Weil der Stadt Könnte die Hessebahn nur bis Weil fahren?

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Die letzte Bahn von Calw nach Weil der Stadt Foto: LKZ-Archiv

Weil der Stadt - Es war ein überraschender Vorstoß kurz vor der Sommerpause: Der Landrat Roland Bernhard hat vorgeschlagen, die eigentlich zwischen Calw und Renningen geplante Hermann-Hesse-Bahn nur bis Weil der Stadt fahren zu lassen. „Dann wäre sie beim VVS auch besser durchsetzbar“, so seine Aussage damals. In Weil der Stadt findet der Kreischef damit viel Beifall, sein Calwer Amtskollege Helmut Riegger (CDU) lehnt diese Variante ab. Bernhard sagt nun: „Mir geht es darum, dass die Bahn nach Calw kommt, dafür möchten wir gemeinsam kämpfen.“

Aus zwei Gründen hat der Kreischef diesen Vorschlag gemacht: Einmal liegt ihm die Sorge der Weil der Städter am Herzen, die auch der Bürgermeister Thilo Schreiber artikuliert: „Wenn zwischen Weil und Renningen zwei Züge fahren, kommt man schnell auf die Idee, einen zu streichen.“ Das wäre dann die S 6, und die alte Reichsstadt hätte keine Direktverbindung mehr nach Stuttgart.

Beim Regionalverband will man dies zwar so nicht bestätigen, doch der Technische Direktor Thomas Kiwitt sagt: „Man muss schon wirtschaftlich denken, zwei parallele Strecken sind nicht sinnvoll.“ Andererseits werde man kaum eine attraktive Verbindung per S-Bahn direkt nach Stuttgart so einfach aufgeben.

Landrat Roland Bernhard kämpft für die Bahn

Der zweite Grund für Bernhards Vorstoß war, die Debatte neu anzufachen. „Manche Kritiker verbannen die Hermann-Hesse-Bahn ins Reich der Fabeln", sagt er, „ich will das nicht.“ Er wolle mit seinem Calwer Kollegen dafür sorgen, dass es Förderung von Bund und Land gebe – dafür müsse das Projekt wirtschaftlich sein. „Es ist strategisch wichtig, die beiden Raumschaften zu verbinden“, sagt er.

In Calw lehnt man die Idee vehement ab, die neue Schienenverbindung nicht bis Renningen zu planen. „Dann würden wir viele Bahnkunden verlieren, die zwei Mal umsteigen müssen, um nach Böblingen zu kommen“, erklärt Thiemo Stock, der Sprecher des Landrates. Dadurch werde die Bahn unwirtschaftlicher, gerade die direkte Verbindung nach Renningen sei attraktiv. Ohne diese sei man weit entfernt davon, den notwendigen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,0 zu erreichen – der für eine Landesförderung nötig ist. Ab einem Wert von 1,0 überschreitet der Nutzen die Kosten.

Bis zu 2800 Fahrgäste erhofft man sich auf der Trasse der ehemaligen Schwarzwaldbahn eines Tages – für die S 60 rechnet man mit 570 zusätzlichen Gästen. Die spannende Frage ist: Wie wirtschaftlich ist die Strecke nun tatsächlich? Wird der kritische Wert 1,0 erreicht? „Wir warten noch auf die Bewertung des Verkehrsministeriums in Berlin“, sagt Thiemo Stock, „wir haben schon viel früher damit gerechnet.“ Doch das Ministerium verlange immer wieder neue Berechnungen.

Mancher vermutet indes, dass es in Calw bereits Zahlen gebe, die aber nicht besonders positiv seien. „Offenbar liegt die Bewertung vor“, sagt Thomas Kiwitt vom Regionalverband, „aber noch nicht bei uns.“ Ich weite Ferne rückt indes die ebenfalls diskutierte Schienenverbindung von Herrenberg nach Nagold. „S-Bahn-Verbindungen außerhalb der Region sind sehr schwierig“, erklärt Thomas Kiwitt. Auch der Herrenberger Oberbürgermeister Thomas Sprißler sagt: „Eine S-Bahn über Eutingen zu leiten, ist ein großer Umweg.“ Das wären 30 statt zwölf Kilometer, kaum attraktiv. Und direkt laufende Gleise gebe es nun mal nicht. Sprißler bringt als Alternative ins Spiel, Schnellbusse einzusetzen: „Das wäre für viele Pendler sicher interessant.“

Kaum Chancen für Bahn nach Nagold

So sieht es auch der Landrat Roland Bernhard: „Die Busverbindungen zu optimieren, wäre ein guter Weg.“ Er kann sich sogar zusätzliche Busspuren vorstellen zwischen Herrenberg und Nagold. Priorität habe für ihn aber die Bahn nach Calw.

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