Unternehmensumfrage in Leonberg Die meisten Firmen fühlen sich hier wohl

Von Thomas K. Slotwinski
Erfolgsmodell Leo West: Der Maschinenbauer Altratec verlegt seine Zentrale von Schwieberdingen nach Leonberg; hier der Spatenstich im September. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Die meisten Leonberger Unternehmen sind mit ihrem Standort zufrieden, haben gleichwohl hohe Ansprüche an die Stadt ihrer Wahl. Die zentrale Lage mit den guten Verkehrsverbindungen trägt wesentlich zum positiven Bild bei. Durchwachsen beurteilen die Führungskräfte die begrenzten Gewerbeflächen und Parkplätze. Das sind die wichtigsten Ergebnisse eine Umfrage unter heimischen Unternehmen, die das auf Kommunen spezialisierte Marktforschungsinstitut L.Q.M. aus Mainz im Auftrag der Stadt gemacht hat.

Warum eine Umfrage?

„Wer Gewerbesteuer zahlt, darf auch zufrieden sein“, meint Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD). „Deshalb wollten wir von unseren Unternehmen wissen, ob das so ist.“ 200 Firmen aus ganz unterschiedlichen Branchen von Handel bis Industrie wurden vom OB angeschrieben, 77 hatten sich zurückgemeldet. „Das ist ein guter Wert“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Benjamin Schweizer.

Die letzte Umfrage unter heimischen Betrieben hatte vor fünf Jahren mit Fragebögen stattgefunden. Damals war die Resonanz nicht so groß. Diesmal haben die Meinungsforscher etwa 15-minütige Telefoninterviews gemacht.

Wie ist die Stimmung?

Im Grunde gut. 57 Prozent der Befragten erwarten für die Zukunft steigende Umsätze, 34 Prozent rechnen mit konstanten Geschäften. Lediglich neun Prozent erwarten schlechtere Erträge. Auch bei den Investitionen ist der Trend positiv.

In anderen Kommunen, in denen die Marktforscher aktiv waren, sind die Stimmung und die Investitionsbereitschaft nicht ganz so optimistisch. Schweizer hält aber einen direkten Vergleich für problematisch, reicht die Spanne doch von Bochum mit 365 000 Einwohnern bis zum westpfälzischen Weilerbach mit rund 8000 Menschen. Auch in zwei Landkreisen waren die Marktforscher aktiv.

Wie wird der Standort bewertet?

Die große Mehrheit (65 Prozent) der Firmenchefs fühlt sich wohl in Leonberg. „Sehr zufrieden“ ist aber nur jeder Fünfte. Absolute Negativurteile gibt es lediglich von fünf Prozent. Ein großer Pluspunkt ist die Autobahnnähe, die 39 Prozent sehr gut finden, 43 Prozent gut. Mit dem Nahverkehrsangebot sind 61 Prozent weitgehend zufrieden. Auch das Angebot an geschäftlichen Netzwerken, die Schullandschaft und die Kinderbetreuung werden überwiegend positiv beurteilt.

Die Bewertung der Breitbandgeschwindigkeiten polarisiert hingegen: 24 Prozent halten sie für absolut unzureichend, aber immerhin 16 Prozent sind sehr zufrieden. Im Gesamttrend überwiegen die Unzufriedenen.

Einer der größten lokalen Aufreger betrifft auch die Wirtschaft in hohem Maße: Die Hälfte der Befragten beurteilt die Verkehrssituation in der Stadt als absolut schlecht, 17 Prozent als eher schlecht. Interessanterweise sind aber auch 33 Prozent halbwegs zufrieden.

Unter dem Strich fühlen sich die meisten Unternehmen, 77 Prozent, mit Leonberg sehr verbunden, fast alle davon wollen auch hier investieren. Immerhin 66 Prozent halten den Standort für „bestens geeignet, um die eigenen geschäftlichen Ziele zu erreichen.“ Entsprechend würden sie anderen Unternehmen eine Ansiedlung in Leonberg empfehlen.

Was soll die Stadt machen?

Hier ist die Erwartungshaltung ganz klar: Insgesamt 85 Prozent erwarten sich aus dem Rathaus Hilfe bei der Suche nach Gewerbe- und Büroflächen. Mit insgesamt 72 Prozent ist auch der Ruf nach Beratung von Existenzgründern und Start-ups recht laut. Eine ähnliche Wertigkeit hat die Hilfe bei der Suche nach Fachkräften und die Vermittlung von Kontakten. Mehr als 60 Prozent sehen in der Wirtschaftsförderung eine zentrale Anlaufstelle mit Lotsenfunktion, die über Fördermöglichkeiten informiert und sich zudem um eine Innovationskultur in der Stadt bemüht.

Nur etwa die Hälfte wünscht sich von der Stadt regelmäßige Unternehmensbesuche oder Veranstaltungen wie Wirtschaftsfrühstücke. Unterstützung beim Krisenmanagement ist lediglich bei 43 Prozent gefragt. Und ein betriebliches Gesundheitsmanagement spielt nur bei 25 Prozent eine Rolle. Für 45 Prozent ist dieses Thema nicht wichtig.

Herausforderung Fachkräftesuche?

81 Prozent bejahen diese Frage. Einige Unternehmen rechnen sogar mit Problemen, die jetzige Beschäftigtenzahl zu halten. Knapp die Hälfte aller befragten Firmen hat unbesetzte Stellen. Am meisten gesucht (78 Prozent) sind Fachkräfte mit Berufsabschluss oder adäquater Erfahrung. Der Bedarf für Fachkräfte mit Hochschulabschluss liegt mit 43 Prozent erkennbar niedriger.

Dabei könne die Stadt ihren Beitrag leisten, um leichter Leute zu gewinnen: mit mehr bezahlbarem Wohnraum, einer attraktiveren Stadtgestaltung, einem besseren Nahverkehr und der Unterstützung von Unternehmen, die ausbilden. Auch der recht hohe Kaufkraftabfluss wird als Problem bezeichnet.

Brauchen die Formen mehr Platz?

Nur bedingt. Während in den kommunalpolitischen Gremien die begrenzte Zahl der Gewerbegrundstücke sehr häufig problematisiert wird, scheint der akute Bedarf im Moment nicht so hoch. 83 Prozent der Befragten geben an, sich derzeit flächenmäßig nicht vergrößern zu wollen. Lediglich 13 Firmen möchten sich im Lauf der nächsten drei Jahren erweitern.

Ähnlich sieht es bei den Gewerbeimmobilien aus. Nur acht Unternehmen benötigen in den kommenden drei Jahren rund 8000 Quadratmeter an Immobilien. 89 Prozent haben keinen Bedarf. Was kein Indiz auf die Nachfrage von außen ist, die weiterhin „ungebrochen hoch ist“, wie Oberbürgermeister Cohn sagt.

Was passiert jetzt?

Während das Gewerbegebiet Leo West quasi ausverkauft ist, sollen die Gebiete Pfad und Carl-Zeiss-Straße weiterentwickelt werden. Wirtschaftsförderer Schweizer will bei Grundstückseigentümern regelmäßig deren Verkaufsbereitschaft abfragen und freie Flächen frühzeitig vermarkten. Dafür soll es ein Konzept geben.

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