Wegen Corona Vier Duschplätze für müde Brummifahrer an de A 8

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Werner Bicker vom Verein DocStop mit Steffen Bilger und Winfried Hermann (v.l.) im ersten Sanitärcontainer auf dem Rastplatz Höllberg bei Heimsheim. Foto: factum/Jürgen Bach

Heimsheim - Duschen, Händewaschen, auf die Toilette gehen – was sich so alltäglich anhört, ist für viele Berufskraftfahrer derzeit oft Luxus. Bedingt durch die aktuelle Coronakrise sind auf vielen Park- und Rastanlagen die sanitären Einrichtungen geschlossen.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Verein DocStop die Brancheninitiative #Logistikhilft gestartet. Begleitet von Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wurde dazu am Donnerstag der erste Sanitärcontainer auf dem Autobahnparkplatz Höllberg-Nord an der A 8 bei Heimsheim aufgestellt.

„Wir haben die Rückmeldung von den Lkw-Fahrern erhalten, dass sie oft ihren einfachsten Bedürfnissen nicht gerecht werden können“, sagt Werner Bicker von DocStop. Der Verein hat vor zehn Jahren damit begonnen, ein Netzwerk aus Ärzten und Krankenhäusern zu organisieren, die sich um die medizinische Versorgung von Brummifahrern in Deutschland kümmert. Da nun die hygienische Situation Probleme bereit, hat der Verein innerhalb von nur einer Woche die Initiative für die Sanitärcontainer auf die Beine gestellt.

Ausgestattet mit Schutzmasken posieren Bilger, Hermann und Bicker vor und im Container für die anwesenden Fotografen. Duschen kann da noch niemand, der Container wird erst in den Folgetagen angeschlossen. „Den Lkw-Fahrern geht es derzeit ähnlich wie den Pflegekräften. Die Gesellschaft stellt plötzlich fest, wie wichtig, aber auch wie schwierig dieser Job ist“, sagt Hermann. „Heute, am 16. April, ist der bundesweite Tag der Logistik. Normalerweise treffen sich da junge Menschen, die sich eine berufliche Zukunft in der Logistikbranche vorstellen können“, berichtet Staatssekretär Bilger, dessen Wahlkreis nur etwa einen Kilometer weiter im benachbarten Weissach beginnt.

Doch die Coronakrise habe alles auf den Kopf gestellt. „In Zeiten, in denen wir darauf angewiesen sind, dass alles läuft, sind viele Sanitäranlagen auf Rastplätzen geschlossen. Die Fahrer dürfen in vielen Unternehmen auch nicht mehr die Toiletten oder Duschen nutzen”, sagt der CDU-Politiker. Zumindest habe man eine Vereinbarung mit dem Anbieter Tank & Rast getroffen, der seine Anlagen offen hält. Um die Situation weiter zu entspannen, werde das Bundesverkehrsministerium 20 der Sanitärcontainer finanzieren, die an den deutschen Autobahnen aufgestellt werden sollen. „Das ist für uns ein Modellversuch. Wir werden uns aber darüber hinaus Gedanken machen, was man noch tun kann“, sagt Bilger.

Der Bund hofft auf Spenden

Einen zweiten Container eröffnete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in der Nähe von Berlin. Bis zum Jahresende sollen 148 weitere Sanitäranlagen an Autobahnen, aber auch bei Logistikzentren aufgestellt werden.

Die Container werden gemietet. Für den Unterhalt werden 8000 Euro jährlich pro Einheit fällig. Finanziert werden die restlichen Container über Spenden. „Je schneller wir das Geld zusammen haben, desto schneller können wir weitere aufstellen“, sagt Werner Bicker.

„Es wird gesagt, wir müssen uns öfter die Hände waschen. Aber die Möglichkeiten dafür sind für Lkw-Fahrer derzeit nicht gegeben“, berichtet René Große-Vehne vom gleichnamigen Transportunternehmen aus Kornwestheim. Deshalb habe seine Firma die Idee sofort unterstützt. Er wohnt in Heimsheim und kennt die beiden gegenüberliegenden Rastanlagen Höllberg-Nord und Heckengäu-Süd von seinen Joggingrunden. „Die Situation war auch vorher schon nicht gut“, merkt Große-Vehne an. Genau hier verspricht der Landesverkehrsminister Abhilfe. „Schon vor Corona war mir die Situation ein Dorn im Auge“, sagt Hermann. Deshalb würden die 79 Rastplätze mit WCs im Land jetzt drei Mal täglich gereinigt.

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