Weil der Stadt Ein Stüble voller Geschichte(n)

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Spalier im hübschen Stüble: Die Nachtwächter Gerd Diebold (l.) und Manfred Nittel (r.) mit dem Türmer Willi Bothner und Schultes Thilo Schreiber. Foto: Stadtverwaltung

Weil der Stadt - Hübsch ist sie, die ehemalige freie Reichsstadt. Und reich an Historie und Tradition obendrein. Und damit ist nicht nur die berühmt-berüchtigte Weiler Fasnet gemeint, mit der das Kep­lerstädtchen längst weit über die Region hinaus von sich Reden gemacht hat. Nein, auch die Nachtwächter und der Türmer sind Teil der bekannten Weiler Tradition.

Und dass die ja nicht in Vergessenheit gerät, dafür sind im Hier und Jetzt die beiden Nachtwächter Gerd Diebold und Manfred Nittel sowie der Türmer Willi Bothner zuständig. In traditionellen Gewändern führen sie ihr Publikum hoch auf den Turm der mächtigen Kirche St. Peter und Paul und ziehen nächtens durch die dunklen Gassen der Altstadt. Doch manchmal brauchen auch diese Traditionalisten ein Päuschen und ein bisschen Ruhe – und die finden die drei jetzt in ihrem Stüble in der alten Polizeiwache im Erdgeschoss des Weiler Rathauses.

Erst Marktwaage, dann Polizeiwache

Dort befanden sich einst Teile einer „Brückenwaage“, mit der Kartoffeln, Getreide und Tiere, etwa Schweine, gewogen wurden. Die Folge: der Arkadenbereich des Rathauses war immer verschmutzt. Schließlich fiel im Jahr 1938 der Beschluss, dort zwei Arrestzellen und einen Raum für die Polizeiwache sowie für die „Nachtwache“ einzuräumen. So geschehen am 10. März 1939. Die Polizei blieb bis 1957 in diesem Kämmerchen, dann bezog sie zwei Räume im Rathausanbau Marktplatz 6. Das frei gewordene „Polizeistüble“ diente fortan nur noch als Lagerraum. Bis der Weiler Schultes Thilo Schreiber es schließlich den Herren Diebold, Nittel und Bothner überließ.

Zusammen mit der Malerabteilung der Stadt haben die drei kräftig angepackt und sich ihr ganz persönliches Stüble eingerichtet. Unzählige Bilder und Utensilien an den Wänden und auf Regalbrettern, Musikinstrumente, Hellebarden und Gewänder zeugen von der interessanten Stadthistorie. Manfred Nittel ist begeistert: „Hier können wir unsere Gäste begrüßen und der Türmer hat’s auch nicht weit zu seinem Turm.“ Denn vom Rathaus am Marktplatz zur St.-Peter-und-Paul-Kirche ist es nur ein Katzensprung.

Die Nachtwächter ziehen um

Die Nachtwächter sind froh, dass sie endlich wieder einen Ort haben, an dem sie ihre Sachen aufbewahren und ausstellen können. Die beiden hatten schon lange ein Auge auf die alte Polizeiwache geworfen. Doch weil die Stadtverwaltung den Platz brauchte, ließ der frühere Bürgermeister Hans-Josef Straub sie im Storchenturm residieren. Doch irgendwann habe es Ärger mit der Bürgergarde gegeben, die auch in dem Turm zugange war, erzählt Nittel. Und so zogen er und sein Kompagnon Gerd Diebold mit Sack und Pack aus. Und vor Kurzem ins Stüble ein.

Das haben sie jetzt zusammen mit dem Rathauschef Thilo Schreiber, dem Hauptamtsleiter Jürgen Brändle und der Tourismus-Beauftragten Michaela Leven ganz offiziell eröffnet. Der Schultes weiß diese ganz besondere Tradition sehr zu schätzen: „Jede Stadt mit solchen Figuren kann stolz sein und sich glücklich schätzen.“

Stüble:
Bei Führungen und Rundgängen – unter anderem beim Tag des offenen Denkmals am 11. September – gibt es die Möglichkeit, einen Blick in die alte Polizeiwache zu werfen und Weiler Traditionsluft zu schnuppern.

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