Volleyball Von Null bis Bundesliga in nur vier Jahren

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Bisher läuft es für Janna Schweigmann (rechts) bei Nawaro Straubing besser als geplant: Ihre Blockarbeit verbessert sich stetig, der Trainer ist zufrieden. . Foto: Fabian Roßmann

Heimerdingen -

Als Janna Schweigmann am 14. November in der Scharrena in Stuttgart auf dem Feld stand, hatte sich für die 18-jährige Volleyballerin ein Kreis geschlossen – und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Als Mittelblockerin des niederbayerischen Frauen-Erstligisten Nawaro Straubing erreichte sie damit einen ersten Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere, die sie innerhalb von vier Jahren von einer Hobby- zu einer Bundesligaspielerin geführt hat.

Bis zu ihrem 14. Lebensjahr hatte Janna Schweigmann beim TSV Heimerdingen Fußball gespielt, zehn Jahre lang. Dass sie für den Volleyballsport entdeckt wurde, hatte mit einer gehörigen Portion Zufall zu tun. Nach einer Oberliga-Begegnung ihrer Mutter Britta, die für die TSF Ditzingen lange Jahre in der ersten Mannschaft spielte, schlug Janna Schweigmann ein paar Bälle mit ihrem Bruder. „Eigentlich haben wir nur ein bisschen rumgealbert“, erinnert sie sich. Das aber offenbar auf hohem Niveau. Der württembergische Verbandstrainer Sven Lichtenauer erkannte ihr Talent – und damit begann die Blitzkarriere.

Schon während ihrer Zeit bei den TSF Ditzingen trainierte sie zusätzlich am Volleyball-Bundesstützpunkt in Stuttgart. 2017 wechselte sie in den Perspektivkader von Allianz MTV Stuttgart, spielte zwei Jahre lang in der dritten Liga, in der vergangenen Spielzeit in der zweiten. Ab und zu nahm die Mittelblockerin am Individual-Training der Erstliga-Mannschaft teil und holte sich Tipps von Stars wie Paige Tapp und Molly McCage. „Die waren immer unglaublich nett zu mir“, sagt Janna Schweigmann rückblickend.

Sie hätte auch in dieser Saison im Team des Deutschen Meisters bleiben können. „Zum einen hätte ich aber einen Drei-Jahres-Vertrag unterschreiben müssen, zum anderen hätte ich nicht viel Spielzeit gehabt“, erzählt die 18-Jährige. Vielmehr entschied sie sich stattdessen, von zu Hause auszuziehen und das Angebot von Nawaro Straubing anzunehmen – was insofern gut passte, da sie im Sommer ihr Abitur am Schickhardt-Gymnasium gemacht hatte.

Die Entscheidung für Straubing fiel ihr auch deshalb leicht, weil mit Marie Hänle eine Stuttgarter Teamkollegin mit ihr nach Niederbayern wechselte und sie dort zudem auf ihre beste Freundin Valbona Ismaili traf, die sie aus den Jugendnationalmannschaften bestens kennt.

Auch bei Nawaro Straubing muss sich die 18-Jährige hinten anstellen, nach der Norwegerin Kjersti Norveel und der Slowakin Sandra Szabóová ist sie nur als dritte Mittelblockerin eingeplant. Doch bisher läuft es für die 18-Jährige besser als geplant: „Ich habe in jedem Spiel meine Einsatzzeiten gekriegt“, freut sich die Heimerdingerin. Ihr Trainer Benedikt Frank sei mit ihr sehr zufrieden.

Als größten Unterschied zur zweiten Liga hat sie das schnelle Spiel am Netz ausgemacht. „Das kannte ich bisher so nicht“, räumt sie ein. Ihre Blockarbeit verbessere sich jedoch stetig, auch ihre Aufschläge kommen konstanter und mit mehr Druck. „Ich habe aber in allen Bereichen noch Luft nach oben“, sagt die 18-Jährige selbstkritisch, die mit 1,90 Meter ein Gardemaß als Mittelblockerin mitbringt. Dank ihrer Armlänge verfügt sie zudem über eine außergewöhnliche Reichweite. Darüber hinaus zeichnet sie ein extrem gutes Ballgefühl aus.

Zwei Trainingseinheiten stehen täglich auf dem Stundenplan bei Nawaro Straubing. Vormittags wird an Kraft und Technik gearbeitet, nachmittags werden Spielformen vertieft. Die Zeit dazwischen steht zur freien Verfügung. Janna Schweigmann nutzt sie häufig, um ihr Studium für Elektromobilität, Autonomes Fahren und mobile Robotik an der Technischen Hochschule Deggendorf voranzutreiben. Präsenzvorlesungen besucht sie jedoch nicht mehr. „Das halten unsere Trainer wegen der Corona-Pandemie für zu riskant“, sagt die 18-Jährige, die sich vorstellen kann, später einmal als Ingenieurin zu arbeiten.

Derzeit versucht sie jedoch, sich im Profi-Volleyball zu behaupten. Sie hat in Straubing einen Ein-Jahres-Vertrag, der um ein weiteres Jahr verlängert werden kann, wenn beide Seiten das wollen. Irgendwann würde sie gerne wieder zu Allianz MTV Stuttgart zurückkehren und um Titel mitspielen – zumal hier auch ihre Familie und viele Freunde wohnen.

In dieser Saison hat sie sich zum Ziel gesetzt, mit Nawaro Straubing unter die ersten acht Teams der Tabelle zu kommen und sich damit für die Playoffs um die Meisterschaft zu qualifizieren. „Wir schauen aber von Spiel zu Spiel, die Saison kann wegen Corona ja auch jederzeit abgebrochen werden“, weiß sie.

Der Umgang mit dem Virus erfordert Flexibilität – das hat Janna Schweigmann schon am eigenen Leib erfahren. Auf der Fahrt zum Auswärtsspiel in Wiesbaden Anfang Oktober kam ein Anruf, dass ein Mitglied des erweiterten Teams positiv auf Corona getestet worden sei. „Zehn Minuten vor der Halle in Wiesbaden haben wir kehrt gemacht“, erzählt die 18-Jährige. Statt weiter Bundesliga-Luft zu schnuppern, musste sie zusammen mit drei anderen Spielerinnen in Quarantäne.

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