Wilder Müll Bauschutt landet auf einem Biotop

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Zwischen Büschen und Bäumen hat jemand haufenweise Bauschutt abgeladen. Foto: privat

Wilder Müll - Den Start ins neue Jahr hatte sich das Ehepaar Braun aus Heimsheim ganz bestimmt anders vorgestellt. Bei einem Nachmittagsspaziergang zu Silvester zu ihrer Wiese im Gewann Wadel mussten sie eine mehr als unschöne Entdeckung machen: An einem kleinen Hang zwischen Büschen und Bäumen hatte jemand haufenweise Bauschutt abgeladen. Besonders traurig daran: Es handelt sich dabei um ein kleines Biotop. Zeugen, denen etwas aufgefallen ist, werden gebeten, sich mit dem Polizeiposten in Heimsheim in Verbindung zu setzen.

Die betreffende Wiese im Gewann Wadel befindet sich rund 500 Meter von dem neuen Baugebiet Lailberg II entfernt, südlich der Landesstraße Richtung Tiefenbronn (Pforzheimer Straße). „Auf einem als Biotop kartierten Steinriegel hat ein übler Umweltschänder sein Unwesen getrieben“, berichtet Marita Braun. „Bruchstücke aus asbesthaltigem Eternit, Ziegeln, Fliesen, Schrankteilen aus Pressspan und Teile eines Gartengrills aus Beton sind großflächig über einen Steinriegel verteilt, der als Lebensraum für Kleintiere dient.“ Dieser Lebensraum sei damit nun stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Immerhin für das Grundwasser besteht trotz der asbesthaltigen Stücke laut Polizei keine Gefahr.

Tatzeit im Dezember

Die Brauns hoffen nun, „dass jemand, vielleicht ein Spaziergänger, diese Umweltsünde beobachtet hat, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können“. Schließlich sei jede Hecke im Heckengäu ein „Symbol unserer Kulturlandschaft“, das man schützen sollte.

Der Tatzeitpunkt lässt sich der Polizei zufolge leider nur sehr grob angeben. Irgendwann zwischen Anfang Dezember und Silvester müssen der oder die Täter dort wohl zugange gewesen sein. Bei der Menge des Schutts und der Lage mitten in der Landschaft muss derjenige auf jeden Fall mit einem großen geländegängigen Fahrzeug oder sogar einem Traktor mit Anhänger unterwegs gewesen sein. Der Müll wurde zudem nicht einfach nur abgekippt, sondern ist „in aller Ruhe auf diesem Biotop drapiert worden“, glaubt Marita Braun. Hinweise nimmt die Polizei in Heimsheim unter Telefon 0 70 33 / 3 14 57 entgegen.

Das Problem mit wildem Müll, egal ob er aus Faulheit oder aus Boshaftigkeit irgendwo abgeladen wird, ist kein neues: Plastikverpackungen auf der Wiese, alte Dosen am Flussufer oder gar ganze Möbelstücke auf irgendeiner Waldlichtung finden sich immer wieder. Dass wie jetzt in Heimsheim Bauschutt in größerem Stil draußen abgeladen wird, ist zwar keine Alltäglichkeit. In Weil der Stadt und Rutesheim zum Beispiel sind entsprechende Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit gar nicht bekannt, auch in Heimsheim ist das jetzt der erste. Trotzdem kommt es immer mal wieder vor.

Fälle aus der Umgebung

In Leonberg verzeichnet die Verwaltung sogar drei- bis viermal im Jahr entsprechende Vorfälle, Sperrmüll eingeschlossen, berichtet der Stadtsprecher Tom Kleinfeld. Zuletzt entdeckte die Stadt auf einem Waldparkplatz in Warmbronn große Mengen an Bauschutt. In Renningen gab es einen solchen Vorfall zuletzt 2017, berichtet die Pressesprecherin Marlies Delago: Mindestens sieben Kubikmeter Dämmmaterial wurden im Sommer auf einem Waldweg im Stadtwald Renningen abgeladen. Das Material stammte vermutlich von einer Baustelle oder aus Abrissarbeiten.

Ganz abgesehen vom Naturschutzaspekt ist besonders die später fachgerechte Entsorgung ein großes Ärgernis für die Betroffenen. Handelt es sich um ein Privatgelände wie im aktuellen Fall in Heimsheim, müssen sich die Eigentümer sogar selbst darum kümmern, sofern der Täter nicht gefunden wird. Ist das betreffende Gelände öffentlich, ist entweder die jeweilige Kommune zuständig oder die Abfallwirtschaft Böblingen (AWB) – dann nämlich, wenn das Gelände außerhalb der Gemeindegrenzen liegt.

Bei Einsätzen der AWB kommen jährlich immer knapp 400 Tonnen Müll zusammen, berichtet Benjamin Lutsch vom Landratsamt Böblingen, „über die letzten Jahre hat sich das etwa auf diesem Niveau stabilisiert“. Ein besonders dreister Fall aus der jüngeren Vergangenheit ereignete sich im Oktober 2018, als jemand rund 100 alte Autoreifen illegal auf dem Häckselplatz in Gäufelden-Tailfingen entsorgte.

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