Weissach Das Wort Jesu gehört zum Parteiprogramm

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Will montags das umsetzen, was er sonntags in der Kirche hört: Dieter Burr. Foto:  

Weissach - Dieter Burr ist ein freundlicher Mensch. Er begrüßt den Besuch, wirkt offen, fast ein wenig schüchtern. Seit 1980 hat er sein Steuerberatungsbüro, das von damals vier Mitarbeitern auf fast 40 angewachsen ist und zwei Dependancen in Augsburg und Dresden hat. Doch Dieter Burr ist auch Bundesvorsitzender der AUF-Partei. AUF steht für Arbeot, Umwelt und Familie. Sie vertritt sehr konservative Werte, wobei Dieter Burr lieber von „christlichen Werten“ spricht.

Eigentlich stammt Dieter Burr aus Bamberg, ist dort aufgewachsen, war im Evangelischen Jugendwerk aktiv und ein wenig in der Jungen Union. Dort hat er auch seine Ausbildung beim Finanzamt absolviert. Als Unternehmer hat sich Burr ebenfalls zu seiner Religion bekannt, ist Mitglied bei den „Christlichen Geschäftsleuten“ und der „International Christian Chamber of Commerce“ in Brüssel. „Ich wollte schon immer das, was ich am Sonntag in der Kirche höre, am Montag umsetzen“, erzählt er.

Wahrhaftig, ehrlich und offen miteinander umgehen

Wie sieht das aus? Wie wird dieser hohe Anspruch im Burr’schen Betrieb umgesetzt? „Wir gehen wahrhaftig, ehrlich und offen miteinander um“, sagt er. Familie sei wichtig, die Rolle der Frau bei der Kindererziehung ebenso. Auch bei den Mandanten lege man Wert auf Ehrlichkeit. „Mit Schwarzgeld und dubiosen Geschäften wollen wir nichts zu tun haben“, erklärt der Steuerberater. Falls so etwas auftrete, lege man das Mandat nieder. Burr will Christentum nicht nur auf Nächstenliebe reduzieren, auch wenn das zentral sei. „Ich habe eine persönliche Beziehung mit Jesus“, sagt Dieter Burr. Innerhalb der evangelischen Landeskirche, ja, und dort eher auf der Seite der konservativen „Lebendigen Gemeinde“. Als Pietist würde er sich aber nicht bezeichnen.

So viel also zur geistlichen Verortung des Menschen Dieter Burr. Wo aber steht er im Parteienspektrum? Und warum überhaupt steht er dort? Die Keimzelle der Partei mit inzwischen 400 Mitgliedern liegt in Weissach und im Kreis Böblingen. Die CDU ist für Burr nur dem Namen nach christlich, die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) tritt für ihn zu frömmlerisch auf: „Wir können nicht mit Bibelsprüchen auf den Plakaten die Leute überzeugen.“ So begann im Jahr 2008 eine Parteigründung aus 150 Mitgliedern, viele kamen von der PBC oder von der konservativen Umweltpartei ÖDP. Burr wurde Schatzmeister, Walter Waiblen aus Weissach Bundesvorsitzender, im Jahr 2010 übernahm Burr den Vorsitz. Inzwischen gibt es Landesverbände in ganz Deutschland, der Schwerpunkt liegt in Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Der Parteisitz ist Berlin, die Bundesgeschäftsstelle ist aber in Weissach, im Büro von Dieter Burr im Gewerbegebiet Neuenbühl. In Böblingen ist übrigens die Landesgeschäftsstelle, unter der Ägide von Daniel Stanka.

Und so wirbt die AUF wie andere Parteien mit Plakaten und Flyern. Es gibt eine Homepage und für die Europawahl wurde ein Kinospot produziert. Vor fünf Jahren kandidierte Dieter Burr als Spitzenkandidat, die AUF holte 0,3 Prozent der Stimmen. Diesmal könnte es dank der fehlenden Prozenthürde vielleicht sogar zu einem Sitz reichen – doch Burr steht nur auf Platz zwei, Christa Mebes aus Bayern steht vorne. Der Weissacher sieht sich in der Verantwortung für seine Kanzlei und will nicht nach Brüssel.

Immerhin einen prominenten Mitstreiter hat Burrs AUF-Partei schon gefunden: Werner Münch, ehemals Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, hat die CDU verlassen, mit einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel. Er ist nicht Mitglied bei AUF, aber er unterstützt die junge Partei, tritt bei der zentralen Kundgebung in Berlin für die Europawahl auf.

Im Mittelpunkt der Partei stehen Ehe und Familie

Wofür steht die AUF? Im Mittelpunkt stehen Ehe und Familie. „Das Lebensrecht ist sehr wichtig für uns“, sagt Dieter Burr. Abtreibungen sollen verboten werden, nur bei Extremfällen wie einer Vergewaltigung oder bei Gefahr für das Leben der Mutter soll es Ausnahmen geben. Zudem lehnt Burr „Radikalfeminismus“ ab, betont die traditionelle Rolle der Frau bei der Erziehung: „Wir wollen nicht Mann und Frau abschaffen, wie es Teile der Gesellschaft tun.“ Auch der grün-rote Bildungsplan für sexuelle Vielfalt stößt der AUF auf.

Mit diesen sehr konservativen Forderungen gibt es sicher die meisten Reibungspunkte mit anderen Parteien. In der Wirtschafts- und Europapolitik ist die AUF eher moderat auf. Sie kämpft für Subsidiarität, die EU solle nicht zu viel an sich reißen, der Euro solle durch eine „Zweitwährung“ ergänzt, aber nicht abgeschafft werden.

So kämpft Dieter Burr in seiner Freizeit für seine Überzeugung. Anfangs war das fast ein Halbzeitjob, der Wahlkampf, die Plakate, das übernimmt jetzt ein Parteifreund aus Bayern, der eine Werbeagentur führt. Warum tut er das alles, um an Ende vielleicht 0,5 Prozent zu erreichen?

Damit sind wir wieder am Anfang des Gesprächs. „Ich will nicht nur im Gottesdienst für meine Werte eintreten“, sagt Dieter Burr. Er will Gegenposition beziehen zum Mainstream.

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