Bürgermeisterwahl in Weil der Stadt Jürgen Katz möchte seine Projekte weiter vorantreiben

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„Es ist ein wunderschöner Platz“, sagt Jürgen Katz zu den drei Linden oberhalb von Schafhausen. Foto: factum/Andreas Weise

Weil der Stadt - Mächtige meterdicke Linden stehen auf einer Wiese oberhalb von Schafhausen. Schnell, erzählt Jürgen Katz, werde einem dieser Ort gezeigt, wenn man in den Flecken zieht. Seit 26 Jahren wohnt er zusammen mit Frau Birgit und den beiden mittlerweile erwachsenen Kindern in dem Weiler Teilort. „Es ist ein wunderschöner Platz“, sagt er und lässt den Blick schweifen. Nikolausfeiern mit dem Kindergarten, Gottesdienst, Ausflüge – viele schöne Erinnerungen kommen ihm dabei.

Katz ist mittlerweile Bürgermeisterkandidat – und damit Politiker. Und er weiß auch eine politische Botschaft aus den rund 350 Jahre alten Bäumen zu ziehen. Vermutlich wurden die drei Linden nach dem Dreißigjährigen Krieg gepflanzt. „Was die Leute damals gepflanzt hatten, kommt uns heute zugute“, sagt er. „Bäume sind damit ein gutes Symbol für Städteentwicklung.“ Da gehe es auch nicht um die nächste Woche, sondern um Planungen für die nächsten Generationen.

„Das war eine bewusste Entscheidung“

Städteentwicklung ist eines der Lebensthemen von Jürgen Katz. Geboren und aufgewachsen ist er in Freudenstadt, nach Abi und Wehrdienst macht er eine Ausbildung zum Gärtner. Als Praktiker arbeitet er sich hoch, legt später ohne voriges Studium die Prüfung als Landschaftsarchitekt ab, wechselt zur „LBBW Immobilien Kommunalentwicklung“ (KE), wo er 2011 zum Geschäftsführer aufsteigt und Chef von 110 hochkarätigen Planern ist, die in ganz Baden-Württemberg Neubaugebiete entwerfen, Stadterneuerungen organisieren und Städte bei strategischen Fragen und Bürgerdialogen beraten.

Als er sich 2018 meldet und Beigeordneter in seiner Heimat Weil der Stadt werden will, ist das eine Überraschung. So einer will in die zweite Reihe? „Das war eine bewusste Entscheidung“, sagt er heute. In so vielen Kommunen habe er einzelne Projekte organisiert. „Und jetzt in einer Stadt wirklich in die Tiefe zu gehen und die Themen in ihrer ganzen Bandbreite umzusetzen – das fand ich spannend.“

Nein, sagt er dann, bereut habe er den Schritt nie: „Ich wusste, worauf ich mich einlasse, ich gehe noch immer jeden Tag gern ins Büro.“ Grund dafür sei auch die gute Zusammenarbeit mit seinem Chef, mit Bürgermeister Thilo Schreiber (CDU). Auch nach außen hin war das Gespann an der Rathausspitze immer harmonisch. „Wir konnten gut miteinander“, sagt Katz. „Die Basis dafür war Vertrauen.“

All das muss wissen, wer verstehen will, warum Jürgen Katz jetzt selbst Bürgermeister werden will. Denn er hätte sich das Gespann Schreiber/Katz sehr gut auch für die kommenden acht Jahre vorstellen können. Schon vor zwei Jahren hatte er erklärt, daran zu arbeiten, dass Schreiber nochmals antritt. So kommt es nun nicht, vor der Fasnet hat Schreiber ihm gesagt, dass er nicht mehr will.

Künftig in umgekehrten Rollen

Da gingen für Jürgen Katz die Überlegungen los. Bleibt er Beigeordneter? Die Qualität der Zusammenarbeit sei ihm ein sehr hohes Gut, die Chemie müsse stimmen. „Ein Teil unseres Geheimnisses war auch, dass da ein Verwaltungsprofi und ein Planer aus der freien Wirtschaft zusammengearbeitet haben“, sagt er. „Das ist ziemlich gut für eine Stadt.“

Das will er auch künftig – nun eben in umgekehrten Rollen. Er, der Planer, als Bürgermeister. „Im Falle meiner Wahl hole ich mir einen Verwaltungsprofi als Beigeordneten an meine Seite“, kündigt er an. Er selbst wolle dann die Bereiche Bauen und Planen weiterhin leiten, dazu das Hauptamt in sein Dezernat holen. Der neue Beigeordnete kümmert sich dann um die Finanzen, Jugend und Soziales und das Ordnungsamt. Die Liste seiner Mitbewerber, verrät er, habe ihn in seiner Entscheidung für die Kandidatur bestärkt.

Und wenn es nicht klappt? Jürgen Katz muss nicht lange überlegen. „Ich habe sehr detaillierte Vorstellungen, was für diese Stadt gut und richtig ist“, sagt er. „Wenn ja jemand kommt, der ganz andere Vorstellungen hat, wird es schwierig.“ Am 20. Juli wird er 59 Jahre alt – jung genug, wie er findet, nochmals etwas komplett Neues zu beginnen. „Aber wenn ich Bürgermeister werde, bleibe ich auf jeden Fall acht Jahre“, verspricht er, „mindestens.“

Katz: Ich habe manchmal Probleme beim Tempo

Fit fühlt er sich auf jeden Fall für das Amt. Mitarbeiterführung sei ihm wichtig, das Repräsentieren der Stadt habe er in den vergangen zwei Jahren kennen „und auch genießen“ gelernt. Und auch das Verhältnis zum Gemeinderat hält er für gut, auch wenn es manchmal etwas holpert und es den Räten, zum Beispiel beim Schulzentrum, zu schnell geht. „Ja, ich habe manchmal Probleme beim Tempo“, sagt er. „Ich lerne aber dazu.“

Jürgen Katz ist eben ehrgeizig. Auf seinem Stuhl unter der Linde richtet er sich auf, während er aufzählt, was er in den vergangenen zwei Jahren schon angestoßen hat. Ein Landschaftsentwicklungsplan ist auf den Weg gebracht, und einen Stadtökologen hat er eingestellt. „Ich habe hier mehr grüne Politik umgesetzt als in den 25 Jahren zuvor hier gemacht wurden“, sagt er selbstbewusst.

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Das Thema Schulzentrum hat er angestoßen und ein Büro beauftragt, das das Thema neu aufrollt. Für das Energiekonzept der Schulen hat er ein Förderprogramm der „Deutschen Energie-Agentur“ an Land gezogen – Weil der Stadt ist damit eine von nur vier Städten in Deutschland, die dafür mit viel Geld gefördert werden.

Darin sieht er auch einen Schlüssel für die Aufbesserung der maroden Finanzen der Stadt. Der Sparkurs der vergangenen Jahre sei jedenfalls keine Strategie. „Wir müssen jedes Förderprogramm in die Stadt holen, was nur irgendwie hierher passt“, sagt er. Das hat er auch mit einem Programm geschafft, das sich um nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum kümmert. „Und dass Merklingen schon beim ersten Versuch ein Sanierungsgebiet bekam – dafür haben meine früheren Beziehungen sicher nicht geschadet“, sagt er.

Viele Dinge hat er angestoßen, und er will sie zu Ende bringen, daran lässt er keinen Zweifel. „Ich glaube“, sagt Jürgen Katz, „dass ich dafür der Richtige bin.“

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