Virtuelles Museum Rankbachtal Ein Museumsbesuch vom Sofa aus

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Bei der Aktion „Nachts im Museum“ war im Heimatmuseum jede Menge los. Jetzt ist die Einrichtung wie alle anderen geschlossen. Ein Rundgang ist dank des virtuellen Museums trotzdem möglich. Foto: factum//Jürgen Bach

Renningen - Hölzerne Weinfässer in einem historischen Gewölbekeller, alte Wagen, Werkzeuge und Geräte vor der stimmungsvollen Kulisse einer mehr als 200 Jahre alten Scheune: Durch das Heimatmuseum Rankbachtal zu streifen, das ist wie eine kleine Zeitreise. Geöffnet hat die Scheune sonst nur im Sommer. Wann es weitergehen kann, ist aufgrund der Corona-Pandemie aber noch unklar. Trotzdem können nicht nur die Renninger die Räume der alten Scheuer weiterhin erkunden – und zwar im virtuellen Museum Rankbachtal.

Es ist ein Angebot, das sonst oft nur die großen Museen haben: Wer die historischen Ausstellungsstücke aus Renningen und Malms­heim bestaunen möchte, kann das auch ganz bequem von zu Hause aus machen. Mehr als 7000 Bilder, dazu zahlreiche Informationen, zieren die Seite des Heimatvereins Rankbachtal, durch die sich die Besucher nach Lust und Laune klicken können.

Die Initiative zu diesem Projekt kam von den Mitgliedern des Heimatvereins Josef Keck und Konrad Schweizer – allerdings nicht erst mit der Corona-Pandemie, sondern bereits 2015. „Die Idee dahinter war, den Bürgern das Museum näherzubringen und zugänglich zu machen“, erklärt der 71-jährige Josef Keck. Die Öffnungszeiten seien sehr eingeschränkt – die Räume haben sonst nur im Sommer geöffnet und auch dann nur zweiwöchig –, für manche ältere Menschen sei der Besuch eines Museums auch zu beschwerlich. Daher kam der Gedanke, nach dem Vorbild von großen Museen, die Räume und Ausstellungsstücke in Bilderstrecken samt Informationen dazu ins Internet zu stellen. „Denn das Museum ist wichtig, um zu zeigen, wie die Menschen früher gelebt haben“, findet Josef Keck.

970 Fotos allein aus dem Museum

Erst beschränkte sich das Projekt nur auf das reine Museum. Allein von den Räumen und Exponaten gibt es auf der Homepage insgesamt 970 Fotos. „Dann dachten wir aber: Wir wollen noch mehr von der Gemeinde zeigen.“ Fotos aus den beiden Ortsteilen kamen also hinzu, die die jüngere Geschichte der Stadt dokumentieren und viele Hintergründe bieten, zum Beispiel zur Geschichte des Bosch-Areals oder auch zum Rankbach: wo er entspringt, wohin er fließt und so weiter. Auch zahlreiche Natur- und Kulturdenkmale haben die beiden Herren abgelichtet und online gestellt, selbst ein Rundgang durch das Archäologische Museum in Renningen ist möglich.

Nicht nur was die Zahl der Fotos und Motive angeht, war das also ein echtes Mammutprojekt. Vor allem die technische Seite brachte ihre Herausforderungen mit sich: „Ich bin Kartograf, Herr Schweizer hat eine Siebdruckerei. Alles, was die Technik angeht, mussten wir uns selbst neu erarbeiten.“ Programme wie der Flash-Player für die Diashows funktionierten außerdem nicht richtig, doch Konrad Schweizer und Josef Keck blieben am Ball und entwickelten die Seite stetig weiter. Und sie sind noch lange nicht fertig.

„Wir möchten gerne weitermachen“, sagt Josef Keck. Neben der weiteren Ausgestaltung der Seite ist ein persönlicher Wunsch von ihm, auch Exponate aus dem Stadtarchiv zu zeigen, die bislang nur in analoger Form einsehbar sind. „Wir möchten gerne einen tiefer gehenden Blick ins Archiv gewähren, zum Beispiel in die Geschichte der Renninger Landwirtschaft oder der Eisenbahn.“

„Wir sind kein verstaubter Heimatverein“

Und noch etwas ist Keck in Zusammenhang mit dem Beschreiten neuer Wege wichtig: Wie viele Vereine ringt auch der Heimatverein um Nachwuchs. Gerade Heimatvereine haben es dahingehend schwer, da Zugezogene seltener eine so enge Bindung zu ihrer neuen Stadt entwickeln, dass sie sogar dem Heimatverein beitreten. „Konrad Schweizer ist 69, ich bin 71. Wir fühlen uns noch so gut, dass wir sagen: Wir können das noch eine Weile stemmen. Trotzdem ist Nachwuchs immer wichtig“, so Keck.

Mittlerweile hat sich der Renninger Ritterbund – die Gruppe ist eine Abspaltung der Freyen Rittersleut zur Randingen – dem Verein angeschlossen und brachte wieder neues Blut. Trotzdem geht die Suche weiter. „Vor allem möchten wir demonstrieren: Wir sind kein verstaubter Heimatverein.“

Wer sich selbst auf einen virtuellen Streifzug durch das Heimatmuseum oder die Stadt Renningen begeben möchte, kann das im Internet unter www.virtuelles-heimatmuseum-rankbachtal.de tun. Wer sich für die Arbeit des Heimatvereins Rankbachtal interessiert, kann sich per E-Mail an kontakt@ virtuelles-heimatmuseum-rankbachtal.de wenden.

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