Weil der Stadt/Calw Die Hesse-Bahn soll Ende 2018 rollen

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Wie die Hermann-Hesse-Bahn mal aussehen wird, steht noch nicht fest. Aber dass sie kommen wird, da sind sich mittlerweile alle sicher. Foto: -Montage: dpa/StZ/StN

Weil der Stadt/Calw - Nach Jahren des Streits stehen bei der Hermann-Hesse-Bahn die Signale auf Grün. Wie berichtet, hat jetzt das Regierungspräsidium Karlsruhe dem Projekt zugestimmt. Die badische Behörde ist zuständig, da der federführende Kreis Calw zu ihrem Bezirk gehört. Wir geben Antworten auf wichtige Fragen rund um das 50 Millionen Euro teure Vorhaben.

Was ist die Hermann-Hesse-Bahn?

Sie ist ein Teilstück der Württembergischen Schwarzwaldbahn, die von Stuttgart bis Calw gebaut und 1872 fertiggestellt wurde. 1983 fuhr der letzte Personenzug zwischen Weil der Stadt und Calw. 1989 hat der Kreis Calw die Bahnstrecke gekauft, seitdem arbeitet er an einer Reaktivierung der 22,8 Kilometer langen einspurigen Strecke, um den nördlichen Schwarzwald an das große Schienennetz anzubinden.

Was ist geplant?

Der Landkreis Calw will zwischen Weil der Stadt und Renningen zunächst einen mit Diesel betriebenen Regionalzug fahren lassen, der hier zwischen 5 und 20 Uhr im Halbstundentakt unterwegs ist, nach 20 Uhr und am Wochenende im Stundentakt. Die Fahrt zwischen Calw und Renningen soll 23 Minuten dauern.

Warum fährt die Bahn bis Renningen?

Das hat ein Verfahren ergeben (die sogenannte „Standardisierte Bewertung“), mit dem alle Schienenprojekte in Deutschland auf ihrer Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Ergebnis dieser Bewertung, die ein Karlsruher Ingenieurbüro für den Landkreis Calw durchgeführt hat: Nur ein Betrieb bis Renningen ist wirtschaftlich. Nur für solche Projekte gibt’s Geld vom Land.

Was waren die Probleme?

Zwei Bedingungen musste der Kreis Calw erfüllen, um bauen zu können: Zum einen die Wirtschaftlichkeit, zum anderen die Genehmigung des Hacksberg-Tunnels zwischen Weil der Stadt und Ostelsheim.

Wie ist der aktuelle Stand?

Die Wirtschaftlichkeit hat die „Standardisierte Bewertung“ bereits nachgewiesen (s.o.). Und den Tunnel hat das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt (wir berichteten). „Damit sind die planerischen Meilensteine geschafft“, freut sich Michael Stierle, der Abteilungsleiter für Nahverkehr im Calwer Landratsamt.

Wie geht’s jetzt weiter?

„Unsere Köpfe rauchen immer noch“, sagt Michael Stierle. Denn jetzt müssen seine Mitarbeiter die Genehmigungen für viele kleinere Bauabschnitte einholen. Etwa für die Bereiche Heumaden und Althengstett, oder den neuen Haltepunkt im Renninger Bahnhof. „Wir sind bei den letzten Vorbereitungen, bevor wir diese Unterlagen abgeben“, berichtet Michael Stierle.

Wann rollen die Züge?

„Unser Ziel ist die Eröffnung im Dezember 2018“, sagt der Amtsleiter Stierle. Und da ist er auch optimistisch, dass das klappt.

Wer wird die Züge betreiben?

Das steht noch nicht fest, Michael Stierle ist aber zuversichtlich, dass sich da ein Bahnunternehmen finden lässt. Die Infrastruktur auf der Strecke wird ein Zweckverband unterhalten, den der Kreis Calw zusammen mit Althengstett und Ostelsheim gründen wird. Aber auch der Landkreis Böblingen ist „herzlich eingeladen, sich daran zu beteiligen“, sagt Stierle. Es gebe da bereits Gespräche, deutet er an.

Was kostet das Ganze?

50 Millionen Euro erwartet das Landratsamt Calw. „Wir sind voll im kalkulierten Rahmen“, sagt Stierle. Das Land fördert das Projekt mit bis zu 60 Prozent. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat immer wieder betont, dass er zur Hesse-Bahn steht und sich für eine schnelle Inbetriebnahme stark gemacht.

Zahlen der Kreis Calw und das Land?

Nein, zum Beispiel ist auch die Stadt Weil der Stadt beteiligt. Sie muss für 2,3 Millionen Euro eine Brücke über die Südumfahrung bauen. Als Weil der Stadt die Südumfahrung gebaut hatte, hat sich die Stadt vertraglich daran gebunden. Der Landkreis Böblingen ist finanziell nicht beteiligt.

Gibt es Streit?

Ja, es gab und gibt immer wieder Streit zwischen den Kreisen Calw und Böblingen. Vor allem Weil der Stadt und Renningen befürchten, dass die Hesse-Bahn das S-Bahn-Netz stören könnte, wenn deren Dieselzüge ab 2018 zwischen Weil der Stadt und Renningen die S-Bahn-Schienen nutzen. Die Problemstelle ist der Abschnitt zwischen Weil und Malmsheim, der eingleisig ist. Auf dem sind schon jetzt acht S-Bahnen pro Stunde im Berufsverkehr unterwegs. „Es gibt immer noch keinen Stress-Test“, mahnt der Weil der Städter Bürgermeister Thilo Schreiber.

Was haben Renningen und Weil vor?

Im Moment läuft eine Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim: Weil der Stadt klagt gegen die geplante Brücke über die Südumfahrung. Das ist möglich, weil die Genehmigung dafür schon länger vorliegt. „Wenn wir jetzt den Bescheid über den Hacksberg-Tunnel vorliegen haben, prüfen wir, ob wir auch dagegen klagen“, kündigt Thilo Schreiber an. Er kritisiert, dass es keinen Lärmschutz gibt, ein Brandschutz-Konzept fehlt, und dass die Bahn mitten durchs Landschaftsschutzgebiet Steckental führt. „Unser Hauptkritikpunkt aber ist, dass der Kreis so stückweise vorgeht und kein einheitliches Genehmigungsverfahren der Strecke zwischen Calw und Renningen durchführt“, sagt Schreiber.

Warum gibt es kein Einheitsverfahren?

„Im Prinzip sanieren wir die Strecke ja nur“, erklärt Michael Stierle vom Calwer Landratsamt. „Eine Sanierung ist völlig genehmigungsfrei.“ Nur dort, wo größere Änderungen geplant sind, brauche man Genehmigungen, also etwa beim Hacksberg-Tunnel oder im Bahnhof Renningen.

Wie geht’s den Fledermäusen?

Seit September 2015 läuft eine Untersuchung zu den Fledermaus-Beständen in den Tunnels. Diese Untersuchung ist auf ein Jahr angelegt. „Erste Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass die Zahl von 7000 Fledermäusen deutlich überbewertet ist“, sagt Stierle. „Im Herbst überlegen wir dann, was für Ausgleichsmaßnahmen geeignet sind.“

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