Wahlanalyse Leonberg Die Leute wählen vor allem die Routiniers

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Jung und alt sind im Gemeinderat noch nicht gleichmäßig vertreten. Foto: dpa

Leonberg - Als Wolfgang Röckle am Montagabend heimkam, überraschte ihn seine Frau Monika mit Sekt. Sie hatten etwas zu feiern. Die Wähler hievten den Christdemokraten vom Listenplatz 30 auf Platz sechs. Damit gehört er auch dem künftigen Gemeinderat an, obwohl er das gar nicht wollte. Der Rentner und Fahrradexperte bekam stolze 5790 Stimmen.

„Ich hatte mich bewusst soweit hinten platzieren lassen, bloß um unsere Liste vollzubekommen“, erzählt der 68-Jährige. „Denn eigentlich wollte ich jetzt aufhören.“ Der langjährige Stadtrat verhehlt nicht, dass er sich über den erneuten Vertrauensbeweis der Wähler freut. Aber: „Wir haben jede Menge junger Leute, doch es werden immer die Alten gewählt.“

Das ist auch beim Wahlsieger, den Grünen, so. In der künftigen Fraktion gibt es zwar einige neue Gesichter. Doch mit Sybille De Mott und Fabian Strecker sind nur zwei unter 50. Politik-Heimkehrerin Gudrun Sach ist 64, Roland Ziegler 69 Jahre alt. Stimmenkönig Bernd Murschel, der 14 056 Voten verbuchen konnte, ist 62 Jahre alt.

Die Wähler setzen auf erfahrene Räte

Große Chancen, einen wirklich Jungen zu wählen, hatten die Leonberger bei den Grünen kaum. Auf dem schwierigen Listenplatz 16 war Jakub Krawczuk (25), noch weiter hinten auf Platz 22 der 23-jährige Jan Haasis. Jünger als 40 ist mit 37 Jahren nur noch Verena Standke auf Platz 13 gewesen.

Da ist die Konkurrenz schon besser aufgestellt, wenngleich alle auf den vorderen Plätzen auf vertrautes Personal gesetzt haben. Mit 11 333 Stimmen erzielte Axel Röckle, der Fraktionschef der Freien Wähler, das zweitbeste Einzelergebnis. Bei der vergangenen Wahl war der heute 54-Jährige sogar ganz vorne. Ebenfalls fünfstellig sind seine Stellvertreter: Jutta Metz erhielt 10 486 Stimmen. Die 61-Jährige hat damit das beste Ergebnis der Frauen. Wolfgang Schaal (69) hat 10 123 Stimmen.

Mit 9229 Voten hat die Fraktionschefin Elke Staubach (58) das beste CDU-Ergebnis, bei der SPD hat der Fraktionsvorsitzende Ottmar Pfitzenmaier (62) mit 8791 Stimmen die Nase klar vorne. Einen Überraschungserfolg erzielte bei den Sozialdemokraten Christiane Hug-von Lieven. Die 73-jährige schaffte mit 5167 Stimmen den Sprung vom Listenplatz 8 auf Rang 4.

Und noch ein Veteran ist bei den Wählern eine sichere Bank: Der fast 70-jährige Dieter Maurmaier erhielt 7373 Stimmen. Seine FDP hat mit drei Mitgliedern jetzt wieder Fraktionsstärke.

Die Jungen schaffen es nicht wirklich nach vorne

Wolfgang Röckles Feststellung, wonach vornehmlich die Alten gewählt werden, ist also nicht wirklich zu widersprechen. Dabei haben gerade CDU, Freie Wähler und SPD hoffnungsvolle Nachwuchskräfte, die bei der Wahl beachtliche Ergebnisse erzielen konnten. So hat bei der Union der 33-jährige Bernhard Kogel den Einzug ins Stadtparlament um nur 45 Stimmen verpasst. Sehr respektable Resultate erzielten auch Jessica Kläber (31, 4644 Stimmen), Marcel Stürz (32, 4228), Tobias List (24, 3448) und Alisa Schraitle (23, 3220).

Noch besser die Resultate bei den jungen Freien Wählern: Die 19-jährige Jaqueline Banzhaf erhielt 5045 Stimmen, dicht gefolgt von Ariane Metz (25) mit 4955 Voten. Gut im Rennen ist auch Manuel Frey (26), der es auf 4333 Stimmen brachte.

Für größere Aufgaben scheinen sich zudem zwei junge SPD-Frauen zu eignen: Jamie Speidel (21) erhielt 3512 Stimmen, Philippa Stolle (24) schaffte auf Anhieb 3187 Stimmen. Bei der Liste SALZ kam Marcel Murschel (30) auf 3129 Stimmen. Der 32-jährige David Korte (FDP) schaffte mit 3714 Voten den Einzug in den Gemeinderat. Für seine Parteifreundin Nadine Wörn (33, 2275) reichte es nicht.

Noch ein Wort zur Geschlechterverteilung: Drei Frauen, zwei Männer bei der SPD, Halb-halb bei den Grünen, vier Männer, zwei Frauen bei der CDU, sechs Männer, eine Frau bei den Freien Wählern. Bei der FDP und der SALZ ist der Gemeinderat reine Männersache. Und die Linke Gitte Hutter ist eine Einzelkämpferin.

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