Weissach/Rutesheim Weissach freut sich über neue Schulform

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Die Ferdinand-Porsche-Schule. Foto: factum/Archiv

Weissach/Rutesheim - Vier weitere Gemeinschaftsschulen hat das Kultusministerium im Kreis Böblingen genehmigt; gestern wurde diese Entscheidung öffentlich. Im einzelnen sind es die Ferdinand-Porsche-Schule in Weissach, die Friedrich-Kammerer-Schule in Ehningen, die Johannes-Kepler-Schule in Magstadt und die Werkrealschule in Weil im Schönbuch.

Vor allem in Weissach atmen Lehrer, Eltern und Kommunalpolitiker nun auf, wie auch die Bürgermeisterin Ursula Kreutel bestätigt. „Wir freuen uns unheimlich, die Erleichterung ist groß“, sagt sie. „Zumal wir schon an einer Gemeinschaftsschule gearbeitet haben, als die neue Schulform noch gar nicht das große Thema war.“

Erst in der vergangenen Woche hatte der Weissacher Gemeinderat sich mit wenig erfreulichen Nachrichten aus dem Böblinger Schulamt und dem Stuttgarter Regierungspräsidium auseinandersetzen müssen. Die Behörden hatten ein düsteres Bild gezeichnet von der Zukunft des Schulstandorts Weissach: Zuwenige Schüler seien es, die mittelfristig die Ferdinand-Porsche-Schule besuchten, um die geforderten zwei Züge für eine Gemeinschaftsschule zu schaffen – das hatte die Schulamtsleiterin Angela Huber vorgerechnet. Eine entsprechend negative Stellungnahme schickten die Behörden an die Landesregierung.

Warum die Ministeriumsvertreter am Ende doch anders entschieden, also für den Standort Weissach? Ursula Kreutel betont, man habe eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen, an der Schule seien bereits pädagogische Konzepte erarbeitet worden. Mit all dem haben die Weissacher geworben, berichtet die Bürgermeisterin. „Das Schulamt hat ja schon festgestellt, dass wir die richtigen baulichen Voraussetzungen haben.“ Was die Schülerzahlen angeht, sieht Kreutel die Situation positiver als Angela Huber. „Im Moment sagen die Prognosen, dass wir genügend Schüler zusammenbekommen“, so Kreutel. „Und andernorts, wie in Grafenau, hat sich ja gezeigt, dass die Gemeinschaftsschule als sehr attraktiv wahrgenommen wird“, ergänzt sie.

Apropos Schülerzahlen: ebenfalls positiv für Weissach wirkte sich wohl aus, dass Rutesheim bei der Entscheidung des Ministeriums noch nicht berücksichtigt wurde. Der Rutesheimer Gemeinderat nämlich hatte erst im Herbst in Absprache mit der eigenen Schulleitung beschlossen, ebenfalls eine Gemeinschaftsschule einrichten zu wollen. Einen Antrag haben die Rutesheimer zwar noch nicht gestellt. In Weissach sorgte die Ankündigung aus der Nachbarstadt in der vergangenen Woche dennoch für einigen Wirbel.

Denn das Böblinger Schulamt hatte bei seiner Berechnung einen möglichen Gemeinschaftsschulstandort in Rutesheim einbezogen, der auch für Schüler aus Flacht attraktiv wäre. Der Leiter des Rutesheimer Schulzentrums, Jürgen Schwarz, will sich mit der Einführung der Gemeinschaftsschule allerdings noch Zeit lassen. „Wir haben den Luxus, dass wir nicht dazu zu gezwungen sind, schnell zu handeln“, betont er. „Wir wollen uns bei anderen Standorten erst einmal in Ruhe anschauen, wie Gemeinschaftsschule funktionieren kann.“

Den Abwägungsprozess im Ministerium haben zahlreiche Gespräche zu Gunsten Weissachs beeinflusst; teilweise öffentlich, teilweise hinter verschlossenen Türen. Ursula Kreutel bestätigt: „Wir haben alle Kanäle bedient, die uns zur Verfügung standen.“ Man habe aber natürlich immer auf einer Sachebene agiert. Eine wichtige Rolle spielte auch der Böblinger Landrat Roland Bernhard: Er ließ ebenfalls seine Beziehungen für Weissach spielen, warb mit dem „hoch attraktiven Konzept“ an der Ferdinand-Porsche-Schule.

Noch am 1. Februar äußerte sich Bernhard in einer Pressemitteilung. „Wir freuen uns zwar sehr, dass sich in Ergänzung der Pilot-Gemeinschaftsschulen in Grafenau und Sindelfingen weitere Schulen im Landkreis zu Gemeinschaftsschulen weiter entwickeln können“, so Bernhard. Doch umso größer sei das Unverständnis, dass die Ferdinand-Porsche-Schule abgewiesen werden solle. Stark gemacht für den Standort Weissach hat sich auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Murschel; er warb im Ministerium ebenfalls dafür. „Ich sehe hier großes Entwicklungspotenzial“, sagt er. „Es tut sich ja auch mit Porsche und Bosch viel in der Region“, so Murschel weiter. „Daher ist die Entscheidung für Weissach auch als Schulstandort richtig.“

Auch in Böblingen beobachtet man sehr genau, wie die Schullandschaft im Kreis in Bewegung geraten ist. Der Gemeinderat hatte bereits 2012 Jahr die Weichen gestellt, und eine Generalsanierung des Murkenbachschulzentrums für rund 13 Millionen Euro genehmigt. Geht es nach dem grünen Bürgermeister Ulrich Schwarz, soll eine Gemeinschaftsschule nur dort entstehen, wo alle Abschlüsse möglich wären. In Böblingen wird man wohl bald die Auswirkungen der neuen Gemeinschaftsschulen spüren: So rechnet man um bis zu zehn Prozent Schülerschwund. „Diese vier neuen Schulen werden Dynamik in die Entwicklung der Schullandschaft im Kreis bringen“, urteilt der SPD-Abgeordnete Florian Wahl. Für das übernächste Schuljahr gibt es dann wohl wieder neue Anträge.

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