Weissach Staubecken am Strudelbach sorgt für Ärger

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Im Jahr 2007 hat ein großes Hochwasser sogar Tiefgaragen geflutet. Foto: factum/Archiv

Weissach - Weissach hat zwei Hochwasserprobleme: Das war zuletzt 2007 zu sehen, als der ganze Ort unter Wasser gestanden hat. Man spricht von dem Fluch, der alle fünf bis 15 Jahre kommt: Starkregen sammelt sich auf den Feldern beim Porschewerk und läuft dann in Richtung Bahnhof. Das zweite Problem: Der beschauliche Strudelbach wird bei extremem Niederschlag wie zuletzt 2006 zum reißenden Gewässer. Gegen beide Hochwasser-Phänomene gibt es Pläne. Für das erste Problem werden werden viele kleinere Dämme und Rückhalteflächen gebaut. Das ist unumstritten.

Anders sieht es beim Strudelbach aus. Hier soll zwischen Weissach und Flacht ein 28 000 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken entstehen – und drei weitere im Verlauf des Tals bis nach Enzweihingen. Entweder direkt bei der Ausfahrt Strudelbachhalle, oder mehr in Richtung Flacht. „Wir werden demnächst ein Stangengerüst aufstellen, um zu zeigen, wie groß die Becken werden“, erklärte der Ortsbaumeister Klaus Lepelmann kürzlich im Gemeinderat dazu.

Agendagruppe zeigt Alternativen auf

Während also die kleinen Dämme gegen den Porsche-Starkregen nicht umstritten sind, gibt es Kritik an den bis zu sieben Meter hohen Dammkanten im schönen Strudelbachtal. Die Lokale Agendagruppe unter ihrem Sprecher Hansulrich Benz mahnt an, dass man nicht zu wuchtig planen soll. Sie legen zudem Alternativen vor. „Zum Beispiel oberhalb der Haldenwaldmühle“, schlägt Benz vor. Das wäre deutlich nördlich von Weissach schon auf Eberdinger Markung.

Allerdings führt der Ortsbaumeister Klaus Lepelmann an, dass die dortigen Überflutungsflächen nicht genutzt werden können. „Das liegt in einer Wasserschutzzone, da werden die Behörden nicht mitspielen“, erklärt er. Der Bürgermeister Daniel Töpfer verweist darauf, dass dort auch nicht ausreichend Wasser aufgefangen werden könne. „Ich finde die Vorschläge der Agendagruppe trotzdem gut“, erklärte er kürzlich im Gemeinderat, „ich will alle dazu motivieren. Wir sind für jeden Hinweis der Bürger dankbar.“

Informationspolitik ist „spärlich“

Auch Andreas Pröllochs, der Sprecher der Bürgerliste, sieht das ähnlich: „Ich finde es gut, dass sich viele Menschen Gedanken machen. Das Dammbauwerk löst nicht bei allen Begeisterung aus.“ Auch Tobias Zipperlen (Bürgerliste) teilt die Bedenken mancher Bürger: „Die Planung ist nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Horst Klink (Unabhängige Liste) kritisierte die Informationspolitik der Verwaltung: „Das ist sehr spärlich. Auch die Infoveranstaltung für die Bürger wurde sehr kurzfristig bekannt gegeben, die Darstellung der Pläne war dabei ziemlich dürftig.“ Daniel Töpfer sichert zu, dass die Öffentlichkeit auf jeden Fall in Zukunft frühzeitig und ausreichend über die Pläne informiert wird.

Aber die Agendagruppe sorgt sich noch mehr um das obere Strudelbachtal, nördlich der Ölmühle. Denn dort gab es schon einmal Pläne, zwischen der Öl- und der Burgmühle ein weiteres Staubecken zu errichten. „Welches Interesse besteht für uns, mit zwei Dämmen das Strudelbachtal zu zerstören?“, fragt Hansulrich Benz nun.

Eigentlich sind diese Pläne vom gemeinsamen Zweckverband aller Strudelbach-Kommunen inzwischen verworfen worden. Doch Benz fürchtet, diese könnten wieder aus dem Hut gezaubert werden. Und das hängt mit der Diskussion im Nachbarort Eberdingen zusammen. Denn dort soll ein weitaus größeres, bis zu neun Meter hohes Rückhaltebecken gebaut werden – was bei den Eberdinger Bürgern viele Proteste auslöst. Nun fürchtet Benz, dass die Lokalpolitiker einknicken und die große Anlage verkleinern wollen.

„Extrem landschaftsschädlich“

Damit würde weniger Wasser dort gesammelt werden – und der ungeliebte Standort bei der Ölmühle könnte wieder ins Spiel kommen. „Das wäre extrem landschaftsschädlich für das Strudelbachtal“, kritisiert er. Es handele sich um das wertvollste Stück des oberen Strudelbachs.

Der FWV-Fraktionschef Volker Kühnemann lobt jedenfalls die Vorschläge der Agendagruppe, ihre Anregungen sollten geprüft werden. Das soll auch geschehen – und der Bürgermeister Daniel Töpfer will auch mit den Nachbargemeinden sprechen. Klar ist: Eine Lösung, bei der alle zufrieden sind, wird es wohl kaum geben.

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