Wöhr aus Weissach Wöhr-Standort in Weissach bleibt erhalten

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Die Geschäftsführerin Monika Wöhr-Kühnemann (li.) ist auch weiterhin für ihre Kunden da. Foto: Hans Jörg Ernst

Weissach - Ja, natürlich sieht sie die Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge, gibt Monika Wöhr-Kühnemann zu. Sie sei mit Leib und Seele bei ihrem Geschäft gewesen. Zum 1. Januar dieses Jahres nun hat sie den Touristik-Bereich ihrer Firma an den Reiseveranstalter Schlienz-Tours aus Kernen übergeben. So etwas hatte sie schon für Anfang 2019 geplant. „Aber dann war 2018 ein gutes touristisches Jahr, es lief so schön, und ich habe gedacht, jetzt wird’s besser“, sagt die Wöhr Tours-Geschäftsführerin.

In erster Linie sei es eine wirtschaftliche Entscheidung gewesen, sagt Wöhr-Kühnemann. Es sei schwer, gegen Billigveranstalter und das Internet zu bestehen. „Das macht Unternehmen wie uns schon länger Probleme“, ist von ihr zu erfahren – auch bei der Vermietung von Bussen. Sie seien zu klein, und man müsse den Personalaufwand bedenken. Außerdem sei es immer schwieriger, Reisebusfahrer zu bekommen. „Es gibt allgemein immer weniger private Busunternehmer“, sagt Wöhr-Kühnemann und verweist in diesem Zusammenhang auf die Insolvenz der Firma Rexer.

Immer weniger Gäste

Die Geschäftsführerin weiß, dass die Kunden die Nische, die sie mit dem V.I.P.-Liner bedient habe, das Konzept ihrer Firma und die familiäre Atmosphäre schätzen. Aber die Zahl der Gäste gehe zurück, die Stammkunden würden älter. „Ich habe gerade einen Brief von einer Stammkundin bekommen, die bedauert, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Reisefestival am kommenden Sonntag kommen kann,“ benennt Wöhr-Kühnemann eines der Probleme. Auf der CMT, bei der Wöhr Tours auch in diesem Jahr noch mit einem Stand und den eigenen Mitarbeitern vertreten war, lief das Geschäft gut. „Es gab viele interessierte Besucher und einige Buchungen,“ berichtet Monika Wöhr-Kühnemann. Die Nachfrage sei ungefähr so wie in den vergangenen Jahren gewesen.

Als das Interesse an den Reisen vor einigen Jahren zurückging, zog die Weissacher Geschäftsführerin bereits ihre Konsequenz und ging eine Kooperation mit SSB-Reisen ein. „Aber das war leider nicht der Knaller“, bekennt Monika Wöhr-Kühnemann. Also musste sie sich etwas anderes überlegen. Zu Beginn des vergangenen Jahres hat sie sich deshalb mit ihren vier Töchtern zusammengesetzt. Diese machten ihrer Mutter klar: Wir können und wollen die mit dem Bereich verbundene Arbeit so nicht übernehmen, wie du es gemacht hast. „Damit war klar, ich mache es nur noch für mich. Aber es war auch klar, wir hören Ende 2019 auf“, sagt die Unternehmerin.

Auf die Zukunft fokussiert

Aber von Aufhören kann genau genommen überhaupt nicht die Rede sein. Zumal die Geschäftsführerin betont: „Ich möchte eigentlich nicht schon in Rente gehen.“ Das muss sie jetzt auch nicht. Denn sie ging das Problem offensiv an: Mit Erhard Kiesel, Geschäftsführer bei Schlienz-Tours, sprach sie darüber, den Touristik-Bereich ihrer Firma aufzugeben. Auf die Firma aus Kernen sei man gekommen, weil sie einen ähnlichen Premium-Bus wie den V.I.P.-Liner hätte. Außerdem bietet sie ein ähnliches Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Hotels und weitere gute Busse. Schlienz ist ein großes Unternehmen, das expandiere. „Ich dachte, da könnten wir gut aufgehoben sein“, ist von der Wöhr Tours-Chefin zu erfahren. Und sie, die den Touristik-Bereich einst aufgebaut hat, wollte die Übergabe auch noch mitmachen.

Selbst wenn Monika Wöhr-Kühnemann sehr gespannt ist, wie dieses Jahr jetzt laufen wird, so merkt man ihr an, dass sie froh über ihre Entscheidung ist. „Ich habe das Gefühl, ich übergebe unsere Stammkunden in gute Hände.“ Das Buchungsaufkommen sei dieses Jahr schon ganz gut. Dabei betont sie, dass nur die Reiseveranstaltertätigkeit abgegeben wurde, die verwaltungstechnischen Aufgaben sind jetzt in den Händen von Schlienz in Kernen. In Weissach wird es weiterhin am bekannten Standort eine Buchungsstelle für die Reisen geben. Simone Meyer, die früher bei Wöhr Tours beschäftigt war und von der Firma Schlienz übernommen wurde, betreut dort weiterhin die Anfragen. „Wir kümmern uns weiter um unsere Kunden, das war mir wichtig,“ sagt Wöhr-Kühnemann. Tagesfahrten könnten sie allerdings nicht mehr anbieten.

Bekannte Gesichter

Auch die Wöhr-Tours-Reiseleiter und die -Busfahrer werden weiter mit den Gästen auf Fahrt gehen. Die Chefin selbst wird auch in Zukunft Reisen zusammenstellen und Urlaubsfahrten begleiten. Die Reisevermietung – bei der Firmen oder Privatleute Busse anmieten können – bleibt ebenfalls in Weissach. „Das läuft ebenso weiter über uns. Bis jetzt sind es auch unsere Busse, die gemietet werden können.“

Im Weissacher Fuhrpark steht nach wie vor ein V.I.P.-Liner von Wöhr Tours, der von Schlienz eingesetzt wird. Deshalb gibt es auch in diesem Jahr einen extra V.I.P.-Line-Katalog, der von Monika Wöhr-Kühnemann federführend gemacht wurde. Beim Reisefestival am kommenden Sonntag wird vor der Leonberger Stadthalle dann nicht nur ein V.I.P.-Liner zu finden sein. Die Besucher können dann auch einen Blick in einen „Super Class 2+1 Luxusbus“ der Firma Schlienz-Tours werfen und dort Probe sitzen.

Von der neuen Entwicklung sind die Linienbusse und der Bereich der Transporte der Firma Wöhr Tours nicht betroffen. „Sie bleiben. Da sind wir gut aufgestellt“, hebt Monika Wöhr-Kühnemann hervor. Die Linie 634, die einst ihr Schwiegervater ins Leben gerufen hat, ist eine sogenannte eigenwirtschaftliche Linie. Die Busse seien zunächst nur zwischen Weissach und Leonberg unterwegs gewesen, erzählt Wöhr-Kühnemann. Seit einigen Jahren fahren die Busse weiter nach Gerlingen. Die Linie 636, die zwischen Weissach und Renningen pendelt, hätten sie dann dazubekommen. Mit der Linie 637, die innerorts zwischen Renningen und Malmsheim fährt, ist der Linienbusverkehr der Firma Wöhr ausgeweitet worden. Es bleiben auch die sogenannten Auftragsverkehre für Porsche und Bosch. „Das alles ist viel Arbeit,“ betont Wöhr- Kühnemann. „Wir konzentrieren uns jetzt auf den Linienbereich.“

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