Verkehrsversuch Leo Test unter Realbedingungen ist wichtig

Von kThomas K. Slotwinski
Im Leonberger Zentrum gibt es versuchsweise Extraspuren für Radler und Busse. Foto: Simon Granville

Seitdem in den Pfingstferien in der Leonberger Innenstadt versuchsweise eine sogenannte Umweltspur eingeführt wurde, reißt die Kritik aus der Bevölkerung nicht ab: Zu gefährlich, gerade für die Radfahrer. Die markierten Flächen werden immer wieder unterbrochen. Autofahrer müssen Slalom fahren. In Stoßzeiten, vor allem bei Staus auf der Autobahn geht im Zent rum gar nichts mehr. Die Stadtverwaltung nimmt zu der Kritik Stellung. Wir dokumentieren wichtige Aussagen der Stadt:

1 Die provisorische Umweltspur wurde ohne Überlegungen eingeführt. Das Ziel des Verkehrsversuchs ist es, den Verkehrsraum in der Innenstadt neu aufzuteilen und Radlern sowie Fußgängern mehr Raum zu geben. Aus dem Gemeinderat wurde beantragt, zunächst eine digitale Verkehrssimulation und später einen Verkehrsversuch in der Realität durchzuführen. Es sollte überprüft werden, ob die City eine Reduktion von vier auf zwei Fahrbahnen verträgt. Die für Autofahrer gesperrten Fahrbahnen wurden vorerst zu einer Spur umfunktioniert, die nur Busse und Radler nutzen dürfen. Wie der Raum bei positivem Ergebnis des Verkehrsversuchs tatsächlich aufgeteilt wird, ist noch völlig offen.

2 Die anderen Geh- und Radwegekonzepte werden vernachlässigt.Das Referat für innovative Mobilität kümmerte sich auch weiterhin um das Geh- und Radwegenetz in ganz Leonberg. Bei dem geplanten Radweg zwischen Leonberg und Ditzingen in der Feuerbacher Straße finden derzeit Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern statt, die Teile ihrer Flächen verkaufen müssten, damit der Radweg umgesetzt werden kann.

Außerdem wird die gesamte Radwegekonzeption gerade überarbeitet. Seit Juni kümmert sich darum unter anderem ein neuer Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, der Fahrradkoordinator.

3 Die Führung des Verkehrsversuchs ist unübersichtlich und unterbrochen. Aufgrund der komplexen Verkehrsführung konnten nicht alle Bereiche abgedeckt werden. An vielen Stellen wären dazu umfangreiche Umbauten nötig gewesen. Voraussetzung für den Versuch war aber, dass die Maßnahmen leicht umkehrbar sind. Daher war es notwendig, die provisorische Spur an einigen Stellen zu unterbrechen.

4 Der Verkehrsversuch macht den Fahrradverkehr gefährlicher als zuvor. Die Radwegeführung ist seit zwei Wochen neu. Daran müssen sich allen Verkehrsteilnehmer gewöhnen, die häufig die Eltinger Straße und die Brennerstraße nutzen.

5 Eine Radspur sollte nicht zwischen Hauptstraße und Parkplätzen verlaufen. Rechts der Parkbuchten ist hierfür zu wenig Platz, das wäre gefährlich für die Fußgänger.

6 Die Verkehrssimulation liefert keine gesicherten Erkenntnisse.Heutige moderne Verkehrssimulationen liefern aussagekräftige Erkenntnisse, um die Auswirkungen von Planungen im Vorfeld zu bewerten. Aufgrund der maßgeblichen Auswirkungen, die mit dem geplanten Stadtumbau einhergehen, hält die Stadt einen zusätzlichen Test unter Realbedingungen für sinnvoll und wichtig.

7 Der Verkehrsversuch soll ausschließlich den Autofahrern schaden. Der Verkehrsversuch soll überprüfen, ob die Reduktion der Fahrbahnen verträglich ist. Da in der Innenstadt nicht grenzenlos Platz zur Verfügung steht, muss der Autoverkehr auf einen Teil seines Platzes verzichten.

8 Der Stau, der in der Innenstadt durch den Verkehrsversuch entsteht, führt zu einer hohen Feinstaubbelastung. Die Stadt wird prüfen, ob eine Feinstaubmessung realisiert werden kann.

9 Die Umweltspur ist ein Hindernis für Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen. Einsatzfahrzeuge dürfen die Umweltspur im Bedarfsfall nutzen.

10 Wegen der Umweltspur nutzen viele Autofahrer die Nebenstraßen.

Die Stadt Leonberg will das prüfen.

11 Wenn Stau auf der Autobahn entsteht, führt das zu einem Verkehrschaos. Die Leonberger Straßen sind sowohl mit als auch ohne Verkehrsversuch bisher nicht in der Lage, das hohe Verkehrsaufkommen der Autobahn staufrei abzuwickeln, wenn diese gesperrt ist.

Um dem Ausweichverkehr entgegenzuwirken, beteiligt sich die Stadt an einem von der Europäischen Union und dem Land geförderten Projekt, bei dem der Leonberger Verkehrsrechner mit vielen weiteren Verkehrszentralen vernetzt wird. Die Zusammenführung der Daten ermöglicht eine stadtgrenzenüberschreitende Reaktion auf die aktuelle Verkehrslage.

12 Der Verkehrsversuch findet bewusst nur in den Ferien statt, um das geringere Verkehrsaufkommen zu nutzen. Der Verkehrsversuch begann am 14. Juni und läuft voraussichtlich ein halbes Jahr. Damit werden Erkenntnisse, außerhalb von Ferien und Feiertagen, gewonnen. Der Start des Versuchs lag nicht absichtlich in den Ferien. Durch Lieferengpässe bei den Schildern musste der Start verschoben werden.

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