Kommunalwahlen am 26. Mai Lokale Akteure ohne ein Parteibuch

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Der Renninger Ratsaal: Wer nimmt hier künftig Platz? Foto: factum/Bach

Renningen/Friolzheim - Es war am Frauentag 1994, als die frühere Landtagsabgeordnete Heiderose Berroth die „Frauen für Renningen“ ins Leben rief – und mit ihrer freien Liste prompt im folgenden Mai in den Gemeinderat gewählt wurde. Ihre Mitstreiterin Traute Badjon erhielt einen Sitz im Malmsheimer Ortschaftsrat, den es damals noch gab. 25 Jahre ist das her. „Das war damals nicht einfach, wenn man so große Parteien gegen sich hat“, sagt Resi Berger-Bäuerle. Sie ist eine der derzeit drei Mandatsträgerinnen der Frauen für Renningen und Spitzenkandidatin für die nächste Wahl am 26. Mai. „Man ist immer der, der komisch fragt.“

Schwieriges Einzelkämpfertum

Das liege nicht an der besonderen Ausrichtung der Liste, sondern eher am Einzelkämpfertum. „Man ist eben nicht in allen Ausschüssen vertreten oder im Ältestenrat und erhält damit nicht alle Informationen.“ Da sei man den Frauen aber schon beim Wiedereinzug 1999 mit zwei Mandaten entgegen gekommen. „Das war toll. So kann man sich auch besser vorbereiten“, meint Berger-Bäuerle. Vor fünf Jahren kam dann sogar ein dritter Sitz dazu, obwohl der Gemeinderat um zwei Plätze auf 22 verkleinert wurde. „Man kann sich jetzt ganz anders austauschen und informieren“, meint Berger-Bäuerle, die seit 1999 im Renninger Gemeinderat sitzt.

Die Frauen für Renningen sind eine so genannte mitgliedschaftlich organisierte Wählervereinigung. Sie funktioniert ähnlich wie ein Verein. Auch die Freien Wähler sind hierzulande so organisiert.

Eine Partei im Hintergrund brauche man aber nicht, sagt die Spitzenkandidatin. „Wir sind keine Großstadt. Hier kennt man sich schon.“ Parteien hätten zwar Vorteile, etwa bei der Finanzierung oder bei Kontakten in die Landes- und Bundespolitik. Aber auch auf Kreisebene will sich die Frauenliste nicht vergrößern. „Dafür bräuchte man viel mehr Unterstützung und mehr Zeit“, sagt die Renningerin. „Hier gibt es genug zu tun.“ Man verstehe sich als lokale Stimme. Im Kreistag müsse man jedoch den ganzen Landkreis im Blick haben.

Suche nach mehr Mitbestimmung

Jane Brosch aus Friolzheim versucht im Mai beides. Sie bewirbt sich um ein Mandat im Gemeinderat sowie im Kreistag. Im Enzkreis kandidiert sie für die Grünen. In ihrem Heimatort hat sie die Liste BUNT gegründet, nachdem sie im Streit um die Hort-Betreuung ihre Interessen durch die Kommune und den Gemeinderat nicht vertreten sah. Sie war eine der Wortführerinnen der betroffenen Eltern. „Wir haben uns damals gefragt, was können wir tun für mehr Mitbestimmung. Nach vielen Gesprächen kamen wir zu der Erkenntnis: Am effektivsten ist es, wenn wir selbst mitmachen im Gemeinderat.“ Bei einem ersten Treffen seien gleich acht Leute gekommen, auf der Liste kandidieren jetzt neun. „Der amtierende Gemeinderat Andreas Schur kam sogar persönlich zu mir nach Hause und hat sich entschuldigt, wie das gelaufen ist. Und jetzt kandidiert er auch für uns“, berichtet Jane Brosch.

Hilfe von den Grünen

„Es geht uns aber nicht nur um den Gemeinderat. Wir wollen kontinuierlich in Friolzheim arbeiten“, sagt die 44-Jährige. Auch BUNT hat die Form einer mitgliedschaftlich organisierten Wählervereinigung gewählt. „Wir haben dabei Hilfe von den Grünen im Enzkreis erhalten, die uns mit allen wichtigen Informationen versorgt haben“, berichtete die Friolzheimerin. Wie der Name BUNT aber sage, sei man parteilich offen. „Wir wollen einfach Themen von der anderen Seite betrachten“, sagt sie. So habe man etwa beim Weihnachtsbasar eine Umfrage unter den Bürgern gemacht. „Die haben drauf gewartet, einfach mal ihre Themen loswerden zu können“, erzählt sie. Einen aufwendigen und teuren Wahlkampf brauche man da nicht.

Unterstützer habe man genug, die Anmeldung zur Wahl sei kein Problem. Das größte Problem sei die Zeit, gerade weil die meisten jünger sind. „Viele unterstützen uns mit Ideen, wollen aber selbst nicht kandidieren. Entweder haben sie Kinder im schulpflichtigen Alter oder schon andere Ehrenämter“, sagt Jane Brosch.

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