Wimsheim Beim Einkaufen wird er zum Lebensretter

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Sie sind froh, dass die Reanimation geglückt ist (von links): Uta Schaber, Herbert Mann, Marvin Bayer und Sabrina Sauer. Foto: DRK

Wimsheim - Eigentlich wollte Marvin Bayer am Freitag vor zwei Wochen nur einkaufen gehen. Doch diesen Besuch im Wimsheimer Supermarkt wird der 25-Jährige nicht vergessen: Im Bereich der Warenanlieferung sah er eine Person am Boden liegen, neben ihm zwei Frauen, die augenscheinlich einen Notruf absetzten. Er eilte zu ihnen und drehte den Mann in die stabile Seitenlage.

Bayer sprach den Mann laut an, rüttelte ihn – doch weder kam eine Reaktion noch konnte er einen Puls fühlen. „Und drei Tage vorher hatte ich zufällig in einem Buch über das Thema Überlebenstraining ein Kapitel zum Thema Erste Hilfe gelesen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das so schnell brauchen könnte“, sagt der Hochschulabsolvent. Sofort begann er mit der Herzdruckmassage. Inzwischen rückten ein Team der DRK-Rettungswache aus Tiefenbronn und ein Rettungshubschrauber mit einem Notarzt nach Wimsheim aus.

Erste Diagnose: Kammerflimmern

„Die umstehenden Leute haben wir erst einmal weggeschickt“, erinnert sich die Rettungssanitäterin Uta Schaber. „Du machst aber weiter!“, baten sie und ihre Notfallsanitäter-Kollegin Sabrina Sauer den engagierten Ersthelfer. Die beiden Frauen machten die für eine Reanimation benötigte medizinische Ausstattung einsatzklar und lösten Bayer nach einer knappen Minute ab.

Erste Diagnose: Kammerflimmern. Der Defibrillator schockte den Patienten – gerade einmal Jahrgang 1973 – drei Mal. Dann stabilisierte sich der Kreislauf allmählich. Im Krankenhaus wurde schließlich festgestellt, dass der Mann einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte.

Sabrina Sauer und Uta Schaber war es wichtig, dem Lebensretter Marvin Bayer im Nachhinein noch einmal bewusst zu machen, was sein beherztes Handeln bewirkt hat. Da die beiden DRK-Mitarbeiterinnen noch nie einen so engagierten Ersthelfer erlebt hatten, der nicht nur schnell, sondern auch von der Ausführung her richtig gehandelt und sie auch im Nachhinein noch an der Einsatzstelle unterstützt hatte, wollten sie ihn als Zeichen der Wertschätzung zu sich in die Rettungswache einladen.

Lob und Dank von der Polizei

Dank einer Nachfrage bei der Polizei konnte ein Kontakt zu Marvin Bayer hergestellt und ein Treffenermöglicht werden. Auch die Ordnungshüter sprachen Marvin Bayer Lob und Dank aus: „Besonders bemerkenswert ist, dass Ersthelfer sofort fachgerecht Hand anlegen, statt wie gewohnt sensationslustig ihr Handy zum Filmen zücken“, sagt der Pressesprecher des Pforzheimer Polizeipräsidiums, Frank Otruba, dazu.

Beim Treffen in der Tiefenbronner Rettungswache war dann Zeit, sich über das Erlebte noch einmal auszutauschen. „An Corona habe ich in der Hektik gar nicht gedacht. Ich wollte nur helfen und habe einfach gehandelt. Ich war so froh, dass ich dann klare Anweisungen bekommen habe“, sagt Bayer. Vom DRK erfuhr er, dass es dem reanimierten Mann inzwischen besser geht und er von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden konnte. Mit leeren Händen ging der 25-Jährige übrigens nicht nach Hause: Von DRK-Rettungsdienstleiter Herbert Mann gab es unter anderem einen Gutschein für einen Erste-Hilfe-Kurs – seinen ersten und letzten hatte Bayer absolviert, als er seinen Führerschein machte.

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