Corona in Leonberg Arzt schlägt Alarm: Migranten sind schlecht informiert

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Günther Wöhler appelliert, Corona-Regeln mehrsprachig zu verbreiten. Foto: lrabb

Leonberg - Mehr als 21 Prozent der Leonberger haben einen ausländischen Pass, kreisweit liegt die Rate der Menschen mit Migrationshintergrund sogar bei 40 Prozent. Doch längst nicht alle sind der deutschen Sprache soweit mächtig, um in diesen Krisenzeiten immer das Richtige zu tun. „Selbst für Menschen mit Hochschulabschluss ist es bei der sich ständig verändernden Lage schwierig, den Überblick zu behalten“, meint der Leonberger Arzt Günther Wöhler. „Gerade die ältere Generation der Migranten führt ihr häusliches Leben in der Muttersprache“, hat der Allgemeinmediziner in seiner langjährigen Praxisarbeit beobachtet.

„Diese Menschen verstehen den Ernst der Lage oft gar nicht, dabei sind sie besonders gefährdet. Deshalb müssten die staatlichen Stellen in vielen Sprachen informieren, und zwar so, dass die Betroffenen auch erreicht werden: In den sozialen Medien der Sprachgruppen, aber auch mit Plakaten in den Supermärkten.“

Infos an Landsleute weiterleiten

Wöhler, der für die SPD im Kreisrat sitzt, hat daher die wichtigsten Informationen zusammengestellt und bittet die hier lebenden Migranten, vom Araber bis zum Zyprioten, die Informationen übersetzt an deren Landsleute weiterzuleiten:

„An der Grippe sterben in Deutschland jährlich mehr als 10 000 Menschen“, informiert der Mediziner. „Zur Corona-Epidemie besteht ein entscheidender Unterschied: Gegen Grippe ist ein Großteil der Menschen immun, das heißt sie werden nicht krank und stecken niemanden an. Gegen Corona gibt es noch keine Immunität und keine Medikamente. Wenn man die Zahlen hochrechnet, müssen wir bei falschem Verhalten unserer Mitbürger mit zehn Millionen Kranken und mehr als 100 000 Toten rechnen!“

Wöhler erklärt auch, wie die Infektion verläuft: „Zwei Wochen nach Kontakt mit einem Virusträger wird die Erkrankung durch Symptome erkennbar, ansteckend ist man aber bereits Tage vorher. Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Erkältung: Fieber, Husten, Halsweh, nur selten Schnupfen. Häufig riecht man schlechter und es gibt Durchfälle.

An die Regeln halten

Junge und Gesunde überstehen den Virus oft unbemerkt. Gesunde Erwachsene bis 60 Jahre machen den Infekt innerhalb von zwei Wochen durch. Ältere ab 60 Jahren und chronisch Kranke trifft es häufig schwer. „Jeder fünfte dieser Schwererkrankten muss wegen einer Lungenentzündung beatmet werden. Das Sterberisiko ist hoch.

Wöhler unterstreicht die bekannten Regeln, um eine Infektion zu vermeiden: Zuhaus bleiben, anderthalb Meter Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alte und Kranke schützen. Diese Informationen, so hofft der Vater der Leonberger Notfallpraxis, sollen viele deutschsprachige Ausländer an ihre Landsleute weiterreichen. Wer Übersetzungen anfertigen kann, soll sich bei ihm melden.

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