Verkehr im Heckengäu Mönsheim klagt gegen Porsche-Zufahrt

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Porsche erweitert im Süden sein Werk um zehn Hektar. Die Straße dorthin ist aber sanierungsbedürftig.. Foto: factum/Simon Granville

Mönsheim - Für Weissach ist es die größte und einzige Hoffnung auf Verkehrsentlastung. Im Süden des Porsche-Entwicklungszentrums ist ein zweiter Zugang geplant. Von dort könnte man über die Diebkreuzung direkt zur Autobahnauffahrt Heimsheim gelangen. Bislang müssen sich alle Porsche-Pendler durch die beiden Weissacher Ortsteile quälen, um zum Nordtor zu gelangen – dem bisher einzigen Zugang zum Porsche-Werk.

Der Ausbau der Kreisstraße zwischen Flacht und Mönsheim und die Inbetriebnahme des Südtors hat lange Zeit als Ideallösung gegolten, bis Mönsheim im vergangenen Jahr Bedenken angemeldet hat. Jetzt geht die Gemeinde noch einen Schritt weiter und reicht Klage beim Verwaltungsgericht Karlsruhe ein. Das hat Mönsheims Gemeinderat beschlossen – und zwar einstimmig. Allerdings waren vier von sieben Mitgliedern der Freien Wähler befangen und durften nicht mitberaten und mitstimmen.

Die Klage sei fristgerecht eingereicht worden, sagte Mönsheims Bürgermeister Thomas Fritsch. Mit der Begründung der Klage habe man nun Zeit bis Ende August. „Wir sollten die Klage auf jeden Fall aufrechterhalten“, betonte Gemeinderat Joachim Baumgärtner (Unabhängige Bürgerliste Mönsheim). „Wenn wir uns jetzt nicht äußern, müssen wir die Folgen jahrzehntelang mittragen.“

Mönsheim fürchtet Verkehrschaos

Besonders folgende Punkte missfallen Mönsheim: Bislang ist vorgesehen, dass man von der Porsche-Südzufahrt nur in eine Richtung abbiegen kann, nämlich in Richtung Mönsheim, damit alle Pendler direkt zur Autobahnauffahrt Heimsheim fahren. Weissach hatte das durchgesetzt, um den Verkehr aus Flacht rauszubekommen. Die Mönsheimer Gemeinderäte befürchten nun eine Zunahme mit noch mehr Staus im Berufsverkehr in Richtung ihres Ortes. Schon heute ist der Bereich der Diebkreuzung kolossal überlastet, mit Staus, die zum Teil bis in den Mönsheimer Ortskern zurückreichen. Abgelehnt wird zweitens ein neuer Radweg zwischen der L 1134 und der K 4569. Der Nutzen stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten und dem Flächenverbrauch. Klärungsbedarf sieht Mönsheim weiter bei der Entwässerung der Kreisstraße über das Tosbecken auf Mönsheimer Gemarkung.

Wegen der Klage kommt der Ausbau der Kreisstraße zwischen Flacht und Mönsheim nun erst einmal nicht. „Ja, die Klage hat aufschiebende Wirkung“, erklärt Irene Feilhauer, die Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Diese Behörde ist für die Genehmigung des Straßenausbaus zuständig, deshalb ist das RP formal auch der Beklagte.

Bauherr ist das Landratsamt Enzkreis. Dort war das Projekt – auch ohne Klage – schon massiv unter Zeitverzug geraten. Ursprünglich war geplant, den Ausbau Mitte 2018 zu beginnen. Später korrigierte das Landratsamt den Zeitplan nach hinten auf Ende 2020. Stand heute hat das Landratsamt aber noch nicht einmal alle nötigen Grundstücke für das 4,5-Millionen-Euro-Projekt aufgekauft. Man sei dabei, berichtet Jürgen Hörstmann, der Sprecher des Enzkreises.

Erster Schritt wäre dann der Naturschutz. Zauneidechsen müssen umgesiedelt und für Feldlerchen Ersatzlebensräume geschaffen werden. „Noch in diesem Jahr könnten wir mit diesen vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen starten“, sagt Hörstmann und spricht im Konjunktiv, denn dafür wäre freilich die Baugenehmigung nötig, gegen die Mönsheim klagt. „Wir als Baulastträger der K 4569 sind bisher über die Klageerhebung noch nicht offiziell informiert“, sagt er. Weil die Begründung noch fehlt, will er sich auch nicht äußern, ob es Gespräche oder das Ziel einer außergerichtlich Einigung gibt.

Im Sommer 2021 ist das Südtor fertig

Ob Porsche dabei jetzt mitmischt, will Firmensprecherin Jana Jessen ebenfalls nicht sagen. „Wir befinden uns mit allen Beteiligten im ständigen und engen Austausch“, teilt sie mit. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zur Abstimmung zwischen öffentlichen Institutionen nicht äußern.“ Am Südtor wird gebaut. In einem Jahr, im Sommer 2021, sei das Mitarbeiterparkhaus fertig, sagt Jessen. Dann plane man – Stand jetzt –, das Südtor in Betrieb zu nehmen.

In Weissach ist man auch nicht amüsiert, dass Mönsheim querschießt. Man habe die Nachbargemeinde seit Anbeginn in die Planungen mit einbezogen, sagt Weissachs Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) unserer Zeitung. Überrascht sei er, dass es die Bedenken erst jetzt gibt.

Mönsheims Bürgermeister Thomas Fritsch rief seine Gemeinderäte derweil auf, nach weiteren Stichpunkten zu suchen, die in die Klagebegründung mit einfließen könnten.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat zudem, dass die Verwaltung mit Blick auf die Klage vorerst keine gemeindeeigenen Grundstücke für den Bau der Straße verkauft. Dies solle auch eventuelle Tauschgeschäfte mit anderen Grundstückseigentümern betreffen, hieß es dazu.

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