Umweltschutz in Weissach BUND geht gegen Baugebiet vor

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Der BUND Weissach, hier vertreten durch Angelika Brümmer, macht sich gegen das Neubaugebiet Am Graben stark. Foto: Jürgen Bach

Weissach - Der galoppierende Flächenverbrauch ist in ganz Baden-Württemberg ein riesiges Problem. Laut Statistischem Landesamt wurden hierzulande zuletzt jeden Tag rund 4,8 Hektar überbaut und versiegelt. Das entspricht einer Fläche von mindestens fünf Fußballfeldern. Dass der „ausufernde Flächenfraß“ mit seinen dramatischen Folgen für Mensch, Tier und Pflanzen auch in Weissach wüte, darauf machte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unlängst beim Tag des Bodens am 5. Dezember aufmerksam.

Doch allein bei Appellen soll es nach Ansicht der Umwelt- und Naturschützer nicht mehr bleiben. Seit vergangener Woche sammelt der BUND-Ortsverband in Weissach Unterschriften, um gegen den im Gemeinderat mit einer satten Mehrheit kürzlich verabschiedeten Aufstellungsbeschluss zum Neubaugebiet Am Graben mit einem Bürgerbegehren vorzugehen.

Dass in Weissach angeblich ein großer Bedarf an Bauland herrscht – zuletzt war von rund 500 Anfragen, davon etwa 125 aus der Kommune selbst, die Rede –, will der Sprecher des Bürgerbegehrens, Hans Wiggenhauser, nicht gelten lassen: Er betont, dass Weissach im Regionalplan als Gemeinde mit Eigenentwicklung dargestellt sei. Das soll heißen: In der Heckengäugemeinde darf eigentlich keine über den Ortsbedarf hinausgehende Siedlungstätigkeit stattfinden.

„Wir sehen überhaupt keinen Bedarf für ein Neubaugebiet“

„Es gibt hier für den heutigen und zukünftigen Eigenbedarf nachweislich ausreichend Wohnraum und Flächen, weil ständig alte Wohnungen und Häuser wieder frei werden“, argumentiert Wiggenhauser. Und auch die demografische Entwicklung der Kommune spreche gegen das Bauprojekt: Denn laut Prognosen des Statistischen Landesamtes sei ohne Zuwanderung die Einwohnerzahl in Weissach in den kommenden 15 Jahren rückläufig. „Wir sehen deshalb überhaupt keinen Bedarf für ein Neubaugebiet.“

Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU), der sich für das 7,5 Hektar große Gebiet Am Graben von Anfang an stark gemacht hat, sieht das naturgemäß ganz anders: Der Bedarf, so der Rathauschef, könne allein aus der Innenentwicklung, sprich, aus im Ort frei werdendem Wohnraum und Flächen „niemals befriedigt werden“. Ein triftiger Grund dafür: Bestandsgebäude und Bauland auf dem privaten Immobilienmarkt seien vor allem für junge Familien viel zu teuer.

Überdies betont Töpfer, „dass der geltende Flächennutzungsplan ohnehin nur ausweist, was wir als Kommune mit Eigenentwicklung überhaupt dürfen“. Ein gewichtige Rolle spielt dabei der große Arbeitgeber Porsche, durch den es in Weissach einen deutlichen Überschuss an Einpendlern gibt. Es bestehe deshalb die Zielsetzung, so Töpfer, dass den Personen, die in Weissach arbeiten, vermehrt Wohnraum hier angeboten werden soll. Auch dies übrigens mit guten ökologischen Gründen: Dadurch werde nicht zuletzt der Einpendlerverkehr reduziert.

421 Stimmen sind erforderlich

Damit ein Bürgerbegehren beantragt werden kann, müssen die Initiatoren laut Gemeindeordnung von mindestens sieben Prozent der Wahlberechtigten Unterschriften sammeln. In Weissach liegt dieses Quorum bei 421 Wahlberechtigten. Erst wenn die Unterschriften in ausreichender Zahl vorliegen und das Bürgerbegehren grundsätzlich zulässig ist, kann der Gemeinderat den eigentlichen Bürgerentscheid einleiten.

Bis zum 30. März haben die Initiatoren nun Zeit, die Unterschriften zu sammeln. Spätestens dann muss das Bürgerbegehren beantragt werden. Dass das gelingt, ist derzeit alles andere als einfach. Denn in Zeiten von Corona verbietet sich das Klinkenputzen. Die Unterschriftenliste muss auf der Homepage des BUND-Ortsverbands (www.bund-weissach.de) selbstständig heruntergeladen und anschließend bei einer der drei dort genannten Personen abgegeben werden.

Töpfer sieht einem Bürgerentscheid, den er grundsätzlich für legitim hält, aber ohnehin gelassen entgegen: „Ich setze darauf, dass unsere Gemeinde so entscheidet, wie sie es für richtig hält. Wenn man die Gemeinde entwickeln möchte, wird das Neubaugebiet nötig sein. Wer Stagnation will, muss es ablehnen.“

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