Weihnachtsmarkt in Leonberg Aus Glas schmeckt der Glühwein besser

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Ein Prosit auf den Nikolausmarkt! Auf dem Leonberger Marktplatz haben Pappbecher ausgedient. Der Glühwein nun in Porzellantassen ausgeschenkt. Vor der pittoresken Altstadtkulisse schmeckt es da gleich viel besser. Foto:  

Leonberg - Das Herz des Leonberger Nikolausmarktes steht auf dem Hof hinter dem Alten Rathaus. In einer Art Lieferwagen mit Berliner Kennzeichen sind zwei große Geschirrspülmaschinen verborgen, eine dritte steht daneben. Die Stadt hat sie extra gemietet. Ein fleißiges Team schiebt permanent Plastikpaletten mit Tassen in die Geschirrspüler. Nach zwei Minuten kommen sie sauber heraus.

Das klingt nicht nur schnell, sondern ist es auch. Dennoch müssen die Leute von den Ständen zumindest am Abend länger warten, wenn sie ihr Geschirr zum Spülen bringen. Die Altstadt ist voll, es ist kalt, der Glühwein fließt in Strömen. Entsprechend groß ist der Tassenverbrauch.

Lange Wartezeiten

„Am Nachmittag war es okay, aber am Abend war die Wartezeit sehr lang“, meint Ralph Kaisser vom Verein der Leonberger Hunde. Er hat seinen Glühwein eigens nachgewürzt. Nicht nur wegen des guten Geschmacks machen hier viele Station: Die beiden Leonberger, die trotz der Menschenmassen seelenruhig vor dem Stand liegen, sind begehrte Streichelobjekte.

Das Team im Spülmobil hat viel zu tun. Foto: factum
Erstmals seit vielen Jahren hat die Stadt den Plastikbechern und Pappschalen auf dem Weihnachtsmarkt den Garaus gemacht. Getränke gibt es nur in Gläsern oder Tassen. Essen wird auf Tellern oder in Schalen gereicht. Das Pfand beträgt pro Einzelteil drei Euro. Das führt mitunter zu kuriosen Situationen. „So mancher hat geschluckt, wenn er eine Currywurst bestellt und 9,50 Euro bezahlen muss“, berichtet Matthias Krack. Der Pfarrer der Stadtkirche verkauft am Stand des Lions-Clubs Solitude leckeres Essen für den guten Zweck. Die eigentliche Currywurst kostet 3,50 Euro. Doch für Schale und Gabel sind jeweils drei Euro fällig. „Das schafft viel Aufwand und erfordert mehr Personal“, sagt Krack.

Die Gäste allerdings sind zufrieden. „Wir haben gar keine Probleme“, erzählt Ursula Reger, die am Stand des Roten Kreuzes Glühwein und Punsch verkauft. „Durch den wegfallenden Müll und das Geschirr wirkt der ganze Markt einfach wertiger“, lobt der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Murschel.

Wer hat den schönsten Stand?

„Es schmeckt aus Glas viel besser“, findet Klaus Brenner. Der Baubürgermeister ist beim Stand der Freien Wähler, traditionell Treffpunkt für die Kommunalpolitiker. Das Team vom Vorsitzenden Wolfgang Schaal verkauft erstmals auch weißen Glühwein und Eierlikör. Der wiederum ist bei Martin Georg Cohn gefragt. Wobei der Oberbürgermeister sich nicht nur selbst einen genehmigt, sondern auch seinem Team, das die vier schönsten Stände auszeichnet: JKG, ASG, die evangelische Freikirche BMG und die Stadtranderholung überzeugen mit liebevoll gestalteten Hütten.

Apropos Hütten: Die kommen von einer Verleihfirma in Bad Segeberg im hohen Norden. Der Weg ins Ländle ist weit und voller Staus, und das Organisationsteam von Ordnungsamt und Citymanagement hat alle Hände voll zu tun, damit das Weihnachtsdorf rechtzeitig steht.

Extrem gefragt: Der Nikolaus. Foto: factum/Bach
Nur ein Häuschen fehlt. Am Samstagmorgen um 6 Uhr glühen die Drähte zwischen Stadt und DRK. Dann Entwarnung: Die Rotkreuzler bringen ihren eigenen Wagen mit. Als Feuerwehrchef Wolfgang Zimmermann und seine Männer die Stände sicherheitstechnisch prüfen, ist alles in bester Ordnung. Die Besucher wollen gar nicht mehr gehen, als die Stände am Samstag um 22 Uhr und am Sonntag um 20 Uhr schließen. In dieser Traumkulisse mit festlich illuminierten Häusern, vernünftigem Geschirr und ohne Müllberge, die früher das Bild verschandelten, lässt es sich gut verweilen.
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