Verkehrszählung in Leonberg Vorbereitung für die Stadt von morgen

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Mit Videoanlagen werden an verkehrsreichen Kreuzungen in der Stadtmitte gegenwärtig die Autos gezählt. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Unscheinbare Kästen mit Antennen: Wem diese an Straßenmasten und Ampelanlagen an mehreren Kreuzungen in der Stadtmitte auffallen, dem sei gesagt, das sind Videokameras, die die Autos zählen. Sie sind Teil eines großen Plans.

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Leonberg ist eine Autostadt – die anderen Verkehrsteilnehmer, außer den Bussen, müssen sich in den meisten Fällen den Verkehrsströmen der in manchen Straßen bis zu 20 000 Autos am Tag fügen. Doch mit dem Projekt „Stadt für morgen“, das unter der Voraussetzung „Sozial- und klimagerechte Stadt“ steht, wollen der Gemeinderat und die Stadtverwaltung einen Wandel einleiten.

„Um mit dem Umbau der Innenstadt nach dem Konzept Stadt für morgen beginnen zu können, müssen vorher zahlreiche Daten erfasst werden“, sagt Stephan Kerner. Der Verkehrsplaner leitet seit Anfang dieses Monats das städtische Referat Mobilität. Ein wichtiger Baustein für die Pläne sei die Erhebung des Verkehrsaufkommens an den neuralgischen Punkten in der Innenstadt. Die Videokameras stehen daher am Neuköllner Platz, in der Leonberger Straße/Brennerstraße, am Obi-Kreisverkehr, in der Römerstraße/Zufahrt Kaufland sowie Steinbeisstraße.

Daten werden anonymisiert

Die Verkehrsdaten werden laut dem Verkehrsplaner vollständig anonymisiert. Sie würden ausschließlich genutzt, um mit Verkehrsuntersuchungen die Möglichkeiten und Auswirkungen einer Umgestaltung der Stadtmitte zu erfassen und eine valide Datengrundlage für die anstehenden Planungen zu erhalten. „Die Menschen in den Autos und die Nummernschilder werden nicht sichtbar sein, es werden keine personenbezogenen Daten erfasst“, versichert Stephan Kerner.

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Die Firma Geovista aus Bayreuth, die auf solche Verkehrszählungen spezialisiert ist, übernimmt die Auswertung. „Aus einer guten Datengrundlage wird beispielsweise ersichtlich, ob vielleicht irgendwo ein Fahrstreifen weggelassen werden kann, oder etwa eine Ergänzung notwendig ist – darauf können wir dann die Planungen aufbauen“, erläutert Stephan Kerner.

Im Oktober ist eine Verkehrsbefragung

Neben der quantitativen Analyse soll es auch eine qualitative geben: Im kommenden Monat ist eine Verkehrsbefragung geplant. Über diese will man Informationen zur Verkehrsverteilung generieren. Die Befragung findet voraussichtlich in der Brennerstraße, Eltinger Straße, Leonberger Straße und Römerstraße statt. Auch hier werden die Verkehrsdaten vollständig anonymisiert. Die Polizei wird die Befragung unterstützen. Außerdem sollen die gesamten Parkplätze in der Stadt erfasst werden, um deren Bewirtschaftung sinnvoll zu organisieren. Dazu wird es ein Konzept geben. Dies wird ebenfalls im Oktober erfolgen.

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Im Zentrum der „Stadt für morgen“ steht die Neugestaltung der verkehrsreichen Stadtmitte. Denn hier würden die Rahmenbedingungen nicht mehr den Ansprüchen an einen Städtebau mit hoher Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und einer nachhaltigen Abwicklung des zukunftsorientierten Verkehrs entsprechen. Das gilt besonders vor dem Hintergrund, dass die Kommunen vor einem Wechsel des vorhandenen Denk- und Verhaltensmusters stehen – weg vom Automobil, hin zur Nahmobilität.

Gibt es Fördergelder?

In dieser „Stadt für morgen“ soll es reizvoll sein, durch die Verknüpfung von Fortbewegungsmitteln (öffentlicher Personennahverkehr, Bike-/Carsharing) Wege zeitsparend und ressourcenschonend zurückzulegen. Ein besonderes Augenmerk gilt außerdem dem klimaneutralen Fuß- und Radverkehr. Nicht zuletzt soll der Straßenraum so gestaltet werden, dass er auch auf das autonome Fahren ausgerichtet ist. Darum soll auch die Entwicklung eines automatisierten Bus-Shuttleverkehrs vorangebracht werden. Diese Pläne kosten Geld.

Deshalb hat der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, beim Regierungspräsidium Stuttgart bis Ende Oktober einen Antrag zu stellen, um ins Förderprogramm nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz für den Bereich „Römerstraße/Poststraße“ aufgenommen zu werden. Ziel der Zuwendungen ist die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Kommunen hin zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Mobilität.

In Leonberg geht es um die Eltinger Straße (zwischen Seestraße und Neuköllner Platz), die Römerstraße (zwischen Obi-Kreisverkehr und Einmündung Steinstraße), die Leonberger Straße (zwischen Neuköllner Platz und Leonberger Straße 97), die Steinbeisstraße sowie die Ortsmitte Höfingen. Dafür rechnet man mit einer Förderquote von mindestens 50 Prozent des jeweiligen Straßeninvestitionsvolumens.

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