Kinderbetreuung in Rutesheim Es gibt jetzt auch einen Waldkindergarten

Von Arnold Einholz
Alltag der Lerchenwichtel: Zwei Bauwagen als Unterschlupf und ein ganzer Wald zum Spielen und Erkunden. Foto: factum/Simon Granville

Rutesheim - Es ist immer eine Gelegenheit, sich an herumwuselnden Kindern zu erfreuen und sich ihr fröhliches Lachen zu Herzen gehen zu lassen – die offizielle Eröffnung eines neuen Kindergartens. Aber mit Corona ist es jetzt anders. Die Kinder sind schon längst zuhause, als sich die Rathausspitze mit allen Akteuren trifft, die zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben. So geschehen auch am Rutesheimer Lerchenberg, wo es nun einen Waldkindergarten gibt.

Oma Susanne Widmaier plaudert aus dem Nähkästchen: „Meine jetzt einjährige Enkelin wird später auch in einen Waldkindergarten gehen.“ Die Rutesheimer Bürgermeisterin ist begeistert von dem Konzept, in dem Nachhaltigkeit gelebt und erlebt werde: „Das ergänzt sehr gut das breite Betreuungsangebot in unserer Stadt.“

Es gab eine kontroverse Diskussion

Das Thema Waldkindergarten beschäftige Gemeinderat und Verwaltung schon länger, erläutert die Bürgermeisterin. „Es ist durchaus kontrovers diskutiert worden, nicht alle sind von dieser Betreuungsart überzeugt gewesen.“ Auch sei es angesichts immer komplexerer Auflagen nicht leicht, geeignete Standorte zu finden.

Doch dann ist Gottfried Liese, der Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche Rutesheim, auf die Verwaltung mit einem Vorschlag zugekommen. Die Kirchengemeinde hat am Lecherberg am Waldrand zwischen Rutesheim und Flacht ein großzügiges Spiel- und Spaßgelände. Dessen Pflege und Unterhaltung ist für die Kirchengemeinde recht aufwendig – also warum nicht Teile davon als Standort für einen Waldkindergarten nutzen?

Damit ist er bei der Verwaltung offene Türen eingerannt. „Ein solches Angebot ist selten und das Grundstück erwies sich als ideal – gut gelegen, gut anzufahren, in der perfekten Nähe zum Wald“, sagt Susanne Widmaier. Der Erste Beigeordnete Martin Killinger, zu dessen Dezernat auch die Kinderbetreuung gehört, ist zufrieden. „Die evangelisch methodistische Markuskirche hat der Stadt die Fläche zum symbolischen Preis verpachtet. Dafür wird sie künftig vom Bauhof gepflegt und unterhalten“, sagt er. „Das tolle Gelände hat eine lebendige Gestaltung erfahren und wir hoffen, dass sich die Lerchenwichtel am Lerchenberg wohl fühlen“, wünscht sich der Pastor der Markuskirche, Gottfried Liese.

Motorik und Selbstständigkit stehen oben auf der Agenda

Als Träger für den Waldkindergarten hat der Gemeinderat die co.natur gGmbH gewählt, die früher als Verein Naturkinder Flacht fungierte. Deren Geschäftsführerin Evelyn Quass zeigt sich erfreut, als Träger eingesetzt worden zu sein. „Im pädagogischen Konzept der Lerchenwichtel wird viel Wert auf Motorik und Selbstständigkeit gelegt und besonders letztere bewerten die Schulen bei unseren Kinder sehr hoch“, erklärt Evelyn Quass. Umweltbewusstsein, was einen umgibt, die Wertschätzung gegenüber der Natur und Tieren – all das spiele eine große Rolle. „Trotzdem wird ganz regulär am Orientierungsplan des Landes gearbeitet, wie in anderen Kindergärten auch“, sagt die Geschäftsführerin des Trägers. Auch Vorschule wird angeboten.

Geöffnet hat der Kindergarten von 7.30 bis 13.30 Uhr. Angelegt ist er für eine Gruppe von 20 Kindern. Sieben sind bereits in der Eingewöhnungsphase. „Aber das Interesse ist groß“, weiß die Leiterin Friederike Kühn, die auch dem Waldkindergarten in Heimsheim vorsteht. Ihr zue Seite stehen in Rutesheim die Erzieherinnen Birgit Beutelspacher und Vanja Bleihalter sowie Erzieher Bennet Kirschner.

Die Personalkosten sind hoch

Die Kosten betragen laut Haushaltsplan des Waldkindergartens im Jahr 2021 etwa 270 000 Euro, davon sind 250 000 Euro Personalkosten. „Der Grund für diese höheren Kosten liegt darin begründet, dass der Personalschlüssel für nur eine Gruppe und zudem im Wald erheblich höher ist“, erläutert Martin Killinger. Die Personalkosten für eine Kindertagesstätte mit mehreren Gruppen und denselben Öffnungszeiten betragen etwa 130 000 Euro für eine Gruppe mit 25 Plätzen.

Dafür seien die Investitions- und Gebäudekosten für eine Kita wesentlich höher. „Ein Kindergarten-Neubau kostet inzwischen etwa eine Millionen Euro pro Gruppe und das Grundstück kommt noch hinzu“, rechnet der Erste Beigeordnete vor. Die beiden Bauwagen des Waldkindergartens mit Terrasse und Einrichtungen haben rund 165 000 Euro gekostet.

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