Zeitenwende bei Renault Neuer Chef will Renault zum Technologie-Konzern umbauen

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Frankreichs Präsident Francois Mitterrand im Jahr 1984 am Steuer eines R5. Nun soll das legendäre Fahrzeug als Elektro-Auto eine Renaissance erleben. Foto: AFP

Paris - Renault versucht den Sprung zurück in die Zukunft. Der französische Autokonzern präsentierte am Donnerstag eine Elektro-Version des legendären R5. Der Wagen war in den 1970er Jahren eines der Zugpferde des Autobauers und soll nun dem krisengeschüttelten Unternehmen helfen, wieder in die Erfolgsspur zu kommen.

Das Revival des R5 ist allerdings nur ein kleiner Baustein eines groß angelegten Planes, der den etwas sperrigen Namen „Renaulution“ trägt. Präsentiert wurde die Sanierungsstrategie vom neuen Renault-Generaldirektor Luca de Meo. Bereits im vergangenen Jahr wurde der Abbau von weltweit 15 000 Stellen und Kosteneinsparungen von rund 2 Milliarden Euro angekündigt, doch der seit Sommer amtierende Chef geht noch weiter. Das Sparprogramm laufe nun bis 2025 und habe einen Umfang von drei Milliarden Euro, teilte er am Donnerstag am Firmensitz in Boulogne-Billancourt bei Paris mit.

Corona verschärft die Krise bei Renault

Neben allerlei hausgemachten Problemen hatte zuletzt auch die Corona-Pandemie dem Konzern schwer zugesetzt. Die weltweiten Fahrzeugverkäufe der Franzosen brachen 2020 um mehr als 21 Prozent ein. Im ersten Halbjahr 2020 hatte der Hersteller auch wegen tiefroter Zahlen beim japanischen Partner Nissan einen Rekordverlust von rund 7,3 Milliarden Euro eingefahren. Geschäftszahlen für das Gesamtjahr sollen Mitte Februar vorgelegt werden. Luca de Meos erklärtes Ziel ist es, den Konzern möglichst schnell wieder in die Gewinnzone zu bringen, dabei setzt er auf Elektromobilität und höhere Profitabilität.

Damit bricht er mit der Vorgehensweise des früheren Konzernchefs Carlos Ghosn, der das Unternehmen mit eiserner Hand regierte und mit seiner verbissenen Jagd auf immer neue Absatzrekorde nur anfänglich Erfolge verzeichnete. Dessen Ziel, fünf Millionen Autos in 100 Ländern zu verkaufen, sei „klar gescheitert“, sagte Luca de Meo am Donnerstag. „Es gleicht einem Auto, das zu groß für seinen Motor ist.“ Im laufenden Jahr will Renault nur 3,1 Millionen Fahrzeuge produzieren.

Das Ende der Ära Carlos Ghosn

Bei der Präsentation der neuen Strategie schienen viele erleichtert, die Ära des schillernden Ex-Chefs hinter sich zu haben, zumal auch dessen Hollywood-reifer Abgang fügte Renault einigen Schaden zufügte. Der Sturz von Carlos Ghosn begann Ende 2018 mit Ermittlungen der japanischen Justiz beim verbündeten Nissan-Konzern. Nach einem monatelangen Hin-und-her wurde er schließlich aus der Untersuchungshaft entlassen und bei Renault gefeuert. Am Ende setzte sich der geschasste Manager wahrscheinlich in einem Flugzeug-Koffer versteckt in den Libanon ab. Die französische Justiz untersucht auch eine mutmaßliche Veruntreuung von Geldern bei Renault durch Ghosn.

Der neue Chef verkündete nun also den Neuanfang. „Wir werden uns von einem Autokonzern, der mit Technologie arbeitet, zu einem Technologiekonzern entwickeln, der mit Autos arbeitet und bis 2030 mindestens 20 Prozent seines Umsatzes mit Dienstleistungen, Daten und Energiehandel erzielen wird“, sagte Luca de Meo, der vor seinem Engagement bei Renault viele Jahre bei Volkswagen gearbeitet hatte. Beim Umbau zu einem Mobilitätskonzern folgt er auch dem Vorbild seines früheren Arbeitgebers Volkswagen, der sich zu einem führenden Anbieter von Elektromobilität wandeln will.

Lange Erfahrung mit Elektromobilität

In Boulogne-Billancourt legte er einen Drei-Phasen-Plan vor: Beginnend mit der „Auferstehung“ (Resurrection) bis 2023, bei der der Fokus auf die Marge und den Barmittelzufluss gelegt wird, über die „Erneuerung“ (Renovation) bis 2025 mit neuen Fahrzeugmodellen, bis zur „Revolution“ danach. Bis 2030 will Renault mindestens ein Fünftel des Konzernumsatzes mit Mobilitätsdiensten, Daten und dem Energiehandel erzielen. Dafür wurde ein eigener Geschäftsbereich geschaffen.

Bei seinem Ausbau der Elektromobilität kann Renault auf seine jahrelange Erfahrung mit dem Modell Zoe setzen, das zu den meistverkauften Elektrofahrzeugen in Europa gehört. Für einiges Aufsehen sorgte das Unternehmen zuletzt auch mit der Ankündigung, einen batteriebetriebenen Dacia auf den Markt zu bringen und ihn als billigstes Elektroauto auf dem Markt zu positionieren. Im Jahr 2025 werde Renault keine reinen Verbrennungsmotoren mehr im Programm haben, erklärte Gilles Le Borgne, technischer Direktor der Renault-Gruppe. Dem Diesel gibt er keine Zukunft, da dieser in immer mehr Städten aus den Zentren verbannt wird. Renault setzt stattdessen auf Benzinmotoren in Kombination mit Hybridantrieben.

Mit einiger Sorge beobachten die Gewerkschaften den Umbau im Hause Renault. „Die einzige Information, die wir haben, ist, dass Luca De Meo ein kleines Fahrzeug auf den Markt bringen möchte, das wir in Frankreich herstellen könnten“, sagte Jean-François Pibouleau von der Gewerkschaft CGT. Und Mariette Rih von Force Ouvrière (FO) hofft, dass Renault bald die „Intensivstation verlässt“ und die Arbeitsplätze gerettet werden können.

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