US-Philosophin Susan Neiman sieht Umgang mit Nazizeit als Vorbild

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Die US-Philosophin Susan Neiman ist der Meinung, dass die USA nie aus der eigenen Geschichte gelernt hätten. Foto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa

Brüssel - Die US-Philosophin Susan Neiman sieht den deutschen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit als Vorbild für die USA.

In der amerikanischen Vergangenheit sei im Zuge der Sklaverei viel Böses geschehen, doch hätten die Amerikaner nie Lehren aus der Geschichte gezogen, sagte die Philosophin der belgischen Zeitung "De Morgen". "Es ist Zeit zu schauen, von wem wir etwas lernen können."

Die 64-Jährige erinnerte sich in dem Interview daran, wie sie vor fast 40 Jahren nach Berlin zog: "In der Stadt kommt man nicht umhin zu bemerken, dass dieses Land sehr bewusst mit seiner Nazi-Vergangenheit umgeht." Die Geschichte sei überall präsent. "Das rief bei mir die Frage auf: Warum sehe ich das nicht auch in Amerika?", sagte Neiman der Zeitung.

"Ich denke, dass es für viele Nicht-Deutsche - mich eingeschlossen - ein Schock ist zu erkennen, wie lange die Deutschen brauchten, um das Böse anzuerkennen, das im Namen ihres Landes geschehen war", sagte Neiman. Ihrem US-Publikum sage sie häufig: "Schaut, sogar die Nazis haben sehr viel Zeit gebraucht, um sich nicht als Opfer, sondern als Täter zu sehen."

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