Barrierefreies Rutesheim Des einen Wegkante ist des anderen Hindernis

Von
Steinpflaster ist schön anzusehen, aber vor einem Pflegeheim nicht hilfreich. Foto: privat

Rutesheim - Jeder Rutesheimer und jede Rutesheimerin soll so lange wie nur möglich ohne Schwierigkeiten oder Einschränkungen Zuhause leben können. Doch das umfasst nicht nur das eigene Heim, sondern eben auch die öffentlichen Plätze, Straßen und Gebäude im Ort. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt auf den Weg gemacht, so barrierefrei wie nur möglich zu werden.

„Um das hinzubekommen, brauchen wir die Ideen, Meinungen und Anregungen unserer Bürgerinnen und Bürger. Die wissen, wo es klemmt, und wir wollen das Thema auch zu einem Teil unseres Stadtentwicklungsprozesses (Step) machen“, sagt die Bürgermeisterin Susanne Widmaier. Um die Barrierefreiheit weiter voranzubringen, hat die Verwaltung einen Antrag im Förderprogramm „Gut beraten!“ eingereicht, und der ist bewilligt. Die beantragte Förderung beträgt 4000 Euro, die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 15 000 Euro.

Fachliche Unterstützung

Die Stadt hat auch fachliche Unterstützung mit ins Boot geholt. Und zwar in der Person des Unternehmers und Beraters Alexander Lang aus Mühlacker. Nach einem Unfall 1983 ist der 53-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen und kennt die Probleme von Menschen mit einer Behinderung aus eigener Erfahrung.

Alexander Lang, der schon einige Kommunen beraten hat, stellte den Gemeinderäten auch die Vorgehensweise vor. Als erstes wird eine Projektgruppe gebildet aus betroffenen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertretern des VdK Rutesheim mit Unterstützung der Stadtverwaltung. Die arbeitet Vorschläge für die Barrierefreiheit der Stadt aus. „Da gehen die Vorstellungen manchmal auch auseinander. Während Rollstuhlfahrer oder Rollatornutzer höhere Kanten am Gehweg als Hindernis empfinden, benötigen Menschen mit einem Blindenstock sie als Orientierungshilfen“, erläuterte Alexander Lang, deshalb sei eine breite Beteiligung in der Projektgruppe wichtig.

Der weitere Schritt ist die Aufnahme des Istzustandes in der Stadt durch die Projektgruppe sowie die Auswertung und die Information über bereits bestehende Barrierefreiheit. Um konkrete Projekte herauszuarbeiten, soll in weiteren Schritten besprochen und geplant werden, wie die Barrierefreiheit weiter gestaltet werden kann. Die Ergebnisse werden im Gemeinderat beraten, der dann die notwendigen weiteren Beschlüsse fasst.

Bürger werden mit eingebunden

Die ersten Schritte wie die Teambildung und eine erste Begehung mit Auswertung sind bereits mit einer bewilligten Fördersumme von 4000 Euro abgedeckt. Jetzt fehlen noch Bürgerinnen und Bürger, die Lust haben, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich in einer Arbeitsgruppe einzubringen. „Viele Dinge werden uns erst bewusst, wenn sie uns selbst betreffen“, sagt Alexander Lang. Ebenfalls mit an Bord ist der VdK-Ortsverband Rutesheim um den Vorsitzenden Arndt Minter, der auch im Renninger VDK aktiv ist.

Geplant ist zum Auftakt ein „Sensibilisierungs-Workshop“, der vermutlich digital stattfinden wird. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht. „Begehungen vor Ort werden erst möglich, wenn die Ausgangsbeschränkungen und die Kontaktverbote aufgehoben sind“, sagt Alexander Lang. Wenn es losgeht, könne man Gruppen für Teilprojekte oder Teilgebiete zusammenstellen, je nachdem wie viele Interessenten mitmachen wollen. Die Aufnahme des Istzustandes und der Wünsche der Bürgerschaft ist dann der nächste Schritt in der Umsetzung des Vorhabens

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen