Weissach Offene Türen für ein stärkeres Miteinander

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In den Sechzigern entsteht das neue Schulhaus. Foto:  

Weissach - Wo einst das große Schild mit der Aufschrift „Ferdinand-Porsche-Schule“ prangte, wächst heute ein Gebüsch. Und davor, wo in den Sechzigern noch ausreichend Platz für zahlreiche Stuhlreihen für die große Einweihungsfeier war, steht seit vielen Jahren ein weiteres Gebäude. Und davor noch mal eines. An der Gemeinschaftsschule in Weissach hat sich seit ihrer Erbauung so einiges gewandelt. Heute feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen.

1966 wurde die heutige Gemeinschaftsschule an ihrem jetzigen Standort in Betrieb genommen – damals noch als Grund- und Hauptschule. „Vorher befand sich die Schule noch bei der Kirche“, erklärt die heutige Rektorin, Karin Karcheter. Doch dort wurde es bald zu eng, sodass am Biegel ein neues Gebäude entstand. Und das war erst der Anfang. Wegen der gleichzeitigen Reform, die die Trennung von Grund- und Hauptschule beinhaltete, wurden in Weissach fortan nicht mehr nur die Jungen und Mädchen aus dem Ort, sondern auch die aus Flacht unterrichtet. Und wieder wurde es ziemlich eng unter dem Dach des Gebäudes, zum Teil mussten die Grundschüler sogar noch am alten Standort unterrichtet werden. Und die Zahlen stiegen weiter. So wandelte sich das kleine Schulhaus im Norden von Weissach über die Jahre schließlich zu einem großen Komplex, in dem heute um die 380 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden.

Im Verwaltungstrakt ist fast alles beim Alten geblieben

Thomas Suchomski ist stellvertretender Rektor und seit 30 Jahren als Lehrer an der Porsche-Schule, hat die Entwicklung also über viele Jahre miterlebt. „Zuerst kam das Gebäude, in dem auch die Verwaltung bis heute untergebracht ist“, weiß er. „Hier ist soweit auch fast alles so verblieben wie damals.“ Außen herum bekam das Haus jedoch Zuwachs – erst in Form von Containern und Provisorien in den 70er Jahren, die den großen Zustrom an Schülern auffangen sollten, später mit ganz neuen Gebäuden nach Osten und nach Westen hin. 1981 konnte der erste Erweiterungsbau mit der Bibliothek bezogen werden, 1996 kam ein weiterer Gebäudeteil hinzu. Auch im Schulalltag ist heute wenig so wie in den alten Zeiten. „Der Frontalunterricht ist schon seit Jahren immer mehr in den Hintergrund gerückt“, erinnert sich Suchomski. Das pädagogische Konzept ist ein ganz anderes als früher. „Wenn ich da mal im Klassenzimmer für Gruppenarbeit Tische zusammenschieben ließ, war das etwas Außergewöhnliches und wurde zum Teil auch kritisch betrachtet, heute ist das selbstverständlich.“ Auch die Zimmertüren der Porsche-Schule sind mittlerweile immer offen während des Unterrichts, „das wäre früher noch undenkbar gewesen“, weiß Karin Karcheter. „Damals wusste man weniger voneinander. Es ist ein stärkeres Miteinander geworden, und durch den Ganztag werden die Lehrer auch eine stärkere Bezugsperson für die Kinder.“

Gemeinschaftsschule seit 2013

Thomas Suchomski schätzt am Konzept der Gemeinschaftsschule, dass solche Ansätze nun gewünscht seinen und gefördert werden. Seit 2013 handelt es sich bei der Porsche-Schule um eine Gemeinschaftsschule, davor war sie zwischenzeitig eine Grund- und Werkrealschule. Der Wandel hin zur Gemeinschaftsschule brachte inhaltlich die meisten Veränderungen, „das ist schon ein großer konzeptioneller Unterschied“, sagt Suchomski. Allerdings: „Vieles der neuen Inhalte, vom Lerntagebuch bis zum individuellen Coaching, hatten wir vorher auch schon und konnten es in das Konzept gut einfließen lassen.“

Von Stillstand kann seither keine Rede sein. Demnächst soll die Schule einen weiteren Anbau für eine Mensa und weitere Klassenräume erhalten. „Denn wir haben schon wieder drei Klassen in Containern, zum Essen gehen die Schüler in die benachbarte Sportgaststätte“, berichtet Karcheter. Auch das Lehrerzimmer sei einst für 20 Kräfte errichtet worden, „heute sind wir 35“. Die nächste große Veränderung klopft also bereits an die Tür – eine von so vielen in den vergangenen 50 Jahren. „Dass sich hier alles einmal so entwickelt“, glaubt Suchomski, „das hätte man sich damals nie träumen lassen.“

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