung, um so im Neugebiet Klimaneutralität zu erreichen.

Jochen Breutner-Menschick, der grüne Fraktionschef in Renningen, unterstützt die Kritik seiner Fraktionskollegin. „Diese Schnallenäcker-Planungen sind ein Relikt aus einer alten Zeit“, sagt er. „Da hat man einfach die Pläne vom vorigen Schnallenäcker-Gebiet hochgespiegelt.“ Monika Breitweg (ebenfalls Grüne) missfällt die Flächenversiegelung. „Nachverdichtung wäre besser“, sagt sie. Alle drei grünen Redner kritisieren auch, dass das Gebiet nicht verkehrsberuhigt geplant wurde. Die zentralen Straßen in Nord-Süd-Richtung sind im Neubaugebiet als Tempo-30-Straßen vorgesehen. Die Zubringerwege in Ost-West-Richtung werden verkehrsberuhigte Spielstraßen. „Man sollte mehr Anreiz für alternative Mobilitätsformen schaffen“, findet Breitweg. Mehr Verkehrsberuhigung fordern auch die Stadträte Dennis Metzulat (SPD) und Katharina Kreis (Grüne).

Soll das Gebiet verkehrsberuhigter werden?

Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) verteidigt in der Debatte die Schnallenäcker-Pläne. Natürlich hätte man das Baugebiet auch anders planen können, mit einer anderen Verkehrsplanung und mehr Klimaschutz. „Der Gemeinderat hat es aber 2017/2018 so auf den Weg gebracht“, sagt er. „Verkehrsberuhigt geplant haben wir das Neubaugebiet Keltenstraße – das liegt am Gemeinderat.“

Man werde auch nicht nichts für das Klima tun, kündigt der Bürgermeister an. Die Stadtverwaltung berate die Bauherren später und schlage zum Beispiel Fotovoltaikanlagen vor.

Gegen die Stimmen der Grünen, aber mit großer Mehrheit, beschloss der Gemeinderat, Schnallenäcker III wie geplant umzusetzen. Im Mai geht es los, dann kümmern sich die Bauarbeiter zuerst um das Regenwasser-Ableitungssystem.

Renningen ist damit weiter auf Wachstumskurs. Seit 2015 wird der 14 Hektar große Schnallenäcker II bebaut, in zwei Jahren dann der acht Hektar große Schnallenäcker III. Aber auch danach wäre noch Kapazität. Insgesamt ist der Schnallenäcker 40 Hektar groß, schon jetzt wird im Regenwasser-System die Erweiterung von Schnallenäcker VI und V berücksichtigt. Auch ein Gebiet Schnallenäcker VI Richtung Malmsheimer Westen wäre noch denkbar.

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