Weissach Weissach baut ein neues Flüchtlingsheim

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Aus zwei Gebäuden (vorne und hinten) besteht die künftige Unterkunft in der Flachter Straße in Weissach. Foto: Gemeinde Weissach

Weissach - In Weissachs Flüchtlingseinrichtungen wird der Platz eng. Darum greift die Gemeinde jetzt in die Spardose und errichtet in der Flachter Straße eine neue Unterkunft. Nadine Pfaffeneder, die Hauptamtsleiterin, erläuterte das in der jüngsten Gemeinderatssitzung Anhand von Zahlen.

Derzeit beherbergt Weissach 122 Flüchtlinge. Insgesamt hat die Gemeinde 128 Plätze zur Verfügung. „Unsere Kapazitäten sind nahezu ausgeschöpft“, stellte Pfaffeneder fest. Denn gleichzeitig kämen auch in den kommenden Jahren neue Menschen dazu. In diesem Jahr rechnet sie mit 19 zusätzlichen Flüchtlingen, 2020 mit zwölf. Wegen des Familiennachzugs könnten jeweils noch zehn Menschen dazukommen. Gleichzeitig gehen Plätze verloren. 2018 hatte Weissach in Rutesheim Container des Landkreises angemietet und dort 30 Flüchtlinge untergebracht. Diese Miete läuft allerdings Ende 2019 aus. „Insgesamt sind es also 63 Plätze, die wir in den kommenden zwei bis drei Jahren brauchen – und nicht haben“, bilanzierte die Hauptamtsleiterin. Diese Plätze soll ein Neubau in der Flachter Straße 35 bieten, dessen Bau der Gemeinderat darum – bei einer Enthaltung – in Auftrag gab.

Architektur wie in Flacht

Das Grundstück dort gehört der Gemeinde. Bei der Gestaltung wollen die Architekten auf das bestehende Flüchtlingsgebäude in der Leonberger Straße in Flacht zurückgreifen, das die Gemeinde vor drei Jahren gebaut hatte.

Die neue Unterkunft in Weissach soll jetzt aus zwei Gebäuden bestehen. Maximal 70 Personen werden darin unterkommen. „Wichtig bei der Planung war uns die spätere Umnutzung in Wohnungen“, erklärte der Architekt Bernd Conzelmann vom Stuttgarter Büro Arcin. „Eine weitere Anforderung war es, mehr Toiletten vorzusehen und die Toiletten und Duschen zu trennen.“ Damit reagierten Planer und Gemeindeverwaltung auf Kritik an dem bestehenden Gebäude in Flacht. Weil dort, vor allem in den Morgenstunden, die Toiletten nicht ausreichen, musste das Rathaus einen Toilettencontainer im Otto-Mörike-Weg aufstellen, was auf Kritik bei den Anwohnern gestoßen ist.

„Wir wollten zudem eine lebenswerte Umgebung schaffen“, sagte Conzelmann. Bei dem Neubauprojekt sind deshalb zwischen den beiden Häusern ein Garten und ein Spielplatz vorgesehen. Jetzt beginnen die Bauarbeiten, der Einzug ist dann schon für März 2020 geplant. 2,7 Millionen Euro kostet das Projekt, die nicht im aktuellen Haushalt der Gemeinde eingeplant sind und deshalb vom Sparbuch entnommen werden müssen.

„Ob die Gemeinde Geld hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle“

„Die Unterbringung von Obdachlosen und Flüchtlingen ist eine Pflichtaufgabe“, sagte der Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU). „Ob die Gemeinde Geld hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle.“ Seine Gemeindeverwaltung habe zudem alle Gebäude und Grundstücke der Gemeinde unter die Lupe genommen. Alternativen gebe es nicht. „Die Flachter Straße 35 ist geeignet“, erklärte Töpfer.

Grundsätzliche Kritik aus den Gemeinderatsfraktionen gab es nicht. Nur Adelheid Streckfuß (Unabhängige Liste) fand, dass die vorgesehenen Familienzimmer für drei Personen mit 22 Quadratmeter zu klein seien. „Ein bisschen über dem, was als unwürdig angesehen wird, müsste es schon sein.“ Der Bürgermeister wies das zurück. „Wir bauen keine Sozialwohnungen und auch kein Hotel Garni“, sagte Töpfer. „Sondern eine Unterkunft, die die gesetzlichen Vorgaben erfüllt.“

Um Plätze zu bekommen, bis die Flachter Straße 35 fertig ist, will die Gemeinde das ehemalige katholische Gemeindehaus im Tannweg nutzen. Das hatte das Rathaus von der Kirche erworben, als das neue Gemeindehaus fertig wurde. Für 50 000 Euro werden dort jetzt Trennwände, eine Küche und eine Toilette eingebaut.

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