Windenenergie könnte ausgebaut werden Der Rotmilan lässt sich nicht „zerhäckseln“

Von Sophia Herzog
Weil die Rotmilane nahe Hausen ihr Zuhause haben, wurde ein Windrad 2019 vom Weiler Gemeinderat abgelehnt. Foto: imago images/Birgit Seifert

Manchmal braucht es für das richtige Verständnis den richtigen Vergleich: 1,8 Prozent der Fläche von Baden-Württemberg sollen bis zum Jahr 2032 für Windenergie ausgewiesen werden, so will es das Wind-an-Land-Gesetzt, das der Bund im Juli verabschiedet hat. Vergleicht man diese Zahl mit der im Land genutzten Fläche für Industrie und Gewerbe – das sind 2,1 Prozent –, wird aus dieser scheinbar kleinen Zahl gleich ein mehr als ambitioniertes Vorhaben. 1,8 Prozent der Fläche für Windenergie? „Das ist sehr viel“, sagt Weil der Stadts Bürgermeister Christian Walter.

Vier potenzielle Standorte für Windräder

Auch in der Keplerstadt ist das Thema Windenergie auf dem Tisch. Denn vom Bund ist das Vorhaben in die Länder gewandert, dort beschäftigt sich inzwischen die Regionalplanung damit. „Der Verband Region Stuttgart hat nun um eine frühzeitige Beteiligung gebeten“, erklärte Jürgen Katz, Erster Beigeordneter, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Dort wurden auch Flächen auf Weiler Gemarkung vorgestellt, auf denen zumindest laut Datenlage ein Windrad-Standort möglich wäre.

Vier sind das insgesamt, sie wurden in einer laut Walter „groben Analyse“ identifiziert. Ausgangslage war der Windatlas aus dem Jahr 2019, der anders als davor, veränderte Werte für die Windradeignung heranzieht. Auch die technische Weiterentwicklung und immer höher werdende Windräder machen Standorte möglich, die früher nicht für Windräder ins Auge gefasst wurden.

Standort Großer Wald wieder denkbar

Zu den vier Weiler Standorten gehört etwa der Bereich „Loh“ zwischen Malmsheim und Merklingen, der „Berghof“, südwestlich von Merklingen in Richtung Simmozheim und „Ihninger Berg" östlich der Kernstadt. Auch eine bekannte Stelle ist mit dabei: Die Stelle im Großen Wald, nahe der Gemarkungsgrenze zwischen Hausen und Heimsheim, war bereits vor Jahren in beiden Kommunen heiß diskutiert worden und letztlich am Artenschutz gescheitert. Denn rund um das Gebiet hat der Rotmilan sein Revier. Warum also diese Stelle wieder in Überlegungen miteinbeziehen, wenn der Vogel früher K.o.-Kriterium war? „Es gibt neue Untersuchungen, die ein gewisses Meideverhalten zeigen“, so Katz. Das heißt, dass der Rotmilan um das Windrad herumfliege „und sich nicht zerhäckseln lässt“.

Sinneswandel bei der Bevölkerung?

Außerdem gibt es weitere Kriterien, die aber noch offen sind. „Die Bundesregierung hat einen großen Schritt gemacht, aber die Durchführungsverordnung, dem Föderalismus frönend, in die Hand der Länder gelegt“, so Katz. „Wir warten, was Baden-Württemberg daraus macht.“ Genaue Landesrichtlinien gibt es also noch nicht, damit ungeklärt bleibt, wie Naturschutzbelange bei der Standortsuche abgewägt werden sollen. „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Abwägung und Genehmigungspraxis das Thema Energieversorgung durch Windkraft in Zukunft gegenüber dem Artenschutz stärker gewichten wird, was den Standort wahrscheinlicher machen würde“, so Walter. „Eine zuverlässige Aussage ist aber noch nicht möglich.“

Gegenwind gab es bei den Planungen in Hausen damals auch von der Heimsheimer Bevölkerung, die sich durch die Nähe eines potenziellen Windrades benachteiligt gefühlt hatten. Auch das könnte auf die Verwaltung wieder zukommen. „Wir haben aber das Gefühl, in den Köpfen der Bürger hat sich etwas verändert“, so Walter.

Rückhalt aus dem Gemeinderat

Dass bald vier Windräder über Weil der Stadt ragen, ist noch keine ausgemachte Sache. Dem Verband Region Stuttgart soll lediglich signalisiert werden, wo ein Windrad denn überhaupt möglich wäre. „Es geht um die Frage, wo würden wir sagen, hier könnten wir uns das vorstellen“, sagt Walter. Neben den fehlenden Vorgaben des Landes müssten auch Dinge wie Liegenschaftsfragen geklärt werden. Und: Eventuelle Planungen stehen derzeit noch mit den regionalen Grünzügen im Konflikt. „Es kommt jetzt auf das Land und die Region Stuttgart an“, so Katz. Mit den umliegenden Kommunen sei man ebenfalls im Gespräch.

Vom Gemeinderat gibt es für das Windkraftvorhaben breite Zustimmung. „Aus der leidvollen Erfahrung mit dem Großen Wald ist es wichtig zu sagen, dass man mit den Nachbarkommunen in Kontakt steht“, kommentiert Grünen-Stadträtin Anke Matthias-Schwarz. „Ob wir 2026 schon Windräder stehenhaben, wage ich zu bezweifeln“, so FDP-Rat Hans Dieter Scheerer. „Wir müssen mit dicken Brettern rechnen, die wir bohren müssen.“

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