Weil der Stadt Reparieren, upcyceln und genießen

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40 ehrenamtliche Helfer und 50 bis 60 „Kunden“ gibt es mittlerweile beim Repair Café in Merklingen. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Über Tische voller Kabel, Drähte und Werkzeug gebeugt beraten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Merklinger Repair Cafés über Vor­gehensweisen bei verschiedensten Gegenständen. Seite an Seite werden defekte Wecker, beschädigte Stehlampen und Handys mit kaputten Displays auseinander gebaut, repariert und anschließend wieder zusammengesetzt, während die Kunden gemütlich bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen mit anderen ­Besuchern ins Gespräch kommen, neue Kontakte knüpfen und so die Wartezeit überbrücken können.

Das Umweltteam der evangelischen Kirchengemeinde Merklingen bietet jeden ersten Samstag im Monat kostenlose Unterstützung bei der Reparatur defekter Geräte und der Beschaffung von Ersatz­teilen an. Unter dem Motto „Wegwerfen war gestern – Wir reparieren, upcyceln und genießen“ können Haushaltsgegenstände, elektrische und elektronische ­Geräte sowie Spielsachen und Fahrräder wieder instand gesetzt werden.

Beim Reparieren zusehen oder Kaffee trinken?

Bernhard Drollinger, Leiter des Repair Cafés Weil der Stadt-Merklingen, ist selbst im Umweltteam aktiv und hat zusammen mit Andreas Schwarz das örtliche Repair Café initiiert. Bereits seit der Eröffnung im Frühjahr 2016 ist das Café im Merklinger Remigiushaus ein voller Erfolg. „Es ist eine klasse Atmosphäre hier“, erzählt ­Hermes Kauter, der das Café wegen einer technischen Abänderung an einem Rollstuhl besucht: „Und wenn man warten muss, kann man Kaffee und Kuchen essen und kommt so mit Leuten ins Gespräch.“

Trotzdem entscheiden sich viele Besucher lieber dafür, bei der Reparatur ihrer defekten Gegenstände zuzuschauen. So auch Hermes Kauter. Grund dafür: „Die Leute hier lassen sich auf einen ein und man lernt selber etwas“, erzählt der Kunde und fügt zufrieden hinzu: „ Ich kann das jetzt auch selber reparieren, wenn es wieder kaputtgehen sollte.“

40 Helfer bei 50 bis 60 „Kunden“

Mittlerweile packen über 40 ehrenamtliche Mitarbeiter regelmäßig im Merk­linger Repair Café mit an, davon etwa 25 Helfer pro Öffnungstag. Das ist notwendig, um dem großen Besucherandrang ­gerecht zu werden. „Wir haben pro Öffnungstag ungefähr 50 bis 60 Besucher“, berichtet Bernhard Drollinger zufrieden. Finanziert wird das Café ausschließlich durch Spendengelder. „Das reicht auch gut aus, um die laufenden Kosten zu ­decken“, erzählt der Leiter.

Doch warum wird das Repair Café so gut angenommen? Das Konzept des Projektes verbindet sowohl soziales, als auch nachhaltiges Handeln. „Durch unser Angebot entlasten wir die Umwelt, wir vermeiden unnötigen Müll und vermindern den Schadstoffausstoß“, erklärt Bernhard Drollinger. In der heutigen Zeit sei ein umweltschonendes Verhalten wichtiger denn je. Eine Reparatur anstelle einer Neuanschaffung spare Ressourcen und trage zum Umweltschutz bei.

Die Welt ein bisschen verändern

„Auch wenn es global gesehen nur ein kleiner Beitrag, eben nur ein Zeichen ist“, wie Bernhard Drollinger erklärt, zeigen die über 2000 Repair Cafés in mehr als 30 Ländern der Erde beispielhaft, wie man im Alltag nachhaltiger leben kann: „Vielleicht können wir die Welt nicht retten, aber wir können die Welt verändern!“

Doch auch der soziale Aspekt spielt für Bernhard Drollinger eine große Rolle. Durch gemeinsame Arbeit der ehrenamtlichen Helfer wird versucht, für jedes Problem eine schnelle und effiziente ­Lösung zu finden. „Das ist das Schöne am Repair Café, dass man sich gegenseitig hilft, ganz ohne Konkurrenzdenken“, ­berichtet Michael Jacobsen, der selbst ­tatkräftig bei der Reparatur von Unter­haltungselektronik mithilft. Für ihn ist der Teamgeist charakteristisch für das Projekt. Auch gut erhaltene Koffernäh­maschinen und Fahrräder werden gesammelt, die vom Repair Café an bedürftige und geflüchtete Personen vermittelt werden.

Geben und Nehmen

Eine Bereicherung für alle Beteiligten – nicht zuletzt, weil einige der Personen, die in der Vergangenheit auf das Angebot des Repair Cafés zurückgekommen sind, dort inzwischen selbst ehrenamtlich aktiv sind. „Viele Flüchtlinge helfen mittlerweile selbst mit. Ich finde es toll, dass es ein Geben und Nehmen ist“, erzählt Hermes Kauter. „Es ist erstklassig, dass es so etwas gibt. “

Repair Café Merklingen:
An jedem ersten Samstag im Monat von 10 bis 14 Uhr im ­Remigiushaus. Pausen sind im Januar, August und September. Weitere Infos gibt es unter der Nummer 0 70 33 / 53 49 28 oder per Mail an umweltteam.merklingen@gmail.com.

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