Interesse an Streuobst und Regionalem wächst Neue Lust auf alte Obstsorten

Von Stefanie Keinath-Berk
Wer kennt noch die Zabergäu Renette? Auf dem ersten Streuobstmarkt in Wimsheim haben sich Kenner und Liebhaber alter Sorten ausgetauscht und lecker eingekauft. Foto:  

Glänzend poliert, makellos, rotbäckig und rund – also einfach perfekt. Zu finden sind derlei Äpfel in der Supermarktauslage. Exemplare der ganz anderen Art finden eine Heimat auf dem ersten Streuobstmarkt des Obst- und Gartenbauvereins Wimsheim/Friolzheim (OGV) in der Wimsheimer Hagenschießhalle. Und den zahlreichen Besuchern des Markts gefällt das. Das Unperfekte schmeckt einfach leckerer.

Blutstreifling, Gewürzluiken, Goldparmäne und viele andere Apfelsorten reihen sich an den Ständen der Beschicker. Nicht nur in klassischer Apfelform, sondern auch flüssig und geleeartig. Im Mittelpunkt steht einfach alles, was an Leckereien auf einer Streuobstwiese zu finden ist. Dazu gehören auch die Produkte der Imkerin Carolin Schwarzwälder aus Sindelfingen. Interessante und vor allem naturreine Produkte wie Räucherkerzen mit Waldhonigduft stehen zum Verkauf. Zudem präsentiert sie eine Wabe im Holzrahmen. „Wir machen Naturwabenbau“, erläutert sie. Die Bienen bekommen einen schmalen Wachswabenstreifen, der eingelötet wird und machen selbst den Rest. Nach knapp zwei Wochen ist der 50 auf 40 Zentimeter große Rahmen komplett ausgefüllt. Die goldgelbe Köstlichkeit wartet förmlich darauf, auf ein buttergeschmiertes Bauernbrot gestrichen zu werden.

Alte Sorten haben mehr Polyphenole – das hilft Allergikern

Familie Rottenhofer aus Engelsbrand präsentiert sich mit heimischen Produkten von ihrer Streuobstwiese. „Das Bewusstsein dafür wieder zu wecken und die Streuobstwiesen auch als Landschaftsobjekt zu sehen, ist uns wichtig.“ In Bastkörben gelagerte Apfelsorten in sämtlichen Größen und Farben gehören auch dazu. Besonders für Apfelallergiker sind die alten Apfelsorten eine echte Alternative. „Die Polyphenole sind darin vermehrt vorhanden und machen das Allergen unwirksam“, erklärt Bernhard Fehrentz aus Ispringen. Er verkauft unter anderem auch die alten Streuobstsorten.

Aber nicht nur die vegetarischen Varianten der Streuobstwiesen werden auf dem Markt präsentiert. „Ich möchte bevorzugt Interesse am Vogelschutz bei der Bevölkerung wecken“, sagt Berthold Klingel vom OGV und zeigt auf die laminierten Bilder verschiedener Vogelarten. Dazu gehört auch das Bauen und Aufhängen von Nistkästen. Über 100 davon hat er bereits aufgehängt.

Apfelbalsamico und Cidre

Ein paar neugierige Kinder stehen vor der Holzsaftpresse. Der fünfjährige Linus freut sich bereits, selbst Hand zu legen. Sein 11-jähriger Bruder Tim muss ihn ein wenig unterstützen, das große Rad zu drehen. „Das Selbermachen“, meint der achtjährige Elias, „interessiert mich am Apfelsaftpressen.“ Er darf als nächstes. Dann die Belohnung. „Es schmeckt einfach super nach süßen Äpfeln“, lautet sein Urteil. Am Stand von Annemarie Beigel aus Wurmberg gibt es neben leckerem Apfelprosecco auch Apfelbalsamicoessig und Cidre. „Die Eltern holen Eier und die Kinder Fruchtgummi aus unserem Saftautomaten“, lacht sie und zeigt ein Bild desselbigen. Aus regionalem Fruchtsaft entstehen die die Leckereien in Birnen- und Apfelform.

Aber auch der Wurm kommt beim Streuobstmarkt in den Genuss – allerdings der Bücherwurm. Selbst für Apfelsortenbestimmung wird gesorgt. „Bereits einige Besucher wollten wissen, um welche Apfelsorten es sich handelt“, so ein OGV-Mitglied.

In der Strickfabrik gibt es Regionales

Auch in Weissach konnten die Besucher der Strickfabrik so manche kulinarische Köstlichkeit aus der Region entdecken. Das Team aus der Unabhängigen Liste Weissach und Flacht, dem BUND und der Gemeinde Weissach organisiert seit 13 Jahren den Regionalmarkt Heckengäu als ein Forum für Erzeuger aus der näheren Umgebung. Marga Seyfried vom Orga-Team zeigt sich begeistert: „Es ist sehr gut gelaufen, da haben wir uns nach den zwei Jahren Pause richtig gefreut.“ Schade sei, dass manche Händler absagen mussten, weil sie nicht genug Personal haben. „Das zeigt die Lage im Einzelhandel nach Corona sehr deutlich.“

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