Wimsheim Autobahn verhagelt die Klimabilanz

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Ohne den Autobahnverkehr würden die Emissionen und die Energieverbräuche in Wimsheim unter dem mittleren Bereich des Landes Baden-Württemberg liegen. Foto: dpa/Silas Stein

Wimsheim - Würde die Autobahn A 8 nicht über die Gemarkung von Wimsheim laufen, wäre die Heckengäugemeinde in Sachen Treibhausgase recht gut aufgestellt. Denn von den jährlich 36 000 Tonnen dieser für das Klima schädlichen Abgase stammen rund 65 Prozent hauptsächlich von der nahen Autobahn. Der Verkehr ist mit Abstand der größte Verursacher von CO2-Emissionen im Ort. Diese Zahl stammt zwar aus dem Jahr 2015, dürfte aber seither nicht kleiner geworden sein.

Die Stabsstelle Klimaschutz und Kreisentwicklung beim Landratsamt des Enzkreises hat für die Kreis-Kommunen CO2-Bilanzen erstellt, die auf Daten aus den Jahren 2012 bis 2015 basiert. Die Bilanzen sollen fortgeschrieben werden, damit langjährige Zeitreihen entstehen, die die Entwicklungen beim Klimaschutz in den einzelnen Gemeinden erkennen ließen, so die Stabsstelle des Kreises. Die Bilanz gibt an, wie viele Tonnen klimarelevanter Treibhausgase in einer Kommune jährlich durch den stationären Einsatz von Energie und den Verkehr verursacht werden.

Ohne die A 8 wäre es viel besser

Neben dem CO2-Faktor Autobahnverkehr wirken die weiteren lokalen Verursacher in Wimsheim beinahe wie Zwerge. Die privaten Haushalte tragen mit 20 Prozent zu den Treibhausgasen bei, das Gewerbe am Ort insgesamt 15 Prozent. Ohne den Autobahnverkehr würden die Emissionen und auch die Energieverbräuche in Wimsheim unter dem mittleren Bereich des Landes Baden-Württemberg liegen, so das Ergebnis der Studie.

Doch während die Wimsheimer bei der Erzeugung von Wärme mit umweltfreundlichen Technologien wie Solarthermie, Biomasse oder Kraftwärmekopplung mit gut 22 Prozent deutlich über dem Landes- und Bundesdurchschnitt liegen, gibt es bei der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen noch Nachholbedarf. Nur gut zehn Prozent des Stroms stammen von Solaranlagen, während landesweit schon fast 20 Prozent aus erneuerbarer Energie stammen. Zwar gibt es zwei Bürger-Solaranlagenprojekte im Ort, weitere Anlagen auf privaten oder kommunalen Gebäuden seien aber möglich. Denn nur so könne in Wimsheim umweltfreundlich Strom produziert werden, heißt es in der Studie.

„Es gibt noch Potenzial“

Der Wimsheimer Hauptamtsleiter Reinhold Müller, der die Gemeinde im Energie-Effizienz-Netzwerk des Kreises vertritt, wies im Gemeinderat darauf hin, dass die Kommune schon seit 1999 private Solaranlagen und Regenwassernutzungsanlagen fördert. Geld gebe es auch für Gebäudedämmung, Geothermie, Wärmepumpenanlagen und anderes. Insgesamt seien dafür seither rund 210 000 Euro an Zuschüssen vergeben worden. Die Kommune stellte ihre Straßenbeleuchtung auf LED um und spart dadurch nach eigenen Angaben rund 80 Prozent Strom, konkret 140 000 Kilowattstunden im Jahr, ein.

Die Gemeinde betreibt mit dem Einbau einer Pelletheizung in der Hagenschießhalle ein Wärmeverbundsystem. Auf die Frage aus dem Gemeinderat, wo noch weitere große Solaranlagen möglich seien, sagte der Bürgermeister Mario Weisbrich, dass da eventuell an den Lärmschutzwall an der Autobahn zu denken sei. „Doch unser Ziel ist es, erst einmal weitere Dachflächen im Ort zu aktivieren, da gibt es noch einiges Potenzial.“

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