Weil der Stadt Mit Tunnel geht es vier Minuten schneller

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Das Gebäude der früheren Poststation Schafhausen steht noch. Foto: factum/

Weil der Stadt - Hans Porst kämpft sich durchs Gestrüpp. Plötzlich steht das riesige Gebäude vor ihm – das herrschaftliche Empfangsgebäude des Bahnhofs Schafhausen. Bei Porst, aufgewachsen und immer noch wohnhaft in dem Weil der Städter Stadtteil, werden die Erinnerungen wach. „Hier bin ich immer eingestiegen“, sagt der 82-Jährige. Anfang der 60er Jahre hatte er in Stuttgart Architektur studiert. Und nach Stuttgart kam er mit den Dampfloks der Schwarzwaldbahn.

Die historischen Schienen sind immer noch zu sehen. Von Weil der Stadt kommend führt die Route durchs Steckental, einmal um den Hacksberg herum, vorbei an Grafenau-Dätzingen und weiter Richtung Calw. Doch wenn in frühestens drei Jahren die Hermann-Hesse-Bahn den Nordschwarzwald mit der Region Stuttgart verbindet, dann ist diese historische Route endgültig Geschichte. Quer durch den Hacksberg will der Zweckverband Hesse-Bahn einen großen Tunnel graben. Die Orte Schafhausen und Grafenau wären dann abgehängt.

Eine „Schnapsidee“

„Das ist doch eine Schnapsidee“, findet Hans Porst, der sich dafür einsetzt, dass doch noch umgeplant wird. Briefe an den Weil der Städter Bürgermeister und die Landräte hat er schon viele geschrieben. Bislang stehen aber die Pläne – und die sehen den Tunnel vor, dessen Bau jederzeit beginnen könnte, nachdem sich Calw vor Kurzem mit dem Nabu geeinigt hat.

Albert Riehm und Hans Porst diskutieren vor dem großen, historischen Empfangsgebäude. Foto: factum/Bach
Elf bis zwölf Millionen Euro wird der Tunnel kosten, heißt es aus dem Calwer Landratsamt. Es klingt ein wenig absurd, dass das wirtschaftlicher sein soll als die Reaktivierung einer bestehenden Strecke. Allerdings: in die Sanierung der Hacks-berg-Schleife müsste man ebenfalls rund acht bis neun Millionen Euro investieren, rechnet Anja Härtel, die Pressesprecherin des Calwer Landratsamts, vor. Denn die Schleife müsste man zum Teil zweigleisig ausbauen. Hinzu kommt: 23 Minuten braucht die Hesse-Bahn von Calw nach Renningen. Der Zug hat also sieben Minuten, um jeweils umzudrehen und wieder zurückzufahren – und so im Halbstunden-takt zu bleiben. Vier Minuten bräuchte die Hesse-Bahn nun zusätzlich, wenn sie die Hacksberg-Schleife ausfahren wollte. Eventuelle Stopps an den Bahnhöfen Schafhausen und Grafenau noch gar nicht mit eingerechnet. Calw bräuchte also zusätzliche Fahrzeuge, da es ein Zug nicht innerhalb einer halben Stunde hin- und herschafft. „Daraus ergeben sich weitere Investitions- und Betriebskosten“, erklärt Härtel.

Vieles ist noch ungeklärt

Hans Porst sieht das naturgemäß anders. Denn das derzeitige Calwer Betriebskonzept fußt auf der Annahme, dass die Hesse-Bahn bis nach Renningen fährt – was derzeit hoch umstritten und „noch keineswegs endgültig geklärt ist“, wie erst jüngst zum Beispiel der Böblinger Landrat Roland Bernhard gesagt hatte. „Wenn die Bahn nur bis Weil der Stadt fährt, hätte sie genügend Zeit, auf der Hacksberg-Schleife zu fahren“, sagt Porst. Immerhin 10 000 Menschen in Schafhausen und Grafenau kämen dann zusätzlich in den Genuss eines Bahnverkehrs. „Dieses Fahrgastpotenzial ist aber gering“, sagt wiederum die Calwer Pressesprecherin. Denn sowohl der Halt in Schafhausen und der Halt in Grafenau-Dätzingen wären „fernab der Ortskerne und sind topografisch nur beschwerlich zu erreichen“.

Das kann man so oder so sehen. Der historische Bahnhof von Schafhausen liegt in der Tat außerhalb des Orts. „Dafür gibt es hier viele Parkplätze“, sagt Hans Porst, der im Gemeinderat saß, als Schafhausen noch selbstständig war. „Und wenn Sie am Rand von Weil der Stadt wohnen, müssen Sie auch ein Stück laufen, bis Sie am Bahnhof sind.“

Einer hätte übrigens nichts dagegen, wenn er wieder Schienenverkehr als Nachbarschaft bekäme. Albert Riehm ist ebenfalls in Schafhausen aufgewachsen. 1971 hatte er das Empfangsgebäude gekauft, noch heute lebt er darin. „Auf den Dielen meines Parkettbodens klebt heute noch Etikett mit der Aufschrift Express-Poststation Schafhausen“, sagt er. Das Gebäude der Station steht ebenfalls noch, gleich nebenan. „Die Wiederbelebung dieser Strecke fände ich absolut sinnvoll.“

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