Uli Sailer aus Gerlingen Tausendsassa im Dienst für Menschen

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Uli Sailer arbeitet am liebsten für und mit Menschen – ehrenamtlich. Foto: J/ürgen Bach

Gerlingen - Uli Sailer kann es nicht lassen. „Ich mach‘ einfach“, sagt der groß gewachsene 56-jährige Kommunalberater und Digitalstratege aus Gerlingen. „Machen“ bedeutet bei ihm vor allem eines: zupacken für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Mal mit langfristiger, visionärer Perspektive, etwa beim Initiieren der Mitmachzentrale. Und mal von heute auf morgen, zum Beispiel wenn Seniorinnen und Senioren schnell einen Termin für die Corona-Impfung brauchen, aber keinen Online-Zugang haben.

Uli Sailer ist nun mit einem der beiden Bürgerpreise der Gerlinger SPD ausgezeichnet worden, in der Kategorie „Einzelpreis“. Er hat ihn „für sein vielfältiges Schaffen und das enorme Engagement für die Menschen in Gerlingen“ erhalten, sagt die Laudatorin Antje Becker, die Vorsitzende der Stiftung Lebensräume, anlässlich der Verleihung in der Jahnhalle. Den „Gruppenpreis“ gewann der 1903 gegründete Obst-, Wein- und Gartenbauverein Gerlingen.

Impftermine für Senioren vereinbart

Wenn Not am Mann ist, ist Uli Sailer da. Der gelernte Kälteanlagenbauer – „ich war auch mal für das Eis auf der Kunsteislaufbahn Waldau in Stuttgart zuständig“ – war einige Jahre lang für ein internationales Unternehmen im Außendienst tätig, bis er sein Hobby zum Beruf machte. Seit mehr als 20 Jahren hält Uli Sailer Vorträge und Seminare zu Mediennutzung und Datenschutz, etwa in Schulen. Oder er berät die kommunale Verwaltung, unter anderem im Gerlinger Rathaus.

In den Anfängen der Pandemie fiel ihm auf: Viele ältere Gerlinger ohne Internet-Zugang wussten nicht, wie sie am besten an einen Impftermin kommen sollten. Uli Sailer telefonierte mit Impfzentren und Krankenhäusern, um die Zusammenhänge zu verstehen, setzte einen Prozess auf, gab dem Projekt den Namen „Heiße Nadel“ – und fand sich schließlich wochenlang täglich bis ein Uhr nachts vor dem Computer wieder. Am Ende hatte er 250 Impftermine für Seniorinnen und Senioren aus Gerlingen verabredet.

Warum er so viel für andere Menschen tut und dabei immer mal wieder auch in Stress gerät, kann er selbst gar nicht so genau sagen. „Ich bin schon seit meiner Jugend ehrenamtlich aktiv und kann einfach nicht anders“, sagt er und lacht. Eine Investition in Menschen zahle sich immer aus, findet der Vater zweier erwachsener Kinder. Und fasst die eigenen Erfahrungen auf gut Schwäbisch zusammen: „Was zurückkommt von de‘ Leut‘, isch scho toll.“

Gasthaus Hirschen – ein Ort für Bürgerbeteiligung

Auch langfristige Projekte hat Uli Sailer angestoßen, allen voran die Gerlinger Mitmachzentrale. Am liebsten macht er alles persönlich. „Ich steh‘ gerne selber hin vor die Leut‘, nur so kann ich überzeugen.“ Das kam ihm wohl auch zugute, als er dem Gerlinger Stadtrat seine Idee vorstellte, aus dem 300 Jahre alten, im Besitz der Stadt befindlichen Gasthaus Hirschen einen Ort zu machen, der für Nachhaltigkeit, Lebensqualität, Bürgerbeteiligung und Medienkompetenz steht. „Wenn ich etwas kann, dann andere motivieren.“ Im Fall von Andreas Käde war das einfach: Der pensionierte Anwalt konnte sich sofort dafür begeistern, den alten Hirschen mit neuem Leben zu füllen. Er war von Anfang an als Partner für die rechtlichen Dinge dabei, auch bei der Vereinsgründung 2019.

So ist nun in der Gerlinger Hauptstraße ein medial exzellent ausgestattetes Haus für alle entstanden, die in der Stadt ehrenamtlich etwas auf die Beine stellen wollen, mit Möglichkeiten zum Übertragen von Live-Veranstaltungen bis hin zu flexibel online buchbaren Räumen für Projekte. Derzeit sind etwa zehn Gruppen in der Mitmachzentrale aktiv, von der Kleidertausch-Börse bis zu Initiativen für fairen Handel. Die Stadt stellt die Immobilie zur Verfügung. Fördermittel hat die Mitmachzentrale vom Bundesprogramm Mehrgenerationenhäuser erhalten – „und eine Menge eigenes Geld ist auch eingeflossen“, sagt Uli Sailer.

Mitmachzentrale geht mit neuer Webseite an den Start

Marion Doberitzsch, die Bildungsreferentin im Gerlinger Weltladen, ist seit Anfang 2020 mit der Fair Trade AG des nahe gelegenen Robert-Bosch-Gymnasiums in der Mitmachzentrale. Sie nutzt die großzügigen Räume, um sich dort mit den Jugendlichen zu treffen, Projekte zum Thema „Fairer Handel“ zu initiieren und zu bearbeiten. So hat die Gruppe erst unlängst eine komplexe Großveranstaltung organisiert, die parallel in der Schule und online stattfand. „Die zentrale Lage der Mitmachzentrale ist gut“, sagt sie. „Toll war auch, dass wir in der Mitmachzentrale Leute getroffen haben, die uns mit ihrer IT-Kompetenz weiterhelfen konnten. Wenn wir uns vernetzen und zusammentun, können wir Großes bewirken“, so ihr Fazit.

Das bleibt auch Uli Sailers Motto. Die Ideen für neue Projekte gehen ihm nicht aus. Die Mitmachzentrale hat er erst kürzlich mit einer neuen Webseite und einem eigenen Online-Kommunikationssystem ausgestattet. Er freut sich darauf, wenn das Café Klatsch, ein mobiles Café im Wohnmobil, in Gerlingen unterwegs sein wird, um die Bürger miteinander ins Gespräch zu bringen. „Uli Sailer ist ein absoluter Vernetzer“, sagt Marion Doberitzsch. Eben ein Visionär und Tausendsassa – im Dienst für die Menschen.

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