Unwetter mit Hagel über Weissach und Flacht Kurz aber heftig

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Vor dem DRK in Flacht kommt das Räumungsfahrzeug im Juni zum Einsatz. Foto: Jürgen Bach

Weissach - Schneeschippen im Sommer und leichter Wellengang auf dem Marktplatz: So hat sich das Juniwetter in Weissach und Flacht wahrlich niemand ausgemalt. Starkregen, Wind, Überschwemmungen und ein starker Hagel waren die Begleiterscheinungen eines schweren Unwetters, das am Mittwochnachmittag über die Porschegemeinde gezogen ist. In seinen acht Jahren als Feuerwehrkommandant habe er so etwas noch nicht erlebt, sagt Holger Marquardt.

Um 14.40 Uhr ging das Gewitter los, dauerte allerdings nicht lange an. „Es war ein Spektakel von wenigen Minuten“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Das Unwetter zog anschließend weiter nach Nordosten. In den Kommunen südlich von Weissach wie Rutesheim oder Renningen waren lediglich dunkle Wolken zu sehen, vereinzelt gab es leichte Regenschauer.

Die Kanalisation packt die Wassermassen nicht

Ganz anders in Weissach. Aufgrund des starken Regenfalls strömte das Wasser in Bächen durch die Straßen, in Flacht etwa durch die Kirchberg- und Rathausstraße. Auch in der Friolzheimer Straße bildete das Wasser einen reißenden Bach und floss in Richtung Ortsmitte, die etwas tiefer liegt als die umliegenden Straßen. In Weissach sprudelte das Wasser springbrunnenartig aus den Gullys. Die Kanalisation konnte die plötzlichen und heftigen Wassermassen nicht mehr fassen.

Die Hagelkörner, nach Berichten von Anwohnern rund einen Zentimeter groß, wurden von den Fluten auch durch die Straßen und in Vorgärten gespült. Gerhard Franz aus Flacht berichtet von einem Anwohner in der Friolzheimer Straße, der Hagelkörner aus seinem Vorgarten schippen musste, weil diese sich dort 15 bis 20 Zentimeter auftürmten. „Die Hagelkörner wurden mit den sturzbachartigen Fluten in den Vorgarten gespült“, erzählt Franz und ergänzt: „Aus der Landsiedlung im Bereich Hohweg und Finkenweg in Flacht habe ich durch einen Anruf erfahren, dass dort Wassermassen und Hagelkörner unter anderem durch die Toilette ins Badezimmer gespült worden ist.“

Feuerwehr ist im Dauereinsatz

Der Hagel, der von den Wassermassen durch die Straßen gespült wurde, bildete weiße, fast eisschollenartige Krusten. Auf dem Weissacher Marktplatz stand das Wasser einige Zentimeter hoch, hier mussten sich die Autos langsam einen Weg durch die braunen Fluten bahnen. 

Die Feuerwehr Weissach war daher in voller Besatzung, also mit allen 50 Einsatzkräften und fünf Fahrzeugen, im Einsatz, um der Wassermassen Herr zu werden. Bis circa 18 Uhr verzeichnete der Kommandant  35 Wassereinsätze, also auszupumpende Keller. „Das waren aber nur die mit mehr als zehn Zentimetern, wo wirklich Gefahr im Verzug ist.“ Die Zahl der Wasserschäden insgesamt sei also deutlich höher. Hinzu kamen drei Sturmschäden – umgestürzte Bäume oder Äste auf einem Haus, einem Auto und einer Straße – sowie drei weitere Hilfseinsätze und ein Rettungseinsatz: Ein Auto war  von der Straße abgekommen und in den Bachlauf geraten, weil der Fahrer  den Weg nicht mehr gesehen hatte, und wurde vom Strudelbach ein Stück mitgerissen. „Der Mann kam nicht mehr raus und drohte zu ertrinken.“
Doch so schlimm die Straßen und Gullys zeitweise auch aussahen: „Wenn die Abläufe im Kanal und im Strudelbach wieder frei sind, fließt das ziemlich schnell wieder ab“, erklärt Marquardt. Daher hatte die Feuerwehr auch alle Hände voll zu tun, um die Bachabläufe freizuräumen. Wenn diese bei einem Unwetter verstopfen, tritt der Bach über die Ufer. 
Bei der Frage nach einem vergleichbaren Ereignis muss Holger Marquardt erst mal überlegen. „Ich glaube, in dem Umfang  hatten wir so etwas zuletzt vor zehn Jahren.“ Und er wolle auch hoffen, dass das ein Ereignis bleibt, das einem nicht öfter als alle zehn Jahre begegnet.

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