Weissach „Frauen werden schneller ernst genommen“

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Drei Frauen in Führungspositionen: Michaela Österle, Nadine Pfaffeneder und Karin Richter (von links). Foto: factum/Weise

Weissach - Heute, am 8. März, ist Weltfrauentag. Die Frage nach Frauen in Führungspositionen wird gerade an diesem Tag sehr häufig gestellt. Denn in fast allen Berufen sind Frauen in den Chefetagen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Rathäuser bilden da oft keine Ausnahme. Obwohl der Großteil der Mitarbeiter in den Verwaltungen vornehmlich weiblich ist, gehören die jeweiligen Amtsleiter häufig immer noch zu den „Herren der Schöpfung“.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich im Rathaus in Weissach. Hier sind die Amtsleiterinnen nicht die Ausnahme, sondern die Regel: mit der Sersheimerin Nadine Pfaffeneder (28) als Hauptamtsleiterin, der Magstadterin Karin Richter (52) als Kämmerin und Michaela Österle (51), „waschechte Älblerin“, als Sachgebietsleiterin der Bauverwaltung. Aus Anlass des Weltfrauentags haben wir jeder von ihnen zwei Fragen gestellt.

Warum, denken Sie, sind Frauen auch in Verwaltungen in leitenden Positionen eher die Ausnahme?

Karin Richter: Das ist zum Teil noch historisch gewachsen. Hier werden sich nach meiner Einschätzung in den nächsten Jahren jedoch deutliche Veränderungen ergeben. Die Flexibilität in der Kinderbetreuung eröffnet den Frauen heutzutage deutlich mehr Möglichkeiten als zu Zeiten meines Berufseinstieges. Egal für welche berufliche Planung sich jede Frau entscheidet, die Rahmenbedingungen sind heute besser denn je. Es sollte jedoch gesellschaftlich genauso akzeptiert werden, sofern die Entscheidung für den Schwerpunkt der Familienbetreuung getroffen wird. Es gibt hier meines Erachtens kein gut oder schlecht, sondern die Entscheidung muss gemeinsam mit dem jeweiligen Lebenspartner beziehungsweise der Familie getroffen und getragen werden.

Michaela Österle: Ich denke, das hängt mit unserem früheren Gesellschaftmodell zusammen, wo es noch ganz klar war, dass Amtsleitungen und Bürgermeisterposten, Führungspositionen generell, einem Mann vorbehalten sind. Diese Generation geht nun langsam vollends in den Ruhestand. Jüngere rücken nach, und damit kann sich der gesellschaftliche Wandel und die Rolle der Frau endlich zumindest in diesem Bereich manifestieren, was in der freien Wirtschaft sicherlich problematischer ist.

Nadine Pfaffeneder: Schon die Aufteilung an den beiden Hochschulen in Baden-Württemberg mit einem geschätzten Anteil von 20 Prozent Männer zu 80 Prozent Frauen zeigt den Trend, welcher sich nach und nach auch schon zwangsläufig in allen Ebenen einer Verwaltung vollziehen wird. Ich denke aber auch, dass die Veränderung im „Rollenbild“ maßgeblich dazu beigetragen hat. Nicht nur, dass Frauen in Führungspositionen gesehen und akzeptiert werden, sondern insbesondere, dass Frauen sich selbst dort sehen, es sich zutrauen und dieses auch einfordern.

Denken Sie, dass es schwerer ist für Frauen, sich in Führungspositionen zu behaupten, beziehungsweise haben Sie schon entsprechende Erfahrungen gemacht? Oder waren Ihre Erfahrungen dahingehend eher positiv?

Karin Richter: Hier hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise viel geändert. Heute können Stellen in Führungspositionen auch in Teilzeit ausgeübt werden, was früher leider nicht denkbar war. Daher war es für Frauen, die in Teilzeit gearbeitet haben, auch nahezu ausgeschlossen, diese Positionen zu besetzen. Da der öffentliche Dienst überwiegend weiblich ist, ist es nur konsequent, dass auch die Führungspositionen weiblich besetzt werden. Ich möchte die Frauen ermutigen, sich auch diese Positionen zuzutrauen. Hier gehen nach meiner Erfahrung die Männer etwas mutiger und konsequenter ihre berufliche Planung an.

Michaela Österle: Als Frau in einem doch sehr stark männlich geprägten Bereich zu arbeiten, ist ganz klar eine Herausforderung. Nachdem aber auch bei den zuarbeitenden Ingenieurbüros immer mehr Frauen auftreten wird die Durchmischung Männlein/Weiblein immer besser. Lediglich bei den Baufirmen sieht man nach wie vor keine weiblichen Arbeiter. Die Resonanz, wenn man als Frau in einer Führungsposition auf einer Baustelle erscheint, ist durchweg eher positiv. Mittlerweile wird man als Frau auch schneller ernstgenommen als früher. Ich denke, der Umgangston wird dann automatisch weniger rau, und der Umgang insgesamt wird respektvoller in Anwesenheit einer Frau. Mit Fachkenntnissen und einem entsprechend souveränen Verhalten ist eine Akzeptanz kein Problem. Meine männlichen Kollegen haben es sicher insgesamt einfacher – ich habe allerdings inzwischen so viel Erfahrung, dass ich kein Problem mehr habe, als Frau in dieser Position akzeptiert und respektiert zu werden.

Nadine Pfaffeneder: Glücklicherweise hat sich hier in den letzten Jahren wohl viel verändert, ich durfte bisher fast ausschließlich positive Erfahrungen machen, was die Akzeptanz sowohl zu meinem Alter als auch als Frau in einer Führungsposition angeht. Teilweise konnte ich daraus auch Vorteile ziehen, da dadurch bedingt häufig schon vor dem ersten Kontakt eine gewisse Anerkennung entgegengebracht wird. Einzelne negative Erfahrungen führe ich auf die jeweils handelnden Personen und nicht auf eine grundsätzlich kritischere Haltung gegenüber Frauen in Führungspositionen zurück. Die Vereinbarkeit von Familie sowie Beruf und Karriere sehe ich, insbesondere im öffentlichen Dienst, als sehr gut an. Trotzdem kann in einer Führungsposition auch heute noch nicht der Familienanteil so viel Zeit in Anspruch nehmen wie in anderen Stellungen.

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