Weissach Wenn die Geburtstagsparty aus den Fugen gerät

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Der Tatort: Die Vorbergblickhütte, westlich von Weissach gelegen. Foto: factum/Granville

Weissach - Die Frau am Telefon ist außer sich: Als „eine einzige Müllhalde“ beschreibt sie der Polizei den Platz um die Vorbergblickhütte, nachdem sie dort bei einem Spaziergang an einem Sonntagvormittag im März vergangenen Jahres vorbeigekommen ist. Die Polizei ist alarmiert, ermittelt zunächst „gegen Unbekannt“. Bis ein Autokennzeichen und ein Augenzeuge aus Weissach die Beamten auf die Spur einer Geburtstagsparty bringen. „Es kamen immer mehr Namen ins Spiel, doch letztlich lief es auf zwei Personen hinaus“, erinnert sich ein Polizist an die Ermittlungsarbeit.

Am Ende führt die Spur zu zwei Jungs: Einem 16-Jährigen aus Rutesheim und einem 20-Jährigen aus Weissach. Was als gemütliche Geburtstagsparty begann, endete darum in einem Prozess vor dem Amtsgericht Leonberg, wo sie sich vor kurzem wegen „gemeinschäd­licher Sachbeschädigung“ verantworten mussten. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, mehrere Schilder, auf denen jeweils der Baum des Jahres erklärt wurde, aus dem Boden gerissen und verbrannt zu haben. Der Schaden der Gemeinde, die ­Material kaufen und neue Schilder wieder aufstellen musste, hat 700 Euro betragen.

Teilgeständnisse vor Gericht

Vor Richterin Sandra De Falco legten die beiden Jungs ein Teilgeständnis ab: Sie räumten ein, aus Langeweile und Übermut die Schilder aus dem Boden gezogen zu ­haben und wenige Meter entfernt weg­geworfen zu haben. Ins Feuer geworfen hätten sie sie jedoch nicht. „Wegen ihrer Lackschicht hätten sie wohl ohnehin nicht gebrannt“, erklärte der 16-Jährige, der ­zudem beteuerte, an diesem Abend keinen Alkohol getrunken zu haben.

Beide führten zudem weiter aus, sie hätten die Party zwischen 22 und 23 Uhr verlassen, weil eine Gruppe von etwas älteren Jugendlichen erschienen sei, die man nicht eingeladen habe. „Die haben Flaschen rumgeworfen und auch sonst ziemlich Stress ­gemacht“, erinnert sich der 16-Jährige. Erst in den Tagen danach hätten sie erfahren, dass die Schilder verbrannt worden seien.

Obwohl die Staatsanwaltschaft vier Jugendliche als Zeugen aufbot, die bei der Geburtstagsparty dabei waren, ließen sich die genauen Geschehnisse nach mehr als einem Jahr nicht mehr rekonstruieren. Alle vier Teenager erklärten , dass die Party eskalierte, als die Gruppe mit den ­älteren Jugendlichen kam und sie zwischen 22 und 23 Uhr gingen. Erst im Nachhinein hätte sich in der Schule und im Jugendhaus herumgesprochen, dass die beiden Angeklagten die Schilder ins Feuer geworden hätten. Gesehen hatte dies jedoch keiner.

„Die Hormone sind mit ihnen durchgegangen“

Der Staatsanwalt ging am Ende der ­Beweisaufnahme nur noch von einem Schaden von rund 180 Euro aus, da die Stangen durch das Herausreißen beschädigt worden seien. Dennoch hielt er den Vorwurf der gemeinschädlichen Sachbeschädigung aufrecht. „Die Hormone sind mit ihnen durchgegangen, sie wollten ihre Kräfte prüfen“, sagte der Anklagevertreter.

Dem schloss sich Richterin Sandra De Falco an und verurteilte den 16-Jährigen zu 15 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Für den 20-Jährigen kam diese Sanktion nicht in Betracht, da er wegen eines Herzfehlers keine Arbeitseinsätze leisten kann und ­sogar seine Ausbildung zum Berufskraftfahrer abbrechen musste. Er muss drei Gespräche mit einer Vertreterin der Jugendgerichtshilfe führen und 50 Euro an den BUND Weissach-Flacht bezahlen. „Sie haben die Schilder durch Ihre Aktion in der Substanz beschädigt. Das ist Vandalismus, den die Allgemeinheit bezahlen muss“, ­redete die Richterin den beiden jungen Männern ins Gewissen.

Der 20-Jährige hatte in seinem Schlusswort eingeräumt, dass dies die dümmste Aktion gewesen sei, die er in seinem Leben gemacht habe. Der 16-Jährige sagte, er habe seine Lektion gelernt. Am meisten habe ihn getroffen, dass er wegen des Prozesses eine Klassenfahrt verpasst habe.

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