Weil der Stadt Neuer Verein soll sich um Weihnachtsmarkt kümmern

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Der Weihnachtsmarkt – hier 2013 – war immer ein Besuchermagnet und ein Treffpunkt für alle. Foto: /Andreas Weise

Weil der Stadt - Man ist in Winterstarre, sagt Marion Beck, die Weil der Städter Citymanagerin. Das gilt auch für den Weihnachtsmarkt. Der fällt in diesem Jahr aus, diese Entscheidung hat die Stadtverwaltung jetzt gefällt. „Wir haben lange überlegt und gezögert“, sagt der Beigeordnete Jürgen Katz. Natürlich habe man auch einen Plan erwogen, wie ihn Leonberg anstrebt. Also einzelne Weihnachtsstände, über das Stadtgebiet verteilt, an denen sich höchstens 20 Personen aufhalten.

„Wir haben aber die Sorge, dass das nicht jenen Charakter annimmt, den wir uns von einem Weihnachtsmarkt wünschen“, sagt Katz. Er meint vor allem die Sicherstellung der Vorgaben mit Ordnungskräften. „Was machen wir, wenn an einem Stand plötzlich 50 Menschen auftauchen?“, fragt sich der Beigeordnete, der auch für das Ordnungsamt der Stadt zuständig ist. Dann müsse man durchgreifen – und so etwas sei mit Weihnachtsstimmung nicht zu vereinbaren.

Auch in Merklingen findet nichts statt

Aus diesem Grund habe man auch eine zweite Überlegung verworfen, nämlich ein Weihnachtsdorf im eng abgegrenzten Bereich der Merklinger Kirchenburg, in den nur eine limitierte Personenzahl eingelassen würde. Auch hier hat Katz die Sorge, dass sich die Leute eventuell weigern könnten, zu gehen, wenn ihr Zeitticket abgelaufen ist. Und überhaupt: Hinschlendern, Leute treffen, spontan sein – das mache einen Weihnachtsmarkt aus, sagt auch Citymanagerin Marion Beck. „Wir können diese Stimmung gar nicht liefern.“

Deshalb – und das ist das Trostpflaster – richtet sich der Fokus schon jetzt auf das Jahr 2021. Marion Beck und Jürgen Katz sprechen von einem „Neustart“, auf den sich die Weil der Städter schon jetzt freuen könnten. Damit könnte die unendliche Geschichte des Weil der Städter Weihnachtsmarkts nach einigen schwierigen Kapiteln doch noch eine positive Wendung nehmen.

Ein kleiner Blick zurück. Seit 2011 hatte sich ein Team um die beiden Hauptorganisatoren Steffen Rüger und Jens Koch um den Markt gekümmert und ein komplett neues Konzept mit Mittelaltermarkt, Kinder-Wichtelwald, den Holzhütten und weiteren Besonderheiten entwickelt – ein Besuchermagnet mit Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus.

2017 hatten Rüger und Koch dieses ehrenamtliche Mega-Projekt zum letzten Mal gestemmt, dann wollten sie die Verantwortung an ein neues Team weitergeben. Die aber sagten dann im Juli 2018 ab, aus „beruflichen Gründen“, wie es hieß. Was dann folgte, ist im Städtle seitdem legendär. Ein Ersatz-Weihnachtsmarkt namens „Winterzauber“, als Idee erst am Elften Elften geboren und nur einen Monat später schon umgesetzt. Mehrere Vereine, unter anderem die Narrenzunft, bauten mehrere weihnachtliche Hotspots auf, um auch im Jahr 2018 auf Glühwein, Heiße Schlehe, Waffeln und Wurst nicht ganz verzichten zu müssen.

Weihnachtsmarkt-Verein will den Markt retten

2019 übernahm dann ein Profi-Veranstalter, Til Maehr aus Esslingen, für den sich der Gemeinderat einstimmig entschieden hatte. Das war ohne Alternative, da sich keine Ehrenamtlichen mehr gefunden hatten. Allerdings auch ohne Erfolg, als Reinfall sollte diese Kepler-Weihnachtsmarkt-Version von 2019 in die Geschichte eingehen. Zu viel Krämermarkt, zu wenig Stimmung, die Preise zu teuer für einheimische Vereine und Schulen – und zu viel Luft nach oben.

Der Beigeordnete Jürgen Katz hat deshalb eine frohe Nachricht. „Wir wollen einen Weihnachtsmarkt-Förderverein gründen“, sagt er. Der professionelle Veranstalter sei vom Tisch. Daraufhin hätten sich Stimmen bei ihm gemeldet, berichtet Katz, die den Weihnachtsmarkt retten wollen – und die bereit seien, sich zu engagieren. Darunter seien bekannte Gesichter aus der Narrenzunft und anderen Vereinen. Auch die Stadtverwaltung wolle sich wieder mehr reinhängen, kündigt der Beigeordnete an. „Die ehrenamtliche Struktur hat den Markt aber ausgemacht“, sagt er, „und das soll auch so bleiben.“

Dieses Jahr wird es damit zwar nichts, aber mit voller Kraft wolle man sich auf 2021 stürzen. Mit an Bord bleibt dann auch der Wildberger Dieter Wurster mit seinem Mittelaltermarkt auf dem Carlo-Schmid-Platz. Seit sieben Jahren organisiert er diesen bereits, und er kommt immer noch gern hierher. „Weil der Stadt hat auf jeden Fall einen Weihnachtsmarkt verdient“, findet der 59-Jährige.

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