Zunftball in Renningen Brauchtum und ganz viel Party

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Die Würmtal-Deifel aus Ehningen. Foto: factum/Weise

Renningen - Jetzt geht für die Narren die heiße Phase los. „Das ist unser Hobby und das muss man nutzen“, sagt Patrick Gert und lacht. Er selbst gehört zu den Schenderwald-Goischtern und ist natürlich auch zum Zunftball gekommen wie rund 600 Besucher. „Wir sind ein Brauchtumsverein, und so ist auch das Programm ausgerichtet – mit Guggenmusik und Maskentänzen“. So war die Musik laut und das Treiben ein buntes. Wie sich das eben für eine handfeste Fasnetsparty gehört.

Bereits seit 20 Jahren gibt es die 1. Narrenzunft Renningen. „Wir sind teilweise aus der Schlüsselgesellschaft Renningen entsprungen. Man wollte mit der 1. Narrenzunft das Brauchtum stärker forcieren. Das hat sich mit der Idee des Karnevalsvereins nicht so gut ergänzt“, betont Schriftführer, Patrick Gert. Gemeinsamkeiten gibt es aber doch. „Die Maskenträger von der Schlüsselgesellschaft werden bei uns getauft. Sie müssen hier auch allerhand Schandtaten überstehen“, lacht das Narrenzunft-Mitglied. Eine weitere gemein­same Aktion ist der Rathaussturm.

Als Mitglied im Landesverband württembergischer Karnevalsvereine hat die Narrenzunft drei Kostüme am Start, die auch historisch belegt sind.

Die Masken

Da gibt es den Schenderklenga-Narr. Seinen Bezug hat die Maske auf der heute noch bekannten Schinderklinge (schwäbisch: Schenderklenga). In der Gemarkung Renningen befand sich eine der vier historisch nachgewiesenen Burgen. Es war damals üblich, dass auf den Burgen auch Hofnarren zur öffentlichen Erheiterung ansässig waren. Sie waren die einzigen, denen keine schwere Strafe drohte, wenn sie auf Kosten der Burgherren ihre Späße trieben. Zur Wahrung und Pflege des heimatlichen Brauchtums wurde der Masken- und Brauchtumsguppe der Name „Schenderklenga-Narr“ gegeben.

Mit dem Schenderwald-Goischt ist die zweite Maske in der Narrenzunft am Start. Aufgrund einer Sage, ist im Schinderwald auf der Schinderklinge unter der ehema­ligen Burg ein Schatz versteckt. Dieser wurde von einem Burgherren seinen Unter­gebenen beim Kartenspiel durch Betrug mittels Spiegel abgenommen. Er häufte dadurch ein großes Vermögen an und vergrub es unter seinem Burggewölbe. Als die Burg zerfiel, versuchte man, den Schatz zu bergen. Man munkelte, der ehemalige Burgherr würde als Geist dort spuken. Nachzulesen ist diese Geschichte in voller Länge im Landesarchiv. Ebenfalls fest verankert in der 1. Narrenzunft Renningen der Bira-Richter.

Die Narrenzunft hat rund 40 Mitglieder. Dabei halten sich Männer und Frauen die Waage. Der Altersdurchschnitt: Knapp unter 30. Erst im vergangenen Jahr sind acht neue, weibliche Mitglieder hinzugekommen.

„Wir haben relativ freundliche Masken. Aus Holz, handgeschnitzt“, unterstreicht Gert. „Viele denken, die sind nicht böse und machen keinen Unfug. Aber wir über­raschen gern das Gegenüber. Der Spaß kommt bei uns nicht zu kurz“.

Wintergeister werden vertrieben

Für die Maskenträger fängt der Fasching eigentlich am 6. Januar mit dem Maskenabstauben so richtig an. Zu diesem Termin werden die Masken herausgeholt um die bösen Wintergeister zu vertreiben. Doch die 1. Narrenzunft hat viele Karnevalsfreunde und ist auch zu Beginn der verrückten fünften Jahreszeit schon unterwegs. Dann aber in normaler Vereinskleidung und ohne Häs.

Doch auch unter dem Jahr zeigt sich die Narrenzunft als Einheit. Da gibt es einen Stammtisch und auch gemeinsame Ausflüge. „Man trifft sich bei der Walpurgisnacht. Ausflüge haben wir nach Straßburg und Weil am Rhein gemacht“, erläutert der Schenderwald-Goischt.

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