Wer war Claire Heliot? Eine mutige Frau mit Löwen

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Die Dompteuse Claire Heliot posiert mit einem ihrer zwölf Löwen. Foto: factum/Granville

Leonberg - Fällt in Leonberg das Wort „Rappenhof“, denken viele der älteren Generation an seine einst weltberühmte Besitzerin – die Löwenbändigerin Claire Heliot. Aber zwei örtliche Legenden stimmen nicht: Sie hat nie mit ihren Löwen hier gelebt; und sie hat sich mit dem Hof auch nicht ruiniert, sondern ganz im Gegenteil ihn für gutes Geld verkauft.

Knapp zehn Jahre lang ist die 1866 in Halle an der Saale geborene Klara Pleßke unter ihrem Künstlernamen Claire Heliot ein Weltstar gewesen – eine anmutige und mutige Frau, die mit zwölf Löwen und vier Doggen in einer dreiviertelstündigen Nummer bisher nie Dagewesenes zeigt. Als Vollwaise lebte sie mit 21 Jahren bei einer Tante in Leipzig. 1889 heiratet sie den Stallmeister Karl August Hanmann. Das Paar wird 1901 geschieden, weil der Ehemann ihr Hab und Gut verprasste. Mit 30 Jahren nimmt Klara Hanmann – mittellos und ohne familiären Rückhalt – ihre Arbeit im Leipziger Zoo auf. Auf Vorschlag des Zoodirektors Ernst Pinkert beginnt sie im April 1897 Dressurnummern mit drei Löwen einzustudieren.

Sie behandelte ihre Löwen „stets mit Liebe“

Sie erweist sich als sehr erfolgreiche Löwendompteuse. Ihr erster öffentlicher Auftritt findet an Pfingsten 1898 im Leipziger Zoo statt und erregt großes Aufsehen. Bis zum Ende ihrer Karriere 1907 tritt sie unter ihrem Künstlernamen Claire Heliot auf. Sie gastiert in Zoos, Varietés und festen Veranstaltungshäusern, geht auf Tournee mit dem Zirkus. Große Tourneen ab 1898 führten sie um den halben Globus. Großbritannien, Russland und Deutschland lagen ihr zu Füßen. Claire Heliot ist mit ihren Tieren 1905 auch für sieben Monate in den USA unterwegs.

Von den Auftritten der weltbekannten Dompteuse gibt es viele Fotos. Foto: LKZ/Archiv

Die Künstlerin hat die Tiere „stets mit Liebe“ behandelt. „Ich schwinge die Peitsche über ihren Köpfen, mehr nicht“, sagte sie. Mit 40 Jahren beschließt sie, ihre Karriere zu beenden. Auf der Abschiedstournee wird sie von ihrem Löwen Lux in Kopenhagen angegriffen und schwer verletzt.

Claire Heliot, die ihren Künstlernamen offiziell weiterführen darf, lässt sich in Stuttgart nieder, wohin sie viele freundschaftliche Kontakte pflegt, auch zu Christian Wagner. 1907 erwirbt sie den Rappenhof in Eltingen für die stattliche Summe von 75 000 Mark. Sie lebt auf dem Gut bis sie es 1910 gewinnbringend verkauft. Der Rappenhof „war nichts für eine Frau alleine“, sagte sie dazu in einem Radio-Interview 1950. Zudem hatte der Gutsverwalter Friedrich Scheytt 1909 auf sein eigenes Anwesen, das Glemseck, gewechselt.

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In der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg verliert sie ihr Vermögen. Sie schlägt sich mit dem Verkauf kosmetischer Produkte durch. Im Zweiten Weltkrieg wird bei einem Luftangriff ihre Wohnung zerstört. Nach einigen Jahren in der Notunterkunft im Erholungsheim Burg bei Beutelsbach erhält sie durch Vermittlung des Stuttgarter OB Arnulf Klett einen Platz in einem Altersheim in Stuttgart. Dort stirbt sie am 9. Juni 1953 und wird im Stuttgarter Waldfriedhof beigesetzt.

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