Waldpfad in Weil der Stadt Der Keppi-Weg ist eröffnet

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Wolfgang Gabert-Wentsch (l.) und Sonja Nolte (r.) sind zufrieden. Foto: factum/Jürgen Bach

Weil der Stadt - Neuerdings trifft mancher Waldläufer rund um das Wald „Berghof“, beim Merklinger Schützenhaus, auf Kuhglocken und einen Tam-Tam-Gong. Was auf den ersten Blick etwas verwunderlich wirkt, ist jedoch schnell geklärt. Dort gibt es einen Walderlebnispfad, den Bürgermeister Thilo Schreiber jetzt eröffnet hat. Ein „tolles Ausflugsziel für die ganze Familie“ sei der Weg.

Immer mit dabei: das Eichhörnchen Keppi – frei nach Johannes Kepler. Die Keppi-Wegweiser führen die großen und kleinen Besucher auf der ungefähr drei Kilometer langen Wegstrecke durch den Wald und wurden von den Schülern der Steinhöwelschule hergestellt.

Seit vier Jahren schon feilt die Biologin und Stadträtin Sonja Nolte (Grüne) schon an der Idee, inspiriert von den vormals motivationsbedürftigen Waldspaziergängen mit ihren Kindern. Richtig los geht es mit der Planung dann bei der „Zukunftswerkstatt“, einer Aktion, die die Stadtverwaltung im November 2016 organisiert hatte, und bei der Bürger verschiedene Zukunfts-Projekte für Weil der Stadt ausgearbeitet hatten.

Weil der Städter nehmen den Weg gut an

„Klar, es hat ja ewig gedauert bis es fertig war“, sagt Nolte, wirkt dabei aber nicht unzufrieden: „Es ist wie ein kleines Bonbon, dass der Weg so gut von der Bevölkerung angenommen wird.“ Viele Ehrenamtliche und Vereinsmitglieder waren in das ehrgeizige Gemeinschaftsprojekt eingebunden, zum Beispiel die Weil der Städter Pfadfinder: Bei ihrer einer 72-Stunden-Aktion errichteten sie im Mai 2019 die Klangstation.

Allerdings war der Weg lang und ein wenig holperig. Selbst der Tüv hatte einiges zu bemängeln. So musste zum Beispiel beim Spechtbaum die Öffnung der Spechthöhle besonders gesichert werden, damit sich niemand die Finger einklemmen kann. Ebenso wurde der Baumstumpf mit einem spitzen Dach aus Holzstöcken versehen, damit kein Kind auf die Idee kommt, hinaufzuklettern. Dass die Spechthöhle nun raketenähnliche Züge aufweist, ist daher nicht verwunderlich.

Wolfgang Gabert-Wentsch, der ehrenamtliche Bauleiter, weiß noch von weiteren Wermutstropfen zu berichten: „Die Menschen gehen ein wenig grob mit den Dingen um“, sagt er und zeigt auf die Stimmgabeln. Zwei muss er erneut reparieren. Mittlerweile hat er einen Blechlöffel mit einer Kabel angebracht, damit niemand versucht, mit dicken Ästen einen Klang aus den Stimmgabeln hervorzulocken. Von Vandalismus gehen Nolte und Gabert-Wentsch jedoch nicht aus. „Ärgerlich ist es trotzdem, wenn mit riesigen Holzprügeln auf den Gong eingeschlagen wird“, sagt der Bauleiter. Dieser scheppert nun, da sich ein Riss durch den Klangkörper zieht. Sie wünschen sich, dass die Menschen achtsamer mit dem Waldnaturpfad umgehen, damit er noch lange funktionsfähig bleibt und von vielen Besuchern benutzt werden kann.

Sechs Stationen führen über den Weg

Sonja Nolte findet trotzdem, dass die Weil der Städter sich mit dem Weg identifizieren. „Während der Planung hatten wir einen Pool von mindestens 30 Stationen, die wir uns selbst ausgedacht oder an anderen Örtlichkeiten gesehen haben“, berichtet sie Nolte. Für sechs Stationen haben sich die Verantwortlichen entschieden, die jetzt das Wesentliche waldpädagogisch abdecken und gut zueinander passen. Somit kann an jeder Station der Wald mit verschiedenen Sinnen begriffen werden. Beim Tierweitsprung, der von der Nabu-Jugend gebaut wurde, können sich nun junge und alte Waldläufer mit den verschiedenen Waldtieren messen.

Das ist nicht nur informativ, sondern macht auch Spaß. Infotafeln greifen die Themen auf und dienen gleichzeitig als Schlüssel für ein Quiz, das man auf der Stadt-Homepage runterladen kann. Auch eine Aussichtsplattform fehlt nicht. Die Auflage des Tüv war jedoch, diese unter einem Meter zu halten. Die Tiere, die von den Schülern der Würmtalschule gefertigt und anschließend bei strömendem Regen im Wald installiert wurden, können Besuchern trotzdem sehen. „Nur, wenn die Kinder den Wald kennenlernen, sind sie auch bereit ihn zu schützen“, sagt Nolte.

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