Zocken im Auftrag der Regierung Marc Biadacz in der Jury für den Computerspielpreis

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„Trüberbrook“ von Headup Games, entwickelt vom Studio bildundtonfabrik, ist der Gewinner für das beste deutsche Spiel 2019. Foto: btf

Interview - Ob kleiner Tetris-Ableger auf dem Smartphone oder das große sogenannte AAA-Spiel auf dem Computer, das in der Entwicklung mehr Geld schluckt als so mancher Hollywood-Blockbuster: Fast jeder hat in seinem Leben schon mal mit Videospielen zu tun gehabt. Auch in Deutschland ist die Branche seit Jahren ein wichtiger und wachsender Wirtschaftszweig.

Mit dem Deutschen Computerspielpreis, der gemeinsam vom Bund, vom Verband der deutschen Games-Branche und der Stiftung Digitale Spielekultur ausgerichtet wird, sollen die Entwickler ausgezeichnet und gefördert werden. In der Jury saß dieses Jahr auch der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Böblingen, Marc Biadacz. Die Preisverleihung ist am 27. April. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er von seiner Aufgabe und warum der Preis für ihn so wichtig ist.

Herr Biadacz, wie kam es dazu, dass Sie in der Jury für den Deutschen Computerspielpreis sitzen?

Die CDU-Bundestagsfraktion hatte mich angesprochen, weil ich als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda Berichterstatter für Start-ups bin. Ich habe deshalb auch sofort zugesagt. Allerdings musste ich natürlich erst gewählt und offiziell benannt werden. Es sind immer zwei Vertreter aus dem Bundestag in der Hauptjury, der andere ist dieses Jahr mein Kollege Sören Bartol von der SPD.

Was ist Ihre Aufgabe in der Hauptjury?

Es gibt insgesamt neun Kategorien, in denen die Spiele ausgezeichnet werden. Zwölf Fachjurys haben aus den eingereichten Spielen eine Vorauswahl getroffen, aus der danach alle Hauptjurymitglieder ihre Favoriten ausgewählt haben. Die große Haupt-Jury-Sitzung, in der über die Sieger abgestimmt wurde, war am 25. März. Das war der Tag, an dem der Deutsche Bundestag in einer historischen Sitzung über viele Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie beschlossen hat, etwa die Ausweitung des Kurzarbeitergelds. Ich bin ständig zwischen dem Sitzungssaal im Reichstagsgebäude und meinem Büro im Paul-Löbe-Haus hin- und hergelaufen, um zwischendrin an der Onlinesitzung für den Computerspielpreis teilnehmen zu können. An dem Tag habe ich einige Kilometer absolviert. (lacht) Es war mir wichtig, dabei zu sein.

Warum ist der Preis für Sie so wichtig?

Weil die Gaming-Branche für uns in Berlin unheimlich wichtig ist. An dieser Industrie hängen sehr viele Arbeitsplätze, die möchten wir fördern. Aus dem Grund haben wir auch entschieden, dass wir der Branche bis 2023 jährlich 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen wollen, damit innovative Unternehmen in Deutschland bleiben.

Haben Sie die Spiele selbst durchprobiert?

Ich habe versucht, wenigstens die Hälfte selbst zu spielen. Gerade in den Kategorien, die mir besonders am Herzen liegen: Das sind der Familienpreis, der Nachwuchspreis und der Preis für das beste Expertenspiel. Ich glaube, dann kann man die Spiele einfach besser bewerten. Der Sohn meiner Frau ist 15, er hat mich auch gut beraten und mir Tipps gegeben: „Das musst du unbedingt spielen.“

Sind Sie sonst auch ein aktiver „Gamer“?

Früher, vor 20/30 Jahren, habe ich natürlich gespielt. Ich bin mit Mario Kart und SimCity aufgewachsen. In den letzten Jahren hatte ich dafür keine Zeit mehr, daher war das für mich ein echtes Revival, da wieder reinzukommen.

Der Preis musste auch immer wieder Kritik einstecken: Die pädagogische Bedeutung eines Spiels als wichtiges Bewertungskriterium brachten ihm bei einigen den Ruf eines Kinderspielpreises ein. Titeln, die ab 18 Jahren freigegeben sind, ist es seit 2014 nahezu unmöglich, ausgezeichnet zu werden. Sie werden von einigen Politikern immer noch pauschal als „Ballerspiele“ abgetan. Wie stehen Sie zu der Kritik?

Die Politik darf die Gamer nicht stigmatisieren, und diese dürfen sich nicht stigmatisieren lassen. Wenn in der Realität ein Verbrechen passiert, ist dafür weder die Videospielindustrie im Allgemeinen noch der Gamer im Einzelnen verantwortlich. Trotzdem stehe ich hinter den Bewertungskriterien, die eine Auszeichnung der FSK-18-Spiele erschweren, weil ich glaube, dass man immer einen kritischen Blick auf diese Spiele haben sollte. Die Spiele kategorisch auszuschließen, wäre aber falsch. Die Bewertungskriterien sind nicht in Stein gemeißelt und sollten immer wieder überprüft werden.

Gibt es dieses Jahr überhaupt eine richtige Siegerehrung?

Die Gala wäre eigentlich am 27. April gewesen. Da wäre ich wirklich sehr gerne hingegangen. Wegen der Corona-Krise kann sie jedoch nur digital stattfinden. Ich werde sie mir also von meinem Laptop aus in meinem Bürgerbüro in Böblingen ansehen.

Leider haben sich die Veranstalter in den vergangenen Jahren nicht mit Ruhm bekleckert, was die Präsentation der Gala angeht. 2019 hagelte es Kritik von allen Seiten. Hat man daraus gelernt? Wie wird die Gala am 27. April aussehen?

Da lassen wir uns alle überraschen. Ich bin mir sicher, dass es eine gute Gala werden wird.

Deutscher Computerspielpreis

Der Deutsche Computerspielpreis ist eine gemeinsame Initiative der Wirtschaft und des Deutschen Bundestags und wird seit 2009 verliehen. Es gibt insgesamt neun Kategorien, darunter Bestes deutsches Spiel, Bestes Familienspiel, Beste Innovation und Technologie und Bestes Game-Design. Bewertet werden die Spiele nach ihrem kulturellen oder künstlerischen Wert, nach ihrem pädagogischen Wert, nach der technischen Ausarbeitung und nach dem Unterhaltungswert. Die Preise sind dotiert, der Gewinner für das beste deutsche Spiel erhält 100 000 Euro.

Darüber hinaus gibt es auch noch Nachwuchspreise und einen Publikumspreis. Mit dem Publikumspreis werden internationale Spiele ausgezeichnet, die Online-Abstimmung läuft noch bis zum 23. April. Jeder kann sich daran beteiligen. Dieser Preis ist undotiert.

Die Gala findet in diesem Jahr nur digital statt. Die Übertragung ist abends am Montag, 27. April. Mehr unter www.deutscher-computerspielpreis.de.

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