Weissach Neue Ortsmitte: Jetzt kommt der Feinschliff

Von Brunhilde Arnold
Entlang der Bachstraße sieht der Siegerentwurf für die Neugestaltung der Ortsmitte eine Promenade am Wasser vor. Foto: Simon Granville

Weissach - Vor genau zwei Jahren hat der Weissacher Gemeinderat für das immer wieder zitierte „Jahrhundertprojekt“ den Startschuss gegeben. Im November 2019 beschloss das Gremium, fünf Planungsbüros damit zu beauftragen, städtebauliche Entwürfe für die Neugestaltung der Ortsmitte zu entwickeln. Nach Bürgerwerkstätten und Jurysitzungen gibt es seit dem Sommer einen von einer Jury empfohlenen Siegerentwurf – vorgelegt vom Büro Schreiberplan aus Stuttgart. Dieser Empfehlung stimmte der Gemeinderat jetzt zu. Allerdings haben die Räte vor Kurzem in einer Klausurtagung Aufträge zur Überarbeitung des Entwurfs formuliert.

Eine urbane, eine grüne Zone

Die Stadtplanerin und ehemalige Erste Bürgermeisterin von Leonberg, Inge Horn, die mit ihrem Büro Hornprojekt im Auftrag der Gemeinde die Entwicklung der neuen Ortsmitte begleitet, fasste die Punkte zusammen, mit denen sich die Fachleute von Schreiberplan befassen müssen. Der Siegerentwurf, so Inge Horn, zeichne sich durch drei wesentliche Aspekte aus: Ein neuer Marktplatz gegenüber des Alten Rathauses wurde definiert. Zwei gestalterische Zonen wurden entworfen, davon eine mit eher urbanem Charakter, eine mit grünem Schwerpunkt.

Verbunden werden diese Zonen durch einen Wasserlauf. Dabei war zunächst geplant, den Strudelbach aus seinem unterirdischen Bett an die Oberfläche zu holen. Allerdings taten sich an diesem Punkt Bedenken auf, weil das Gewässer immer wieder trockenfällt. Deswegen entstand die Überlegung, einen künstlichen Wasserlauf zu gestalten, erklärte Inge Horn. Für diesen müsse es aber zunächst eine grobe Kostenschätzung geben, bevor die Freiflächen weiter konkretisiert werden können.

Verkehrsführung mit Einbahnstraßen schwierig

Auch an anderen Punkten des Siegerentwurfs gibt es nach Ansicht des Gemeinderats Überarbeitungsbedarf. So soll die vorgeschlagene Größe für ein neues Gebäude mit Geschäften östlich des dann neuen Marktplatzes überprüft werden. Das gleiche gilt für ein angedachtes Mehrgenerationenhaus, das allerdings wie eine Klammer um das historische Rathaus wirke, so die Kritik an dem voluminösen Baukörper.

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Der Abstand zwischen diesem Neubau und dem ehemaligen Rathaus solle vergrößert werden. Auch die vorgeschlagene Verkehrsführung mit Einbahnstraßen sei teilweise schwierig und müsse noch einmal überdacht werden. Zahlreiche weitere Punkte wie die Fußwegbreiten, mögliche Baumstandorte oder auch das oberirdische Parken stehen auf der Überarbeitungsliste des Gemeinderats für das nun beauftragte Siegerbüro Schreiberplan.

Im Frühsommer soll es erneute Bürgerbeteiligung geben

Bis zu einem möglichen Baubeginn in etwa einem Jahr ist es allerdings noch ein weiter Weg. Nach der Überarbeitung des städtebaulichen Konzepts muss der Gemeinderat dies als Grundlage für die weitere Entwurfs- und Ausführungsplanung beschließen. Diese soll dann – nach einer neuerlichen Bürgerbeteiligung – im Frühsommer nächsten Jahres beschlussreif sein und wird die Grundlage für die EU-weite Ausschreibung der von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Arbeiten bilden.

Andreas Pröllochs, Fraktionsvorsitzender Bürgerliste, lobte den Entwurf. Neben dem größten Ziel – der Belebung der Ortsmitte – gebe es außerdem noch ein ganzes Paket an Zielen mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen. „Ich hoffe, dass wir den Zeitrahmen einhalten können“, sagte der Sprecher der größten Gemeinderatsfraktion.

Realisierung könnte zehn Jahre lang dauern

Detlef Bausch von den Freien Wählern sieht die neue Ortsmitte ebenfalls auf „einem guten Weg“. Er wollte wissen, wie lange die komplette Realisierung denn wohl noch dauern würde. „Fünf bis acht Jahre“, antwortete die Projektleiterin Inge Horn. „Fünf bis zehn Jahre“, schraubte der Bürgermeister Daniel Töpfer die Erwartungen herunter. „Wir haben unterschiedliche Nutzungen und Betreiberkonzepte sowie viele Beteiligte“, sagte er. „Das ist hochkomplex und wird die Gemeinde deshalb auch noch viele Jahre beschäftigen.“

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