Weintage Weil der Stadt Die Arbeit endet nie – macht aber glücklich

Von
Auf ihre Weinreben in Riquewihr sind sie stolz: Laurence und Philippe Greiner. Foto: privat

Riquewihr - Langweilig wird es den Greiners nicht. Gerade erst sind sie damit fertig geworden, ihre Reben zu schneiden. Jetzt binden Laurence und Philippe Greiner ihre Weinpflanzen an, danach wird neu angepflanzt. „Winzer zu sein, heißt das ganze Jahr über Arbeit“, sagt Philippe Greiner und schaut dabei nicht so, als ob er unglücklich wäre. Gleichzeitig geht’s im Keller weiter. Dort lagern etliche Weine, die noch ausreifen müssen. Andere Flaschen wiederum sind schon reif für den Verkauf und warten darauf, etikettiert zu werden.

Mit gemütlichsympathischem französischen Akzent erzählt Philippe Greiner von seiner Arbeit auf den Hügeln in Riquewihr, mitten im Elsass. Weinberge- und Weinlauben gibt es dort zuhauf. Und einmal im Jahr, im März, verwandeln Greiner und seine Kollegen auch die Festhalle im fernen Merklingen zu einer elsässischen Weinlaube und kredenzen flüssige Köstlichkeiten aus Riquewihr.

Philippe Greiner ist einer von denen, die den guten Tropfen ausschenken – und vorher dafür gesorgt haben, dass er in die Flasche kommt. „Guter Wein kommt von einer gesunden Rebe, die sich im Gleichgewicht befindet“, erklärt er. Die Greiners setzen auf ihrem Weingut auf ökologischen Anbau, auf alte Reben und auf mäßigen Ertrag. „Nicht allzu viel Ertrag ist Voraussetzung dafür, dass die Trauben mehr Mineralität haben“, erklärt der Winzer. Qualität statt Quantität ist hier das Credo. Schließlich ist Wein nicht gleich Wein. Alle Einzelkomponenten müssen gut zusammenpassen. Jeder Griff muss also sitzen, jedes Detail hat seine Wirkung, erzählt Greiner begeistert.

1988 übernimmt Philippe Greinerdas das Weingut seiner Eltern

Diese Begeisterung kommt nicht von ungefähr. Schon 1988 übernahm er das Weingut seiner Eltern – damals noch unter der Ägide einer Winzergenossenschaft. Dieser waren in den 50er Jahren viele Winzer beigetreten, um sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. So auch sein Vater. Ein Grund dafür: nach dem Krieg gab es haufenweise Arbeit um das Winzern drumherum. Viel Zeit musste in den Wiederaufbau investiert werden.

2005 entschied er sich dann, auf so manche Hilfe der Genossenschaft zu verzichten und vieles auf seinem Weingut wieder selbst zu machen. Eine große Stütze und Hilfe war ihm dabei seine Frau Laurence. Sie gab ihren damaligen Job in einem Büro auf. Laurence Greiner orientierte sich neu und besuchte Umschulungen zum Thema Landwirtschaft, um sich gemeinsam mit ihrem Mann auf das Winzern zu stürzen. Die zwei ältesten Söhne helfen auch mit. Insgesamt bewirtschaften fünf Mitarbeiter, vorwiegend aus der Familie, zehn Hektar Reben. „Jeder macht alles, und trotzdem hat jeder seine eigenen Spezialitäten, was das Arbeiten angeht“ sagt Philippe Greiner. „Trotz der nie endenden Arbeit, kommt man viel herum. Meine Frau war mit unseren Söhnen erst kürzlich zum Weinverkauf in der Bretagne.“ Manchmal verschlägt es die Greiners auch nach Belgien oder Biarritz. Oder eben nach Weil der Stadt zu den Riquewihrer Weintagen.

Wiedersehen mit Freunden

Was bedeutet diese Veranstaltung für die Greiners? Ein fest eingeplanter Festtag, ein Frühlings-Rendezvous sei das für ihn, sagt Philippe Greiner: „Seit mehr als zehn Jahren ist dieses Event ein fester Termin in unserem Kalender.“ Als ein Winzerkollege in Rente ging, löste er ihn ab und kommt seitdem zu dem deutsch-französischen Genussspektakel. „Wir kommen sehr gern und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Kunden und Freunden“, berichtet er. „Es ist immer wieder schön zu sehen, dass Menschen aus der ganzen Region kommen und wir so treue Kunden haben.“

Die Winzerfamilie lebt die Partnerschaft bei beiden Städten, Weil der Stadt und Riquewihr. Nebenbei staunen sie über die prosperierende Industrieregion. „Bei uns in Riquewihr gibt es das nicht in diesem Ausmaß“, sagt Greiner. „Der Tourismus und der Weinbau sind unser Standbein.“ Ein Standbein aber, das ihn und seine Frau glücklich macht.

Riquewihrer Weintage:

Sechs Weingüter aus Riquewihr präsentieren am Samstag, 16. März und am Sonntag, 17. März, ihre Produkte wie Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer und Crémant. Die Riquewihrer Weintage in der Festhalle Merklingen (Untere Talstraße 64) sind am Samstag von 14 bis 24 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr offen. Am Samstag um 19 Uhr eröffnet Weil der Stadts Bürgermeister Thilo Schreiber die Weintage.

Artikel bewerten
2
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen