Eisschwimmen Das eiskalte Wasser ist ihr Metier

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Katja Hechel fischt kurz vor dem Start eine Eisplatte aus dem Wasser. Foto: Britta von Eitzen

Leonberg - Katja Hechel, eine Extremsportlerin der besonderen Art, hat die Frage, weshalb sie sich das antue, schon unzählige Male gehört. „Es macht mir Spaß und es fällt mir nicht schwer, ich konnte schon immer gut mit kaltem Wasser“, sagt die 48-Jährige aus Leonberg, die sich seit einigen Jahren dem Eisschwimmen verschrieben hat. In den Wintermonaten nimmt sie an Wettkämpfen teil, wo die Wassertemperatur nicht wärmer als fünf Grad Celsius sein darf, damit die geschwommenen Zeiten offiziell anerkannt werden. So fanden beispielsweise die österreichischen Meisterschaften in Obertraun am Hallstätter See im vergangenen Dezember unter „ferner liefen“ statt. Das Wasser war mit sieben Grad zu warm für einen offiziellen Eisschwimm-Wettkampf. In der offenen Wertung wurde Katja Hechel Zweite über 50 Meter Freistil sowie jeweils Dritte über 100 und 200 Meter Freistil.

Eine große Her­ausforderung ist der Start gewesen. Die Leinen der Wettkampfbahnen waren im See zwischen zwei so ­genannten Pontons, zwei schwimmenden Elementen verspannt. „Interessant war dann die Bootsfahrt, die wir, nur im Badeanzug bekleidet, bei gleichmäßigem Schneefall absolvieren mussten, um zum Start zu gelangen“, sagt Hechel, die den Wettkampf als Trainingseinheit für die German Open, die offene deutsche Meisterschaft mitnahm.

Vier Titel bei der offenen deutschen Meisterschaft

Diese fand jetzt im Januar im frän­kischen Veitsbronn statt. Insgesamt 450 Schwimmerinnen und Schwimmer aus 21 Nationen nahmen die Herausforderung an. Und es war kalt genug – die Wassertemperatur schwankte im Veitsbronner Freibad zwischen 2,4 und 3,1 Grad. Am dritten Tag gerieten die Organisatoren mal kurz in Wallungen, als die obere Wasserschicht im Becken noch kurz vor dem Wettkampfstart tief gefroren war. Die Wasserwacht und die Feuerwehr rückten an, sie waren fast eine Stunde damit beschäftigt, das Becken vom Eis zu befreien, damit sich die Teilnehmer nicht an den Schollen verletzen. Für die Leonbergerin war dieser Wettbewerb ein voller Erfolg. Sie war in ihrer Altersklasse AK 45 die Schnellste über 50 Meter Freistil, Brust und Schmetterling sowie 100 Meter Brust und gewann Silber über 200 Meter Freistil. Die letzte Distanz absolvierte sie in 2:45 Minuten. Für Katja Hechel noch eine angenehme Zeitspanne im eisigen Wasser.

Die Hartgesottenen schwimmen Distanzen bis zu 1000 Meter. Die Leipzigerin Alisa Fatum stellte in Veitsbronn in 12:48 Minuten einen neuen Weltrekord bei den Frauen auf. Die langsamste Teilnehmerin war insgesamt 30 Minuten im Wasser. „Sie kam sogar noch alleine aus dem Becken“, sagt Hechel, die weiß, wie gefährlich diese Sportart sein kann, wenn man gewisse ­Regeln nicht einhält.

Wasserwacht und Ärzte vor Ort

„Der Körper kann es gut lernen, in solchen Temperaturen zu schwimmen, man darf dann aber nicht so viel nachdenken, doch untrainiert sollte man das keinesfalls tun“, sagt die ausgebildete Medizinpädagogin, die als Krankenpflegerin arbeitet. „Zehn bis 15 Minuten kann ein Trainierter gut im eiskalten Wasser bleiben.“ In Veitsbronn beobachteten Mitarbeiter der Wasserwacht – im Neopren-Anzug und mit Flossen ausgerüstet – das Geschehen im Becken. Zudem waren drei Ärzte vor Ort, die in Notfällen hätten eingreifen können.

Den letzten Wettkampf im eisigen Wasser bestreitet Katja Hechel am 25. Januar im Chiemsee. Dann startet die Sommersaison und es geht wieder in die wärmeren Becken, wo die 48-Jährige für die SG Glems bei den Seniorenwettbewerben, den so genannten Masters, startet.

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