Leonberg In den Streuobstwiesen gehen die Diebe um

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Nach einem Jahr Arbeit freut sich der Wiesenbesitzer über eine gute Ernte – sofern ihm nicht Diebe die Früchte seines Fleißes stehlen. Foto: /Frank Rumpenhorst

Leonberg - Jetzt reichts!“ Bernhard Wanzki ist erbost und zutiefst gefrustet. Der Höfinger Streuobstwiesenbesitzer ist verärgert über die Kaltschnäuzigkeit, mit der sich viele Zeitgenossen einfach die Früchte der Arbeit anderer aneignen und darauf angesprochen, diese auch noch mit fadenscheinigen Argumenten und faulen Ausreden abspeisen wollen. Wanzki setzt sich für den Erhalt von alten und seltenen Apfelsorten ein und bietet – soweit noch etwas auf seinen Bäumen übrig bleibt – das Obst freitags auf dem Markt der Genüsse in der Altstadt vor dem Rathaus an.

„Wir haben natürlich nichts dagegen, wenn Erholungssuchende durch unsere schöne, von Obstwiesen geprägte Landschaft spazieren, um Kraft und Energie zu tanken“, macht sich Wanzki zum Sprachrohr vieler Geplagten. „Es wäre allerdings besser, wenn sie auf den dafür vorgesehenen Wegen bleiben würden“, formulierte er es diplomatisch.

Freche Behauptungen

Zahlreiche Wiesenbesitzer hätten ihre Freude daran, diese zu pflegen und bei ­Bedarf auch neue Bäume zu pflanzen, um das Landschaftsbild zu erhalten. Die ­Un­kosten der Pflege – Abfuhr von Schnittreis, Anschaffung von Werkzeugen und Geräten und die Beschaffung neuer Bäume – würden sie auch in Kauf nehmen. „Deshalb freuen wir uns auf den ­Ertrag, um die Unkosten zu senken, was bei den Preisen beim Verkauf an die Safterzeuger nicht einfach ist“, erklärt Wanzki.

Doch das größte Ärgernis ist ein anderes: „Es kann nicht sein, dass wir zusehen müssen, wie unser Obst einfach abgeerntet wird. Selbst bei Quitten und Wal­nüssen haben wir das Nachsehen, da ­an­dere unsere Abwesenheit ausnutzen, um zu ernten“, versteht Wanzki die Welt nicht mehr. Er sei Spaziergängern begegnet, die in beiden Händen vollgepackte Stofftaschen und einen vollgestopften Rucksack mittrugen. „Manche Diebe gehen so weit und behaupten, das Grundstück gehöre ihnen“, schreibt der Höfinger in einem Brandbrief an die Stadtverwaltung, das Landratsamt und die Polizei. „Die Diebe kommen dreist mit Auto, Anhängern und Leitern auf die Obstwiesen angefahren.“

Ausreden gehen nicht aus

Ausreden und freche Antworten gebe es zuhauf: auf einen Apfel komme es doch nicht an; eine Tasche voller Äpfel sei doch kein Schaden; die Nüsse sammle der Eigentümer eh nicht auf; die Quitten blieben doch hängen und würden nicht abgeerntet; man solle nicht so kleinlich sein; das Obst gehörte doch allen; wenn man nicht wolle, dass die Wiesen betreten werden, sollte man sie einzäunen oder eine Frau, die mit ihrem Hund vorbeigekommen ist, habe erlaubt, hier zu ernten.

„Noch mehr Frust hat man, wenn auf Floh- und Krämermärkten Nüsse, Quitten und Birnen von Personen verkauft werden, die man davor durch unsere Obst­wiesen hat schleichen sehen“, sagt Wanzki. Es werde gestohlen auf Wiesen und Feldern und die Erzeuger seien machtlos. Da Städte, Landratsämter und Land für den Erhalt von Obstwiesen werben, liege es an ihnen, sich auch Gedanken zu machen, wie der Diebstahl eingedämmt werden könnte. „Solange es noch Idealisten gibt, die Obstwiesen erhalten und pflegen, sollten deren Probleme auch ernst genommen werden“, fordert der Höfinger.

„Es hagelt Sprüche“

Nicht weniger ärgerlich seien Hundehalter, die ihre Tiere in die Wiesen koten lassen. Das Gras werde doch als Futter für Rinder, Pferde und Schafe benötigt. „Spricht man die Hundehalter an, hagelt es Sprüche – man wisse nicht, dass man die Wiesen nicht betreten darf, oder, wo soll der Hund sich austoben, oder der Hund muss auch mal, wozu sind denn die Grünflächen da“, zählt er auf. Am häufigsten heiße es, ich zahle ja Hundesteuer.“

„Langsam aber sicher reicht es uns“, sagt Bernhard Wanzki. Wenn das mit dem Obstdiebstahl nicht aufhöre, trage er sich mit dem Gedanken, es einigen Baumbesitzern nachzumachen und alle Bäume zu fällen, die häufig von Fremden abgeerntet werden. „Dabei ist es mir egal, ob es schöne alte Bäume sind, oder neu gepflanzte“, sagt er fast resigniert. Aber schon jetzt sei er sich sicher, dass es großes Geschrei geben werde, wenn die Kettensägen ihr Werk tun, denn allein er bewirtschaftet mehr als zwei Hektar Streuobstwiesen.

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